Titel: Mercier, über die Fabrication der Mennige.
Autor: Mercier, George
Fundstelle: 1872, Band 203, Nr. XI. (S. 29–41)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/ar203011

XI. Neues Verfahren zur Fabrication der Mennige; von George Mercier, Bergingenieur.

Aus den Annales des Mines, 1871, t. XIX p. 1.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Verfolgt man die verschiedenen Operationen, denen das Massicot unterworfen wird, um es in Mennige umzuwandeln, so fällt einerseits die Langsamkeit auf, womit diese Umwandlung stattfindet, andererseits das geringe Ausbringen eines jeden Ofens; gewöhnlich pflegt man nämlich die Höheroxydation des Massicots in der oberen Etage des zur Umwandlung des Bleies in Massicot dienenden Ofens oder aber auf dessen Sohle selbst zu bewirken.

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Bei dieser Verfahrungsweise ist die Production eine geringe, und der Erfolg einer wichtigen Operation wird durch den Einfluß vielfacher Temperaturwechsel benachtheiligt, welche bei einem zu zweierlei Zwecken benutzten Ofen nicht zu vermeiden sind.

Es schien mir daher interessant, zu untersuchen unter welchen Temperaturverhältnissen die Bildung der Mennige stattfindet, um die Resultate dieser Untersuchung zur Construction eines großen, zur billigen Fabrication der Mennige bestimmten Ofens verwerthen zu können, d.h. eines Ofens welcher bloß Mennige, so schön wie das entsprechende Massicot es gestattet, massenhaft und rasch zu produciren bestimmt ist.

Ich werde im Nachfolgenden die von mir abgeführten Versuche und die mit denselben erzielten Resultate mittheilen und schließlich eine Beschreibung des Ofens geben, welcher mir dem erwähnten Zwecke zu entsprechen scheint. Das Ziel meiner Untersuchungen war, mit einem einzigen, einige Stunden andauernden Feuer eine gute Mennige darzustellen.

I. Erste Versuchsreihe. – Anwendung eines Flammofens mit großer Heizfläche.

Erster Versuch. – Als Brennmaterial benutzte ich eine langflammende Steinkohle. Auf die Ofensohle wurde ein inniges Gemenge von 4 Thln. Massicot, von der zur Krystallglasfabrication bestimmten und 1 Theil der feineren, zur Malerei angewendeten Sorte ausgebreitet.

Bei dem gewöhnlichen Fabricationsverfahren wird das in einer gewissen Dicke ausgebreitete Massicot einer langsamen Oxydation überlassen, welche sich von der einen Seite aus nach der anderen verbreitet; überdieß muß, da die Masse nicht durchgearbeitet wird, der am stärksten erhitzte Theil auf einer Temperatur erhalten werden, welche niedriger als die ist, bei der die Zersetzung der Mennige erfolgt; die am schwächsten erhitzten Theile haben demnach eine Temperatur welche bedeutend geringer ist als die, welche die Zersetzung veranlaßt. Diese Thatsachen brachten mich auf den Gedanken, die Bildung der Mennige dadurch zu beschleunigen, daß ich das Massicot zu einer dünnen Schicht ausbreiten, auf eine geeignete Temperatur erwärmen und dann eine Reihe von Hitzen geben würde, unterununterbrochenem Umrühren. Ich beabsichtigte also der Masse, nachdem ich sie vorgewärmt hatte, eine Hitze zu geben die die höchste Temperatur erzeugte, welche die Mennige ohne Zersetzung zu ertragen vermag; dabei rührte ich um, sowohl um sämmtliche Massicotschichten successive der höchsten Temperatur und dem unmittelbaren Zutritt des Sauerstoffes auszusetzen, als auch um gleichzeitig die am stärksten |31| erhitzte Schicht in rascher Aufeinanderfolge der höchsten Temperatur zu entziehen.

