Titel: Vohl, über den Mejillones-Guano.
Autor: Vohl, Hermann
Fundstelle: 1872, Band 203, Nr. C. (S. 401–416)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/ar203100

C. Ueber den Mejillones-Guano und seine Verwendbarkeit zu landwirthschaftlichen und chemisch-technischen Zwecken; von Dr. Herm. Vohl in Cöln.

Nach den schätzenswerthen Mittheilungen des Hrn. Dr. Sauerwein (in der Berliner Bank- und Handelszeitung), welcher im Jahre 1866 die Guanolager in Mejillones (Bolivia) besuchte und dieselben in seiner Eigenschaft als Chemiker einer Untersuchung unterwarf, erhebt sich in der Bay von Mejillones, steil aus dem Meere ein 800 Fuß hohes Felsplateau von mehreren Meilen Ausdehnung, über welches an einigen Stellen noch ein Kamm einer hohen Bergkette emporragt.

Auf diesem Plateau herrscht vollständiger Wassermangel, keine Spur von Vegetation ist dort wahrzunehmen und die Lufttemperatur ist auf demselben beständig sehr hoch.

Am Fuße der eben erwähnten Gebirgskette liegt der Guano so zu sagen zu Tage, indem derselbe nur von einer dünnen Sandschicht bedeckt ist.

Bezüglich der Feststellung der Mächtigkeit dieser Lager sind seitens der betreffenden Regierungen Untersuchungen angestellt worden, welche jedoch bei der Ungewißheit und Unkenntniß der Bodensenkungen in ihren |402| Schätzungen bedeutend von einander abweichen mußten und somit nicht vollkommen maaßgebend seyn können.

Nach diesen Schätzungen schwankt das Quantum der Gesammtmasse dieses Guanolagers zwischen 2 bis 4 Millionen Tonnen.

So viel geht jedoch aus diesen Schätzungen hervor, daß dieses Guanolager in seiner Bedeutung für die Versorgung des europäischen Düngermarktes vielleicht nur von den peruanischen Lagern übertroffen wird. Bezüglich der Mächtigkeit dieses Lagers ist noch zu bemerken, daß man nach Abtragung der eben erwähnten Sandschicht das Lager stellenweise 40 Fuß tief verfolgt hat, ohne jedoch das Ende der Ablagerung erreicht zu haben.

Die Mejillones-Guano-Lager liegen zwischen dem 23. und 25. Grade südlicher Breite in einem fast gänzlich regenlosen Klima und die Witterungsverhältnisse sind demnach denen Peru's ganz gleich; nichtsdestoweniger hat sich aber die Annahme, daß unter solchen Umständen der Stickstoffgehalt sich wie bei dem Peru-Guano erhalten müsse, nicht bestätigt, insofern der Stickstoffgehalt des Mejillones-Guano's bis auf 1/2 Proc. herabgesunken ist.

Welche Vorgänge das Verschwinden des Stickstoffes, resp. der stickstoffhaltigen Substanz bedingt haben und in welcher Form er ausgetreten ist, ist unbekannt. Man muß es dahingestellt seyn lassen, ob hier ein sehr hohes Alter der Lager oder Meerüberfluthung die Veranlassung waren.

Für letztere Annahme spricht zwar der Gehalt des Meerwassers an Chlorkalium, schwefelsaurer Magnesia und Chlormagnesium, wodurch das in Wasser schwer lösliche Kalimagnesiaphosphat und die zweibasisch-phosphorsaure Bittererde bei der Einwirkung auf den Guano entstanden seyn kann. Der Stickstoff konnte alsdann theils als Ammoniak verflüchtigt, theils als Ammoniaksalze ausgewaschen und letztere, in salpetersaure und salpetrigsaure Salze (Natronsalze) verwandelt, als leichtlösliche Verbindungen allmählich dem Untergrunde zugeführt worden seyn. Es ist demnach nicht unwahrscheinlich, daß sich an den tiefsten Stellen der Mejillones-Guanolager Natronsalpeter (Chilisalpeter) finden wird. Nur durchgreifende Untersuchungen, an Ort und Stelle mit Sachkenntniß geleitet, können darüber Ausschlüsse geben und Gewißheit verschaffen.

––––––––

Das Material zu meinen Untersuchungen habe ich von der Firma Gebrüder Schröder und Comp. in Hamburg erhalten und wurde dasselbe mir von dort in einer wohlverschlossenen Dose von Weißblech zugeschickt, so daß also ein Verlust an flüchtigen Bestandtheilen nicht gut möglich war.

|403|

Der Mejillones-Guano ist von lederbrauner Farbe und feinpulveriger Beschaffenheit. Es sind demselben verhältnißmäßig nur geringe Mengen haselnußgroßer Knöllchen beigemischt, welche leicht zerdrückbar sind, im Inneren eine helle Farbe haben und auch einzelne Schichten einer dunkelbraunen, glänzenden, humusähnlichen organischen Substanz enthalten. Fragmente granitischen Gesteines enthält dieser Guano, jedoch nicht in erheblicher Menge. Der Gehalt an diesen Mineralsubstanzen übersteigt beim lufttrockenen Mejillones Guano niemals 3 Proc.