Von Viertelstunde zu Viertelstunde gab ich 10 Minuten lang eine Hitze, unter gleichzeitigem Durchrühren der Masse; dann breitete ich das Massicot auf der Ofensohle aus und ließ die Temperatur des Ofens so weit sinken, daß die Zersetzung der Mennige nicht zu befürchten war. In dieser Weise arbeitete ich vier Stunden lang. Zuletzt zog ich das Massicot auf der Ofensohle noch einmal zu einer gleichmäßigen Schicht auseinander, schloß sämmtliche Ofenöffnungen hermetisch und wartete fünfzehn Stunden lang.

Eine halbe Stunde nach dem Beginn der Operation beobachtete ich, daß das Massicot eine Rosafärbung angenommen hatte; nach dem letzten Umrühren zeigte die Masse nach dem Ausbreiten eine gelbe Färbung, welche lebhafter war als die des ursprünglichen Massicots.

Als ich den Ofen neunzehn Stunden nach dem Anfange des Versuches öffnete, fand ich ihn noch sehr heiß; die obere Schicht des Massicots war schön kanariengelb, unter dieser Schicht und in der Mitte der Sohle, fand ich eine blaßrothe Schicht, und längs der Feuerbrücke einen Streifen schönfarbiger Mennige.

Aus allen diesen Erscheinungen schloß ich, daß bei diesem ersten Versuche die Temperatur zu hoch gewesen war, und daß die Berührung mit den Flammen einen nachtheiligen Einfluß auf das Product hatte; denn nur unter der Feuerbrücke, an der gegen die Flammen geschütztesten Stelle, hatte ich eine geringe Menge schöner Mennige erhalten.

Zweiter Versuch. – Zu diesem Versuche verwendete ich die bei dem ersten erhaltene Masse, um zu ermitteln ob Massicot, welches einer zu hohen Temperatur ausgesetzt gewesen und in die kanariengelbe Masse übergegangen ist, durch Einwirkung einer geeigneten Temperatur in Mennige umgewandelt werden kann.

Ich suchte jetzt die Bildung von Flammen zu vermeiden und eine gleichmäßige, genügend hohe Temperatur zu erzeugen; zu diesem Behufe heizte ich den Ofen mit Steinkohlen gehörig an, ließ das Feuer ausgehen, brachte die zu verarbeitende Bleioxydmasse in den Ofen und speiste nun die Feuerung mit Kohks; wie bei dem ersten Versuche wurde die Charge umgerührt.

Bei diesem Versuche überzeugte ich mich, daß die von einem zu stark erhitzten Massicot berührende gelbe Masse Mennige bilden kann. Es gelang mir, die ganze Masse in die schönste Mennige umzuwandeln und der Feuerbrücke entlang fand ich wiederum eine kleine Menge schöne Mennige, welche sich in nicht ganz zwanzig Stunden gebildet hatte; ein Beweis |32| daß sich unter geeigneten Verhältnissen Mennige mit weit geringerem Zeitaufwande herstellen läßt, als bei den gewöhnlichen Fabricationsmethoden.

Dritter Versuch. – Bei dem ersten Versuche war die Temperatur zu hoch, bei dem zweiten war sie nicht hoch genug gewesen. Die Kohks hatten die Wärme in dem Mauerwerke in der Nähe des Rostes localisirt und die Sohle war nicht stark genug erhitzt worden.

Bei dem dritten Versuche suchte ich in allen Theilen der Sohle, selbst den vom Feuerraum entferntesten, durch Anwendung eines Gemenges von Steinkohlen, Kohks und Cinders eine höhere Temperatur zu erzielen und die Masse vor der Berührung mit den Flammen zu sichern, weil ich denselben einen nachtheiligen Einfluß zuschrieb. Zu diesem Zwecke arbeitete ich mit mäßigem Zuge des Ofens, gab möglichst wenig oft auf, und sorgte jedesmal, wenn ich chargiren wollte, dafür daß das Massicot an die den durchstreichenden Flammen gegenüber befindliche Wand gezogen, ferner das Essenregister weit geöffnet wurde, um eine längere Berührung der Flamme mit der Sohle zu vermeiden; als die Flamme kürzer wurde, senkte ich das Register und breitete die Masse auf der nunmehr hinlänglich erhitzten Sohle aus.

Wie bei den zwei früheren Versuchen krückte ich die Masse um, und nahm aus der Mitte der Herdsohle alle 30 bis 40 Minuten Proben.

Die Proben 1 und 2 zeigen den Uebergang aus dem Massicot zur Mennige; dann wird die rothe Farbe bei Probe 2 bis 8 zunehmend blasser, bei 8, 9 und 10 wieder lebhafter, nimmt von Probe 10 bis 12 wieder ab, wird aber bei 13, 14 und 15 stärker roth; bei Probe 16 ist die Mennige zersetzt und hat sich bei 18 von Neuem gebildet.

Aus diesen drei, die erste Reihe bildenden Versuchen schloß ich:

1) daß die Bildung der Mennige binnen einer weit kürzeren Zeit erfolgen kann, als gewöhnlich zu ihrer Fabrication verwendet wird;

2) daß Mennige, welche sich in Folge einer zu starken Erhitzung zersetzt hat, wieder hergestellt werden kann;

3) daß die Flammen schädlich sind;

4) daß es sehr schwierig ist, in einem Flammofen die geeignete Temperatur constant zu unterhalten.

II. Zweite Versuchsreihe. – Anwendung des gewöhnlichen Muffelofens.

Die zweite Versuchsreihe weicht von der ersten in mehreren Punkten wesentlich ab.

1. Ich hatte erkannt, daß die Berührung mit der Flamme der Mennigbildung |33| schädlich und daß es beinahe unmöglich ist, in einem Flammofen eine gleichmäßige Temperatur zu unterhalten; zu meiner zweiten Versuchsreihe benutzte ich daher nach dem Rath meines Lehrers Rivot einen Muffelprobirofen von 18 Centimet. Durchmesser und 25 Centimeter Länge.

Da es sich herausgestellt hatte, daß das so mühsame Umrühren die Mennigbildung nicht wesentlich fördert, so unterließ ich dasselbe. Ich bemerke noch, daß im Muffelofen die Oxydation des Massicots am leichtesten zu bewerkstelligen war.

Erster Versuch. – Als Brennmaterial benutzte ich ein Gemenge von Kohks und Holzkohlen. Das Blatt der Muffel bedeckte ich mit einer 1 Centim. starken Schicht von Schwerspath, um ein plötzliches Erhitzen der Mennige von unten her zu vermeiden; darüber breitete ich 1500 Gramme Massicot von der für die Malerei bestimmten Sorte (durch Oxydation von gewöhnlichem Blei dargestellt) aus; ich arbeitete beständig mit luftdicht geschlossenem Aschenfall und ganz geöffneter Muffelmündung. Der Zug fand nur durch das Innere der Muffel statt, und fast sämmtliche in dieselbe eintretende Luft strich über das Massicot weg.

Ich beobachtete nun die nachstehende Reihenfolge von Erscheinungen:

5 Uhr Morgens. Der Ofen wird angeheizt und beschickt; die Temperatur wird zur Vermeidung eines Zusammenbackens oder gar Zusammenfrittens nur sehr allmählich gesteigert.

6 Uhr 15 Minuten. Die Kanten der Muffel glühen dunkelroth.

7 Uhr. Bildung einer 2 Millimet. starken Mennigschicht von dem Muffelblatte ausgehend, auf beinahe der ganzen Fläche desselben.

8 Uhr 15 Minuten. Die Quantität der Mennige hat bedeutend zugenommen; das Product zeigt sich an den heißesten Stellen an der Oberfläche.