Beim Glühen im Platintiegel verliert er 14 bis 15 Proc. und hinterläßt 84 bis 85 Proc. Asche. Die Ammoniakentwickelung ist beim Erhitzen schwach; die resultirte Asche ist fast weiß, in seltenen Fällen kaum gelblich gefärbt.

Mit Wasser behandelt werden von dem lufttrockenen Mejillones-Guano circa 6 Proc. gelöst. Die Lösung enthält schwefelsaure Magnesia, schwefelsauren Kalk neben Chlornatrium, Chlormagnesium, salpetrig- und salpetersaurem Natron und Spuren von Kali und Phosphorsäure.

In verdünnter Salzsäure löst sich der Mejillones-Guano unter Kohlensäureentwickelung und Hinterlassung einer braunen, humusähnlichen Substanz, mit großer Leichtigkeit auf. Der von der Säure nicht gelöste Rückstand hinterläßt beim Glühen nur Spuren von Asche. Die im Guano enthaltenen Granitstückchen bleiben selbstverständlich beim Behandeln mit Salzsäure ungelöst zurück.

Die quantitative Analyse ergab nachfolgende Resultate.

100 Gewichtstheile lufttrockenen Mejillones Guano's enthielten:

Bestandtheile. I II III Im
Durchschnitt.
Kalk
Magnesia
Eisenoxyd
Thonerde
Kali
Natrium
Phosphorsäure
Chlor
Schwefelsäure
Kieselsäure
Kohlensäure
Wasser (bei 100° C. flüchtig)
organische Substanz (stickstofffrei) und
gebundenes Wasser
Stickstoff
Granittrümmer (unlösl. in Salzsäure).
Verlust
30,6782
7,8453
0,1478
0,0048
0,5066
1,4497
35,8472
2,2251
1,5997
0,0438
1,6660
7,6858

6,5165
0,7700
2,3778
0,6357
30,7134
8,0133
0,1498
0,0049
0,4988
1,4500
35,7114
2,2239
1,6003
0,0500
1,5980
7,6856

6,5174
0,7691
2,3802
0,6337
30,5991
7,8994
0,1421
0,0046
0,5101
1,4601
36,0223
2,2260
1,6440
0,0440
1,5138
7,6858

6,5230
0,7635
2,3911
0,6041
30,6636
7,9193
0,1466
0,0047
0,5051
1,4532
35,8603
2,2250
1,6036
0,0459
1,5926
7,6858

6,5189
0,7675
2,2830
0,7249
100,0000 100,0000 100,0000 100,0000
|404|

Das in dem Mejillones-Guano enthaltene fertig gebildete Ammoniak betrug circa 0,02 Proc.; außerdem waren in demselben noch salpetersaure und salpetrigsaure Salze nachweisbar, deren quantitative Bestimmung jedoch der äußerst geringen Menge wegen unterlassen wurde.

Im verflossenen Sommer und Herbst wurde der Mejillones-Guano auch noch von den HHrn. Hermann v. Liebig in München, Fresenius und Neubauer in Wiesbaden, Louis Marquart in Hamburg, C. Karmrodt in Bonn (Versuchsstation), Th. Kyll in Cöln und Märcker in Halle a. S. (Versuchsstation) untersucht.87) Ich führe diese Analysen deßhalb hier an, weil sie in ihren Resultaten bedeutend von einander abweichen und die in Folge derselben gefällten Urtheile in mancher Hinsicht unrichtig und deßhalb werthlos sind und zu Täuschungen Veranlassung geben können;

Die beiden ersten Analysen sind mit großer Sorgfalt und ausführlich gemacht worden, weßhalb denn auch die Ergebnisse derselben uns ein richtiges Bild bezüglich des Düngerwerthes des Mejillones-Guano's darbieten können. Was die dritte Analyse anbetrifft, so vermißt man die Bestimmung der Alkalien, resp. die des Kalis, obgleich dieses für die Düngerwerthbestimmung nothwendig war. Bezüglich der vierten Analyse ist zu bemerken, daß bei der Alkalienbestimmung ein erheblicher Fehler begangen wurde, welcher die Werthbestimmung bedeutend alterirt.

Was die fünfte, die Kyll'sche Analyse betrifft, so müssen wir leider gestehen, daß dieselbe höchst mangelhaft und dürftig ausgeführt ist. Die Untersuchungen des Hrn. Kyll erstrecken sich nur auf die Bestimmung der Gesammt-Phosphorsäure; der Gehalt ist nur annähernd angegeben. Nichtsdestoweniger erlaubt sich der Analytiker ein Urtheil bezüglich des Düngerwerthes des Mejillones-Guano's. Ich werde auf diese Untersuchung noch zurückkommen.