9 Uhr. Die Muffel ist an einigen Stellen dunkel rothglühend.

9 Uhr 25 Minuten. Die Mennige hat sich zum Theil zersetzt. Ich kann der Temperatur, welche noch immer zunimmt, nicht vollständig Herr werden.

11 Uhr. Die ganze Muffel ist dunkelrothglühend; die Mennige hat sich vollständig zersetzt.

1 Uhr Nachmittags. Die Temperatur hat sich, ohne höher zu steigen, auf Dunkelrothgluth gehalten; die ganze Masse ist schön kanariengelb geworden.

Von 1 Uhr ab unterhielt ich eine hohe, jedoch unter Dunkelrothgluth liegende Temperatur constant.

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3 Uhr 30 Minuten Nachmittags. Die gelbe Farbe ist verschwunden und durch ein blasses Roth ersetzt.

6 Uhr Abends. Merklicher Fortschritt; die rothe Färbung ist dunkler geworden.

7 Uhr 30 Minuten. Sehr deutlicher Fortschritt auf dem ganzen Muffelblatte; der Muffelboden ist fast dunkelrothglühend.

Ich unterhielt bis 2 Uhr eine der Dunkelrothgluth sich nähernde, doch etwas niedrigere Temperatur; nur die Kanten des Muffelbodens sind dunkelrothglühend. Um 2 Uhr nahm ich die Mennige aus der Muffel und fand:

aaa. 500 Gramme. Grünliche Masse, mit einer harten Kruste von
zersetzter und zusammengebackener Mennige bedeckt.
bbb. 1000 Gramme. Schöne Mennige.
ccc. 150 Gramme. Blasse Mennige.
ddd. 150 Gramme. Dünne obere Schicht von unvollkommen
gebildeter Mennige, welche noch weiteren Feuers bedarf.
eee. Feurig rothgefärbte Mennige (unmittelbarer Contact mit a,
in horizontaler und verticaler Richtung).

b und c gemischt sind in: Durchschnitt gut, und Durchschnittsproben von b, c, d sind noch verkäuflich.

Dieser Versuch beweist:

1) daß die zur Mennigfabrication bestimmten Oefen dem Muffelofen ähnlich construirt werden müssen;

2) daß die in der Muffel einzuhaltende Temperatur möglichst gleichmäßig seyn und der Dunkelrothglühhitze nahe kommen, jedoch etwas unterhalb derselben gehalten werden muß;

3) daß das Umrühren nutzlos ist;

4) daß zur Mennigbildung eine verhältnißmäßig kurze Zeit genügt. In dem vorliegenden Falle waren dazu einundzwanzig Stunden erforderlich und im Verlaufe dieser Zeit hatte sich Mennige gebildet, war dann zersetzt worden und hatte sich darauf von Neuem gebildet.

Zweiter Versuch. – Um ein Vermengen des Schwerspaths und der Mennige zu verhüten, trennte ich beide Substanzen mittelst einer Schieferplatte von einander und bedeckte die letztere mit 1200 Grammen Malermassicot, die ich zu einer 3 Centimet. starken Schicht auszog, wobei ich die Substanz von den Seitenwänden und dem Boden der Muffel, welche zu stark erhitzt werden, sowie von der Muffelmündung, welche nicht stark genug erhitzt wird, zurückschob.

Die Temperatur wurde, nachdem sie die geeignete Höhe erreicht hatte, constant unterhalten; sobald die Muffel an einzelnen Stellen zu heiß wurde, öffnete ich die zum Aufgeben des Brennmateriales bestimmte |35| Thür und verschloß die Register, um den Zug zu unterbrechen und dadurch die Temperatur zu erniedrigen; die Aschenfallthür blieb dicht geschlossen und die Muffel weit geöffnet. In dieser Weise konnte ich arbeiten, ohne daß eine Zersetzung der Mennige stattfand, indem deren Bildung stetig fortschritt, und ich erhielt nur zwei Producte, b und c, deren Gemisch eine schöne Farbe besitzt. Dazu waren im Ganzen 20 Stunden erforderlich.