Bezüglich der letzten, der Märcker'schen Analyse ist zu bemerken, daß dieselbe höchst mangelhaft ausgeführt ist und die einzelnen Angaben unmöglich richtig seyn können. Märcker hat weder das Chlor noch die Kohlensäure bestimmt. Bei den Alkalien ist eine summarische Bestimmung derselben aufgeführt, obgleich es von der größten Wichtigkeit war den Kaligehalt genau zu kennen, da ja von diesem Körper der Düngerwerth des Mejillones Guano's mit abhängig ist. Die Schwefelsäure ist fast um das Vierfache zu hoch und die Phosphorsäure offenbar zu niedrig von ihm angegeben.

|405|

Ferner ist bezüglich der Löslichkeit des Mejillones-Guano's in Wasser auch nicht das Geringste gesagt, nichtsdestoweniger aber die Unbrauchbarkeit desselben zur directen Düngerverwendung unbedingt ausgesprochen. Man begreift nicht, daß die Versuchsstation Halle a. S., auf eine derartige höchst mangelhafte Analyse sich stützend, ein derartiges Urtheil aussprechen konnte.

Die oben genannten Analytiker fanden in 100 Gewichtstheilen lufttrockenen Mejillones-Guano's:

Textabbildung Bd. 203, S. 405

Alle Analysen, außer der Kyll'schen, welche überhaupt so gut wie keinen Aufschluß gibt, rechtfertigen die Ansicht, daß außer dreibasisch-phosphorsaurem Kalk (3CaO, PO⁵) auch noch zweibasisch-phosphorsaure Magnesia (2MgO, HO, PO⁵) in dem Mejillones-Guano enthalten und daß demnach seine Zusammensetzung, der des Backer-Guano's sehr ähnlich ist, nur mit dem Unterschiede daß der Mejillones-Guano einen höheren Alkaliengehalt zeigt.

Unter dem Mikroskop zeigt sich der Mejillones-Guano als eine völlig amorphe Masse, wie man dieses auch beim Backer-Guano beobachtet hat.

|406|

Die organische Substanz welche der Mejillones-Guano enthält, zeigt unter dem Mikroskop auch keine Spur von Structur, wohingegen der Backer-Guano Wurzelfasern von Grasarten deutlich erkennen läßt.

Was zunächst den Phosphorsäuregehalt des Mejillones-Guano's anbetrifft, so ist derselbe so hoch, daß dieser Guano eine der reichsten und billigsten Phosphorsäurequellen darbietet und es dürfte daher seine Verwendung nicht allein in der Landwirthschaft, sondern auch zu anderen chemisch-technischen Zwecken angezeigt seyn.

Bezüglich seines reichen Phosphorsäuregehaltes gibt nachfolgende Zusammenstellung genügenden Aufschluß.

Durchschnittlich enthalten (im lufttrockenen Zustande) 100 Gewichtstheile an Phosphorsäure:

Peru-Guano
Jarvis-Guano
rohes oder gedämpftes Knochenmehl
Beinschwarz
Lahn-Phosphorit
südamerikanische Knochenasche
Navassa-Phosphorit
Sombrero-Felsen-Guano
Backer-Guano
14 Gewichtstheile
21 „
22 „
31 „
32 „
33 „
34 „
35 „
35 „
Phosphorsäure















nach Fresenius
und Neubauer
Mejillones-Guano 35,8603 „ nach Vohl.

Der hohe Phosphorsäuregehalt des Mejillones-Guano's, sowie sein Gehalt an Kali und seine höchst feinpulverige amorphe Beschaffenheit sprechen für die Anwendung desselben in der Landwirthschaft; seine leichte Auflöslichkeit in Säuren, der äußerst geringe Eisengehalt und der verhältnißmäßig geringere Nasengehalt gegenüber den anderen Guanosorten empfehlen seine Anwendung zur Darstellung hochgrädiger Superphosphate.

Wenn auch die Chemie, resp. die Analyse allein uns nicht in den Stand zu setzen vermag, bezüglich der Wirkung eines Düngemittels ein vollgültiges Urtheil zu fällen, so gibt sie doch Anhaltspunkte, welche uns berechtigen einen mehr oder minder günstigen Erfolg in sichere Aussicht zu stellen.

Geben die chemischen, sachgemäßen und erschöpfenden Untersuchungen uns ein günstiges Resultat und stellen sie demnach einen günstigen Erfolg in Aussicht, so ist der praktische Versuch im Großen angezeigt, welcher alsdann bezüglich des Effectes, resp. des eigentlichen Düngerwerthes entscheidet; prognosticiren uns hingegen die |407| erschöpfenden chemischen Untersuchungen keinen günstigen Düngungserfolg, so ist der praktische Versuch nutzlos.

Es handelt sich also zuerst darum, die Frage zu beantworten:

bietet die Zusammensetzung und das Verhalten des Mejillones-Guano's zu Lösungsmitteln, irgend eine Aussicht zur vortheilhaften directen Verwendung desselben als Düngemittel?“

Daß der Chemiker diese Frage zu beantworten vermag, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, wenn er die zur Beantwortung benöthigten richtigen und erschöpfenden Untersuchungen mit Sachkenntniß und Beharrlichkeit anstellt. Eine bloße qualitative und quantitative Analyse ist nicht ausreichend.

Zur Beantwortung dieser Frage wurde zunächst das Verhalten des Mejillones-Guano's zu Wasser geprüft.

Schon früher habe ich angegeben, daß durch Behandeln des Mejillones-Guano's mit Wasser circa 6 Proc. von demselben gelöst werden und daß diese Lösung schwefelsaure Magnesia, Gyps, Chlornatrium, Chlormagnesium, salpetrig- und salpetersaures Natron neben Spuren von Kali und Phosphorsäure enthält.

Die Untersuchungen von Herm. v. Liebig, Marquart, und Fresenius und Neubauer bestätigen diese Angaben, dagegen gibt Karmrodt an, daß der wässerige Auszug des Mejillones-Guano's die sämmtlichen Verbindungen der Alkalien (?) neben Gyps enthalte.

Diese Angabe Karmrodt's ist offenbar unrichtig, da das in dem Mejillones-Guano vorkommende Kali in der Form von Magnesia-Kaliphosphat enthalten und dieses Salz so gut wie unlöslich in Wasser ist, weßhalb dasselbe nicht in dem wässerigen Auszug enthalten seyn kann. Aus diesem Grunde mag Karmrodt auch den Kaligehalt der salzsauren Lösung übersehen und deßhalb den Kaligehalt zu gering gefunden haben.

Bezüglich der Phosphorsäuresalze gibt Karmrodt an, daß der Mejillones-Guano keine leichtlöslichen enthalte und wir werden später sehen, daß auch diese Angabe Karmrodt's nicht richtig ist, daß vielmehr dieser Guano die phosphorsauren Salze in einer Form enthält wornach sie in Bezug auf die düngende Kraft derselben von allen Agricultur-Chemikern als leichtlösliche Phosphorsäuresalze bezeichnet werden müssen.

Es ist ja selbstverständlich, daß es hier nicht darauf ankommen kann, ob die Phosphorsäureverbindungen leicht von Wasser aufgelöst werden, |408| sondern ob dieselben dem Boden zugemischt durch die Einwirkung der Verwitterung und Verwesung, resp. durch Einwirkung der Kohlensäure, in Wasser löslich und dadurch für die Pflanzen assimilirbar werden. Ist dieses der Fall, so nennt man sie in Bezug auf Verbindungen welche diese Eigenschaften nicht besitzen, z.B. die Lahn-Phosphorite, leicht löslich, d.h. leicht assimilirbar.

Um ein richtiges Urtheil in dieser Hinsicht fällen zu können, muß man bei den anzustellenden Versuchen diesen Anforderungen und Bedingungen Rechnung tragen; alle Schlußfolgerungen welche sich nur auf die einfache qualitative oder quantitative Analyse stützen (wie z.B. bei Kyll, Karmrodt und Märcker), sind zum Mindesten höchst gewagt und im Allgemeinen fast immer unrichtig.

Um über die Löslichkeit, resp. Assimilirbarkeit der im Mejillones-Guano enthaltenen phosphorsauren Salze einen genügenden Aufschluß zu erhalten, wurden nachfolgende Versuche von mir angestellt.

100 Gramme lufttrockener Mejillones-Guano wurden, nachdem sie mit kaltem destillirtem Wasser vollständig ausgezogen worden waren, mit kohlensäurehaltigem Wasser behandelt und das Filtrat einer genauen Analyse unterworfen.

Das kohlensaure Wasser enthielt circa die Hälfte seines Volumens Kohlensäure; 500 Kub. Cent. desselben passirten in 2 1/4 bis 2 1/3 Stunden das mit dem ausgewaschenen Guano gefüllte Filtrum, wobei das Niveau in demselben stets constant gehalten wurde.

Die Temperatur bei welcher die Versuche angestellt wurden, betrug + 9 bis + 10° C.

Das erste Filtrat enthielt außer erheblichen Mengen Gyps, phosphorsauren Kalk, phosphorsaure Magnesia und Kali.

500 Kub. Cent. des ersten Filtrates enthielten außer Gyps:

phosphorsauren Kalk 0,214 Gramme
phosphorsaure Magnesia 0,037
Kali 0,040

Die zweiten 500 Kub. Cent. Auszug enthielten nur Spuren von Gyps und der Kaligehalt hatte abgenommen, dagegen hatte sich der phosphorsaure Kalk vermehrt. Die Analyse ergab:

phosphorsauren Kalk 0,306 Gramme
phosphorsaure Magnesia 0,042
Kali 0,006

Nachdem 10 Liter kohlensäurehaltiges Wasser auf den Guano eingewirkt hatten, enthielten die letzten 500 Kub. Cent. Filtrat:

|409|
phosphorsauren Kalk 0,279 Gramme
phosphorsaure Magnesia 0,039
Kali Spuren

Es unterliegt also keinem Zweifel, daß man durch Behandeln mit kohlensäurehaltigem Wasser den größten Theil der Phosphate dem Mejillones-Guano entziehen kann.