Es folgt aus diesem Versuche, daß man in 20 Stunden eine zur Verwendung in der Malerei geeignete Mennige aus Massicot darstellen kann, welches aus käuflichem Blei fabricirt worden ist.

Dritter Versuch. – Zu demselben wurden 1200 Grm. sehr reines Massicot von der für die Krystallglasfabrication bestimmten Sorte verwendet. Ich befolgte ganz dasselbe Verfahren wie bei dem vorhergehenden Versuche, aber in einem gewissen Zeitpunkte steigerte sich die Temperatur und erreichte in der ganzen Muffel Dunkelrothgluth; ich constatirte auch eine beginnende Zersetzung, und dürfte dadurch wenigstens vier Stunden Zeit verloren haben. Dennoch erhielt ich in achtzehn Stunden eine schöne, zur Verwendung in der Krystallglasfabrication geeignete Mennige von feurigem Roth.

Ohne die in der Mitte der Operation eingetretene Zersetzung würde ich schon binnen vierzehn bis fünfzehn Stunden ein verkäufliches Product erhalten haben. Bei diesem dritten Versuche fand ich noch die beiden Producte b und c; dieß rührt daher, daß die in die Muffelmündung eingesogene Luft noch kalt ist. Aus dem zweiten und dritten Versuche folgerte ich:

1) daß die rasch dargestellte Mennige ebenso schön ausfallen kann, wie das langsamer erzeugte Product;

2) daß sämmtliche Mennige sich bei derselben Temperatur bildet, daß aber die Dauer der Operation von der Qualität des Massicots abhängt und um so kürzer ist, je reiner das Massicot ist.

Vierter Versuch. – Bei diesem Versuche beabsichtigte ich, die der Umwandlung des Massicots in Mennige entsprechende Gewichtszunahme zu bestimmen; ich wünschte zu erfahren, ob das Maximum dieser Zunahme dem höchsten Feuer der Farbe entspricht. Zu diesem Zwecke benutzte ich eine abgebeizte und ganz ebene Blechplatte, welche etwas kleiner als das Muffelblatt und am vorderen Ende mit einem Loche versehen war, so daß sie aus der Muffel leicht herausgezogen werden konnte. Um eine Wägung auszuführen, führte ich einen Haken in das Loch ein, zog das Blech aus der Muffel und brachte es auf eine Waage.

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Auf die Platte breitete ich 500 Grm. reines Massicot für die Krystallglasfabrication aus, und verfuhr wie bei den vorhergehenden Versuchen. Die Umwandlung des Massicots in Mennige wurde hierbei durch die wiederholten Wägungen unterbrochen. Vor jeder Wägung ließ ich selbstverständlich die Blechplatte mit dem Producte erkalten, wodurch die Vollendung des Processes verzögert wurde, daher bei diesem Versuche zur Erzielung des angestrebten Resultates eine längere Zeit erforderlich war.

Nachdem die Mennige fertig gebildet war und ich mich von der eingetretenen Constanz des Gewichtes der Masse überzeugt hatte, erhitzte ich den Ofen zu einer die Dunkelrothgluth übersteigenden Temperatur, um die Mennige wieder zu zersetzen und eine, wenigstens theilweise Bildung von Glätte herbeizuführen. In der folgenden Tabelle sind die verschiedenen Stadien der Operation zusammengestellt.