Ein zweiter Theil des mit destillirtem Wasser vollständig erschöpften Mejillones-Guano's wurde noch feucht in eine mit Sauerstoff gefüllte und mit Quecksilber abgesperrte Glasglocke gebracht. Nach 24 Stunden enthielt die Glocke kein reines Sauerstoffgas mehr, sondern der Inhalt bestand aus einem Gemisch von Sauerstoff und Kohlensäure, und zwar betrug letztere annähernd 20 Proc. des Gasgemisches. Nach 5 Tagen enthielt die Glocke fast reine Kohlensäure und das Gasvolumen hatte außerdem um 1/4 (seines Volumens auf 0° C. und Normalbarometerstand berechnet) abgenommen.

Ein ähnliches Resultat wurde erzielt, wenn statt des reinen Sauerstoffes atmosphärische Luft in Anwendung kam.

Es geht aus diesen Versuchen klar hervor, daß die im Mejillones-Guano enthaltene organische Substanz sehr leicht Sauerstoff aufnimmt und Kohlensäure bildet, welche letztere theilweise von demselben zurückgehalten wird.

Die Resultate dieses Versuches ließen a priori annehmen, daß ein Theil der Phosphate durch diesen Proceß leicht löslich in Wasser geworden sey.

Zur Feststellung dieser Annahme wurde der sowohl mit reinem Sauerstoff wie auch mit atmosphärischer Luft behandelte Guano mit destillirtem Wasser behandelt und das Filtrat untersucht. Dasselbe enthielt eine reichliche Menge phosphorsauren Kalk, phosphorsaure Magnesia und Kali.

Ein dritter ausgewaschener Theil wurde nach der Methode von R. Fresenius mit einer Auflösung von citronensaurem Ammoniak behandelt und das Filtrat untersucht. Das Filtrat welches im Anfang fast nur Gyps enthielt, wurde später reich an Phosphorsäuresalzen. Es wurden auf diese Weise 4,568 Proc. Phosphorsäure oder circa 12,7 Proc. des Gesammt-Phosphorsäuregehaltes ausgezogen, und es unterliegt keinem Zweifel daß ein Theil der Phosphorsäure in dem sogenannten zurückgegangenen Zustande in dem Mejillones-Guano enthalten ist.

|410|

Aus diesen Versuchen geht unzweifelhaft hervor, daß die in dem Mejillones-Guano enthaltenen Phosphate durch kohlensaures Wasser leicht gelöst werden und demnach für die Pflanzen als leicht assimilirbar zu betrachten sind; daß ferner die in dem Mejillones-Guano enthaltene organische Substanz sich mit großer Leichtigkeit oxydirt, Kohlensäure liefert und so zur Assimilirbarkeit mit beiträgt, und daß endlich der Mejillones-Guano einen Theil seiner Phosphorsäure als sogenannte zurückgegangene enthält. Es ist demnach die directe Verwendung des Mejillones-Guano's auf humusreichem Boden angezeigt, wie dieses auch von Herm. v. Liebig, Fresenius und Neubauer, und von Marquart angenommen wurde.

Seite 17 der angezogenen Brochüre sagt Herm. v. Liebig:

„Trotzdem dürfte in vielen Fällen, wo sich humusreicher Boden findet, auf feuchten Wiesen und mit Stallmist als Beimischung, seine Anwendung sich als vortheilhaft bewähren.“

Seite 21 sagt Marquart:

„Die Chemie ist nicht im Stande, die Frage, ob der Mejillones-Guano in rohem Zustande mit gutem Erfolge anwendbar ist, a priori mit positiver Gewißheit zu entscheiden, wohl aber liegt in der äußeren Beschaffenheit und in dem chemischen Verhalten desselben viel Grund zu der Annahme vor, daß der Erfolg ein guter seyn muß.“

Am günstigsten wird sich sein Einfluß auf humusreichem Boden und auf sauren Wiesen erweisen; in anderen Fällen dürfte der Erfolg vielleicht nicht so schnell in die Augen springend seyn, dafür aber wird die Wirksamkeit um so nachhaltiger seyn und sich noch im zweiten und vielleicht im dritten Jahre äußern, so lange sich überhaupt noch etwas von dem Guano im Boden unzersetzt vorfindet.“

Seite 32 sagen Fresenius und Neubauer:

„Außer dem hohen Phosphorsäuregehalt zeichnet sich der Mejillones-Guano dadurch aus, daß er schon von Natur in einem sehr feinpulverigen Zustand, oder doch in Knollen vorkommt, welche sich mit großer Leichtigkeit zerdrücken und in Pulver verwandeln lassen, daß die darin enthaltenen phosphorsauren Salze sich schon in schwach sauren Lösungsmitteln relativ leicht lösen und daß der Guano fast ganz eisenfrei ist. Sind die ersten Umstände geeignet, den Mejillones-Guano der Landwirthschaft zur directen Verwendung zu empfehlen, so wird er durch seine Leichtlöslichkeit und eisenfreie Beschaffenheit namentlich den Düngerfabriken zur Bereitung eines ausgezeichneten und haltbaren Superphosphates willkommen seyn.“