Textabbildung Bd. 203, S. 36
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Textabbildung Bd. 203, S. 37

1) Die nach Verlauf von achtzehn Stunden gebildete Mennige war von solcher Qualität, daß sie ein marktfertiges Product bildete; es warm aber einundzwanzig Stunden und 40 Minuten erforderlich, damit ihre Farbe das höchste Feuer erreichte. Bevor dieses Endresultat erreicht wurde, war der Proceß durch neun Wägungen unterbrochen worden. Ich nehme an, daß ich bei jeder Wägung (von dem Augenblicke an wo die Blechplatte aus der Muffel gezogen wurde, bis zu dem Zeitpunkt wo die ganze Masse ihre frühere Temperatur wieder angenommen hatte) 15 Minuten, also für neun Wägungen 2 Stunden und 15 Minuten an Zeit eingebüßt hatte; das Massicot war demnach 19 Stunden 25 Minuten in der Muffel gewesen, bis die Farbe der Mennige den höchsten Glanz erlangt hatte. Die Operation dauerte länger als bei dem dritten Versuche, weil ich absichtlich eine Temperatur zu unterhalten bestrebt war, die unter der höchsten lag, welche die Mennige ohne Zersetzung zu ertragen vermag.

2) Das Massicot enthielt eine beträchtliche Menge hygroskopisches |38| Wasser. Die zweite Wägung ergab eine negative Gewichtszunahme; die erhaltene Zahl ist die Differenz zwischen der durch die Oxydation veranlaßten Gewichtszunahme und dem durch den Verlust des hygroskopischen Wassers entstandenen Gewichtsverluste.

3) Die Mennige von der elften Wägung war weit schöner und viel feuriger, als die von der zehnten Wägung, und dennoch hatte sich das Gewicht derselben nicht verändert. Ein ähnliches Verhältniß beobachtete ich bei den Wägungen 3 und 2; ich schließe daraus, daß bei der Umwandlung des Massicots in Mennige nicht bloß eine Sauerstoffabsorption stattfindet, sondern auch eine gewisse Veränderung im Molecularzustande vor sich geht. Schlägt man Mennige durch ein Metallsieb, so erkennt man, daß das Feuer ihrer Farbe sich vermindert, und zwar um so mehr, je öfter man das Sieben wiederholt; da die Mennige bei diesem Durchsieben keine Zersetzung erleiden kann, so muß der Verlust des Glanzes offenbar einer Molecularveränderung zugeschrieben werden.

Auf die Resultate der Wägungen Nr. 10, 11 u. 12 mich stützend, nehme ich an, daß für eine gegebene Gewichtsmenge Massicot die schönste Mennige der größten Gewichtszunahme entspricht, daß aber, nachdem dieses Maximum erreicht ist, die Mennige durch Veränderung des Molecularzustandes an Glanz noch gewinnen oder auch verlieren kann.

Die Umwandlung der Mennige in Glätte ist von einer Gewichtsverminderung begleitet.

4) Die Gesammtmenge des vom Massicot bei dem Uebergange in Mennige aufgenommenen Sauerstoffes beträgt etwa 2 Procent; ebenso viel verliert die Mennige bei ihrer Zersetzung.

Andere Versuche, welche ich mit verschiedenen Sorten Massicot anstellte, bestätigten sämmtlich die Richtigkeit der Principien, welche ich aus den Resultaten der im Vorstehenden beschriebenen Versuche abgeleitet habe. Ich fand bei diesen Versuchen, daß sich auch aus Bleiweiß ebenso rasch Mennige fabriciren läßt, wie nach dem beschriebenen Verfahren aus Massicot.

Schließlich will ich bezüglich der Mennigfabrication die wichtigsten und für die Praxis werthvollsten Thatsachen kurz zusammenfassen.

Die Mennigfabrication. – Beschreibung des neuen Mennigofens.

Das Massicot wird in Folge von Sauerstoffabsorption und Veränderung seines Molecularzustandes in Mennige umgewandelt.

Diese Umwandlung kann dadurch erzielt werden, daß man das Massicot auf einer nicht sehr hohen Temperatur erhält; der Proceß geht |39| aber um so rascher von Statten, je constanter diese Temperatur ist und je mehr sie sich der Dunkelrothglühhitze nähert, ohne letztere ganz zu erreichen.

Alle Mennigsorten bilden sich bei derselben Temperatur; die Schnelligkeit, womit sie sich bilden, und der Glanz und das Feuer ihrer Farbe nehmen mit der Reinheit des zu ihrer Fabrication verwendeten Massicots zu; bei ordinären Sorten von Massicot sind 20, bei den feinsten Sorten nur 15 bis 18 Stunden zur Umwandlung in Mennige erforderlich.

Eine durch zu starkes Erhitzen zersetzte Mennige kann wieder in ein gutes Product umgewandelt werden, ohne daß sie an Farbenglanz einbüßt.

Zur Fabrication von Mennige ist ein solcher Ofen der geeignetste, in welchem die erforderliche Temperatur am leichtesten constant erhalten und das Massicot vor der Berührung mit der Flamme bewahrt werden kann, während es einem seine Umwandlung in Mennige beschleunigenden continuirlichen Luftstrome ausgesetzt ist.

Ich habe diesen Anforderungen bei dem von mir construirten Ofen zu entsprechen gesucht. Fig. 18 stellt einen Längenschnitt desselben nach der Linie AB der Fig. 19 dar; Fig. 19 ist ein Horizontalschnitt desselben, und Fig. 20 ein Querschnitt nach der Linie CD der Fig. 19.* Der Ofen besteht aus einer großen Muffel A, deren Sohle oder Boden aus einer Schicht von gut verstrichenen Ziegelsteinen a gebildet wird, welche auf neben einander liegenden Gußeisenplatten b ruhen; diese Platten kommen mit den Flammen der Steinkohlen, welche auf den beiden in einem etwas tieferen Niveau liegenden Rosten B brennen, in directe Berührung. Die die Seitenwände der Muffel bildenden Widerlager, sowie das Gewölbe derselben haben nur 11 Centimeter Stärke und gestatten somit eine vortheilhafte Ausnutzung der Wärme: die äußeren Ofenwände dagegen sind sehr dick, verhindern also Wärmeverluste, wirken als Temperatur-Regulatoren und dienen gleichzeitig als Stütze für das leichte Mauerwerk der eigentlichen Muffel, indem sie mit demselben durch die Pfeiler c verbunden sind, welche sich an die die Widerlager und den Anfall des Muffelgewölbes umfassenden Bleche d, d anlehnen. Die aus dem Herde hervorschlagenden Flammen bespülen die Platten b, b, treten durch eine Reihe von Oeffnungen e, e, denen gegenüber die Bleche mit entsprechenden Ausschnitten versehen sind, und steigen in den senkrechten Canälen f, f empor, deren Zug durch leicht zu handhabende Register g regulirt wird; hierauf schlagen sie durch die Züge C, C, umgeben das |40| Muffelgewölbe und treffen auf eine aus starkem Eisenblech bestehende Scheidewand h, die ihnen eine parallele Richtung gibt und sie in die beiden Abzugsröhren D, D leitet, welche mittelst des einzigen mit einer Klappe k versehenen Rohres E zu einer 10 Meter hohen Esse führen.

Ein solcher Ofen wird in nachstehender Weise betrieben.

Ich nehme an, die vorhergehende Operation sey beendigt; man läßt das Feuer ausgehen und reinigt die Roste; dann nimmt man die fertige Mennige aus dem Ofen, entweder mittelst langer Schaufeln, welche man durch die Thüren F, F einführt, oder indem man das Product in eine im Hintergrunde des Ofens in der Sohle desselben angebrachte Oeffnung schiebt. Unter dieser Oeffnung, welche, während der Ofen im Gange ist, durch eine mit Mennige bedeckte Platte geschlossen wird, befindet sich ein aus starkem Eisenblech oder aus Ziegelsteinen angefertigter, im Mauerwerke G ausgesparter Rumpf, unter welchem in einem im Fundamente H angebrachten Canale kleine Wagen von Eisenblech circuliren können.