Die Aeußerungen der anderen Analytiker stehen mit diesen wohlbegründeten Ansichten in directem Widerspruche; sie sind, auf mangelhafte und unrichtige Analysen gestützt, vollständig werthlos.

|411|

Kyll sagt z.B. Seite 36:

„Der Natur des Materiales nach paßt dasselbe weniger gut zur directen Verwendung als Dünger, sondern wird sich dasselbe meiner Ansicht nach am besten als ausgedehntes Fabrikmaterial (soll wohl heißen Fabricationsmaterial) zur Darstellung von hochgradigen Superphosphaten u.s.w. empfehlen.“

Wie schon früher erwähnt, hat Kyll nur annähernd den Gesammt-Phosphorsäuregehalt bestimmt; die zur Beurtheilung nothwendigen Untersuchungen bezüglich des Verhaltens dieses Guano's zu Lösungsmitteln etc. wurden aber von ihm gänzlich unbeachtet gelassen, weßhalb er denn auch unberechtigt war, irgend ein maßgebendes Urtheil bezüglich der directen Verwendung zu fällen.

Kyll sagt auf derselben Seite, Zeile 7 v. o.: „Die Beschaffenheit dieses Guano's und seine Reinheit sind aber ganz vorzüglich.“ Dieser Satz steht in directem Widerspruch mit seinem gefällten Urtheil, insofern zu einer vorzüglichen Beschaffenheit eines Guano's doch gewiß die leichte Assimilirbarkeit desselben gehört und ein Guano ohne diese Eigenschaft offenbar nicht von vorzüglicher Beschaffenheit ist.

Auf Seite 39 sagt Märcker:

„Was nun die Verwendung des Mejillones-Guano's anbetrifft, so muß allerdings anerkannt werden, daß sich die zur Untersuchung eingesandte Probe in einem vorzüglichen Zustande von feiner Vertheilung (!) befand, so daß nicht zu bezweifeln ist, daß die Lösung der in ihm enthaltenen Phosphate im Boden verhältnißmäßig leichter vor sich gehen wird, wie diejenige der auf Maschinen in pulverige Form verwandelten mineralischen Phosphate; jedoch kann vor Ausführung von Versuchen, bei dem ungünstigen Ausfall der bisher mit unaufgeschlossenen Phosphaten angestellten Düngungsversuche, zu einer Verwendung des unaufgeschlossenen Mejillones-Guano's nicht gerathen werden.“

Man versteht nicht, warum Märcker trotz der vorzüglichen feinen Zertheilung und der unzubezweifelnden verhältnißmäßigen leichten Löslichkeit desselben im Boden, die Verwendung in unaufgeschlossenem Zustande nicht für zulässig erachtet. Warum Märcker die Versuche bezüglich der Löslichkeit und Assimilirbarkeit des Mejillones-Guano's unterlassen hat, ist unerklärlich, besonders da sich die Versuchsstation über die directe Verwendung dieses Guano's aussprechen sollte. Die von ihm angestellte, theils mangelhafte, theils unrichtige Analyse konnte ihn zu einem vollwichtigen Urtheil nicht berechtigen.

|412|

Was die Anwendung des Mejillones-Guano's zur Darstellung von Kunstdünger (Superphosphaten) anbetrifft, so ist seine überaus vortheilhafte Verwendbarkeit hierzu allseitig anerkannt.

Was jedoch die Art und Weise des Aufschließens betrifft, so sind die Ansichten bezüglich der Quantität und auch der Stärke der anzuwendenden Schwefelsäure sehr divergirend.

Die von Marquart gemachten Angaben verdienen eine besondere Beachtung. Sie zeugen von Sachkenntniß und praktischem Sinn, weßhalb ich sie hier anführen will.

Nach seinen Erfahrungen soll man 80 Gewichtstheile 50procentiger Schwefelsäure allmählich mit 100 Gewichtstheilen lufttrockenem Mejillones-Guano sorgfältig mischen, mit der Vorsicht daß man die Temperatur 60–70° C. nicht übersteigen läßt. Letzteres erreicht man durch fleißiges Umrühren, resp. Mischen. Man erhält auf diese Weise 173,7 Gewichtstheile eines Superphosphates welches zwischen 20 und 21 Proc. leicht lösliche Phosphorsäure enthält.

Durch meine Versuche habe ich die Angaben Marquart's bestätigt gefunden.

Es ist eine bekannte Thatsache, daß man zum Aufschließen der verschiedenen Düngemittel (Phosphorite, Guano, Knochen etc.) keine concentrirte Säure anwenden darf, weil eben auf der einen Seite ein gewisser Wassergehalt zur Bildung der Zersetzungsproducte (Gyps, saure phosphorsauren Salzen und Sulphaten) unumgänglich nöthig ist, und auf der anderen Seite concentrirte Säure so heftig einwirkt, daß eine Erhitzung bis + 100° C. und darüber eintritt, welche einen höchst nachtheiligen Einfluß auf den Proceß des Aufschließens ausübt; dabei wird die Masse so trocken, daß sich einzelne harte Klumpen bilden und ein Mischen rein unmöglich ist, weßhalb man eine unhomogene Masse erhält, welche viele nicht aufgeschlossene Theile enthält.

Auch ist Marquart durch seine Versuche mit Mejillones-Guano zu denselben Resultaten gelangt.

Wenn also Hr. Kyll (Seite 36, Zeile 8 von unten) angibt, daß man zum Aufschließen des Mejillones-Guano's 35 bis 38 Procent Schwefelsäure von der gewöhnlichen Stärke des Handels (66° Baumé) dem feingemahlenen Guano zusetzen, und damit gehörig mischen soll, so ist dieses unerklärlich und scheint ihm die Kenntniß der eben angeführten praktischen Erfahrungen zu mangeln.

Berechnet man den Wassergehalt der 66grädigen zuzusetzenden Schwefelsäure (wie Kyll angibt), so erhält man 10,26 Proc. Wasser |413| (nach Bineau, Journal für praktische Chemie Bd. XLVI S. 98). Dieses Quantum Wasser reicht nicht hin, dem Gyps seine 2, dem Bittersalz seine 7 und dem Glaubersalz (entstanden aus dem Kochsalz) seine 10 Mol. Wasser zu geben. Es geht hieraus unzweifelhaft hervor, daß das Verfahren Kyll's ein höchst unpraktisches ist. – Es wird keinem Düngerfabrikanten einfallen, concentrirte Säure beim Aufschließen anzuwenden, sondern er wird sich stets der billigeren und schwächeren Kammersäure bedienen. Die Mehrausgabe für Fracht, welche durch den höheren Wassergehalt bedingt wird, wird durch den niedrigeren Preis und das Umgehen einer Wasserzumischung mehr wie aufgewogen.

Verwendung des Mejillones-Guano's zu chemisch-technischen Zwecken.

Durch die allgemeine Einführung der Phosphorzündhölzer ist die Phosphorconsumtion und mit dieser die Phosphorfabrication ganz enorm gesteigert worden. Die billige Beschaffung eines reichhaltigen Rohmateriales trat in den Vordergrund. Von den im Mineralreich vorkommenden phosphor- resp. phosphorsäurehaltigen Fossilien eignet sich außer dem Ostëolith keines zur Darstellung von saurem phosphorsaurem Kalk, weil die beigemischten großen Mengen kohlensaurer und kieselsaurer Salze eine so erhebliche Menge der Zersetzungssäuren (entweder Salzsäure oder Schwefelsäure) erforderten, daß die Darstellung des sauren phosphorsauren Kalkes aus Knochen den Vorzug behielt.

Der Mejillones-Guano hat durchschnittlich einen höheren Phosphorsäuregehalt wie die Knochenasche und bietet also in dieser Hinsicht den Knochen gegenüber einen Vortheil. In den Phosphorfabriken müssen die Knochen zuerst gebrannt und alsdann pulverisirt werden, ehe sie zur Darstellung des sauren phosphorsauren Kalkes geeignet sind. Wendet man den Mejillones-Guano an, so fällt das Brennen und Pulverisiren selbstverständlich weg. Er kann in seinem ursprünglichen Zustande zur Darstellung des sauren phosphorsauren Kalkes seine Verwendung finden.

Seine feinpulverige und amorphe Beschaffenheit begünstigt die Einwirkung der Schwefelsäure so, daß zum vollständigen Zersetzen desselben nur 1/3 der Zeit erforderlich ist, welche das Aufschließen resp. Zersetzen der Knochenasche erheischt.

100 Gewichtstheile Mejillones-Guano (lufttrocken) erfordern bei der Darstellung von saurem phosphorsaurem Kalk zwischen 33 und 34 Gewichtstheilen wasserfreier Schwefelsäure oder 41 bis 42 Gewichtstheile Schwefelsäurehydrat des Handels. Man mischt zuerst die Schwefelsäure |414| mit dem 5fachen Gewichte Wasser und setzt dieser Mischung unter beständigem Umrühren allmählich den Mejillones-Guano zu.

Diese Operation geschieht zweckmäßig in einem mit Blei ausgefütterten Bottich, welcher mit einer Rührvorrichtung und einer Wärmschlange versehen ist. (Letztere wird mit Wasserdampf erwärmt.) Der Bottich ist mit einem gutschließenden Deckel versehen, in den ein Abzugsrohr mündet, welches mit einem gutziehenden Kamine in Verbindung steht.