Nachdem die Mennige aus dem Ofen entfernt und die Entleerungsöffnung wieder mit der Schließplatte bedeckt worden ist, schreitet man zu einer Beschickung mit Massicot, entweder durch die Thüren F, F oder mittelst zweier, durch das Mauerwerk des Gewölbes hindurchgehender, aus starkem Bleche bestehenden Rümpfe. Diese Rümpfe können mittelst kleiner, am Boden mit einer Entleerungsklappe versehenen, auf dem Ofen circulirenden Wagen gefüllt werden. Das Massicot wird auf der Ofensohle zu einer 20 Centimeter starken, gleichmäßigen Schicht auseinandergezogen; dann werden die Thüren F mit einer verlorenen Mauerung geschlossen, in welcher man mehrere Schaulöcher ausspart; hierauf werden die Register g, g sowie der Vorsetzer j vollständig geöffnet, ganz wenig dagegen die Klappe k; alsdann wird auf den beiden Herden B, B Feuer angezündet und der Ofen auf die geeignete Temperatur erhitzt.

Die Fabrication der Mennige ist nicht schwierig, erfordert aber eine ununterbrochene Aufmerksamkeit; wenn man bemerkt daß das Muffelgewölbe an einzelnen Stellen zu heiß wird, so regulirt man in entsprechender Weise die Register g, g; hat sich der Ofen zwar gleichmäßig, aber zu stark oder nicht stark genug erhitzt, so regulirt man die Feuerungen und die Klappe k. Auch der Vorsetzer j ist in zweckentsprechender Weise zu reguliren; es muß durch denselben so viel Luft zutreten, daß eine gute Oxydation bewirkt wird und doch darf der einziehende Luftstrom nicht so stark seyn, daß ziemlich viel Massicot weggeführt wird.

Wenn aus Versehen die geeignete Temperatur zu weit überschritten worden seyn sollte, so kann der Ofen durch Oeffnen der Thüren F, F und durch weites Oeffnen des Vorsetzers j rasch abgekühlt werden. Die |41| Oeffnungen I, I communiciren mittelst der leicht abzunehmenden Blechröhren l, l mit einem ebenfalls aus Blech bestehenden Kasten L, welcher mit der Esse durch den Canal m verbunden und zum Sammeln des durch den Luftstrom weggeführten Materiales bestimmt ist; dieser Kasten wird von Zeit zu Zeit entleert und sein Inhalt in den Ofen zurückgebracht.

Nach jeder Operation läßt man den Ofen erkalten, sowohl um das Entleeren und Wiederbeschicken desselben weniger anstrengend zu machen, als auch um zu verhüten daß die frische Beschickung auf dem Muffelboden zusammenbackt oder gar sintert und in Folge davon die erzeugte Mennige durch Siebe geschlagen werden muß, wodurch sie, wie bereits erwähnt, an Glanz und Feuer verlieren würde. Das Massicot muß gesiebt werden, bevor es in den Ofen gebracht wird; jede plötzliche Steigerung der Hitze ist zu vermeiden und die fertige Mennige muß aus dem Ofen entfernt und ungesiebt in den Handel gebracht werden; sollte sie in Folge einer fehlerhaften Leitung des Feuers zusammengebacken seyn, so muß sie mittelst einer hölzernen Walze zerdrückt werden, was ihr weit weniger schädlich zu seyn scheint, als das Sieben.

Mit einem solchen Ofen kann man, wenn er in gutem Gange und ununterbrochenem Betriebe erhalten wird, in 24 Stunden ungefähr vier Tonnen Mennige produciren.

Der Brennmaterialaufwand ist verhältnißmäßig gering; hat der Ofen einmal die gehörige Temperatur erreicht, so dient das sehr massige Mauerwerk zur Erhaltung der Wärme, wenn man von Zeit zu Zeit schwach nachschürt.

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Figur 1820 sind im Maaßstab von 0,015 Met. pro Meter gezeichnet.

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