Es treten nämlich bei dieser Behandlung salzsaure Dämpfe auf, welche sehr belästigend werden können und deßhalb aus dem Arbeitsraum entfernt werden müssen; nach 3 bis 4 Stunden, während welcher Zeit die Masse zuweilen umgerührt wird, ist die Zersetzung vollendet.

Nach den bekannten Methoden wird alsdann die breiige Masse mit heißem Wasser ausgezogen und die Auszüge in bleiernen Pfannen eingedampft. Die letzten sehr schwachen Auszüge werden zum Verdünnen der Säure bei einer neuen Operation benutzt.

Dieser saure Auszug enthält außer saurem phosphorsaurem Kalk noch Gyps, welcher sich fast vollständig während des Abdampfens abscheidet, ferner Magnesia, Kali, Natron und Eisen, etwas überschüssige Schwefelsäure und eine geringe Menge organischer Substanz.

Die Magnesia, das Kali, Natron und Eisen bleiben bei dem sauren phosphorsauren Kalk, wirken jedoch bei der Phosphorbereitung durchaus nicht störend ein, und können demnach dem sauren phosphorsauren Kalk, wenn er zur Phosphorbereitung benutzt werden soll, beigemengt bleiben.

Der helllederbraune, sehr gypsreiche Rückstand enthält stets etwas Phosphorsäure und fast alle organische Substanz mit Einschluß des Stickstoffes. Derselbe beträgt zwischen 76 und 80 Proc. des angewandten Guano's. Er ist ein vortrefflicher Streudünger für Klee und Wiesenpflanzen.

Der Mejillones-Guano kann auch mit Vortheil zur Darstellung anderer phosphorsaurer Salze benutzt werden. Zu dem Ende ist eine größere Quantität Schwefelsäure zu seiner Zersetzung erforderlich.

Wie schon erwähnt, muß auch hier zuerst der Guano mit Schwefelsäure zersetzt werden und zwar verlangen in diesem Falle 100 Gewichtstheile Mejillones-Guano 48 bis 49 Theile wasserfreier Schwefelsäure oder 59 bis 60,5 Theile Schwefelsäurehydrat. Die Schwefelsäure wird auch hier zuerst mit dem 4– bis 5fachen Gewichte Wasser verdünnt und der Guano allmählich unter Umrühren dem Säuregemisch zugesetzt. Das |415| Digeriren und Ausziehen der Masse geschieht ganz so wie bei der Darstellung des sauren phosphorsauren Kalkes angegeben wurde.

Die vereinigten Auszüge (mit Ausschluß des letzten sehr schwachen) werden in Bleipfannen (mit Blei gefütterten eisernen Kesseln) bis zur Ausscheidung des Gypses eingedampft und der ausgeschiedene Gyps durch Decantation entfernt. Die resultirte stark saure Flüssigkeit, welche außer Phosphorsäure noch Kalk, Magnesia, Eisen, Kali, Natron und Schwefelsäure neben organischer Substanz enthält (sie ist bierbraun gefärbt), wird nun direct zur Darstellung des Ammoniaksalzes und der Alkalisalze benutzt.

I. Phosphorsaures Ammoniak zum Tränken der Lichter-Dochte.

Zur Darstellung des neutralen phosphorsauren Ammoniaks versetzt man die erwärmte saure Lauge mit caustischem oder kohlensaurem Ammoniak im Ueberschuß. Letzterem Salze muß der Vorzug gegeben werden, obgleich das heftige Aufbrausen bei der Neutralisation manchmal recht störend und bei Unachtsamkeit verlustbringend ist.

Während dem Neutralisiren fällt alle Magnesia als phosphorsaure Ammoniak- und Kali-Magnesia nieder; gleichzeitig wird das Eisenoxyd und der Kalk gefällt.

Die filtrirte Lösung wird bis zur Salzhaut abgedampft und das Salz durch Krystallisation gewonnen. Schon der erste Anschuß ist farblos und fertige Handelsware; die späteren Ausscheidungen müssen durch Umkrystallisiren gereinigt werden.

Die letzten Mutterlaugen kann man mit Vortheil zur Darstellung von glasiger Phosphorsäure verwenden, indem man sie zur Trockne abdampft und durch stärkeres Erhitzen unter einem gutziehenden Rauchfang in offenen verplatinirten Kupfer- oder Porzellanschalen das Ammoniak austreibt. Die in der Mutterlauge enthaltene Schwefelsäure entweicht als schweflige Säure. Sollte die Säure nicht ganz farblos seyn, so erreicht man dieses durch einen Zusatz von salpetersaurem Ammoniak während des Erhitzens.

II. Phosphorsaures Natron (gewöhnliches).

Zur Darstellung wird die saure Lauge mit kohlensaurem Natron in der Siedhitze im Ueberschuß gefällt, die Salzlauge durch Filtration von der ausgeschiedenen Magnesia (enthält auch alles Kali) getrennt und zur Krystallisation eingedampft. Durch einmaliges Umkrystallisiren aus siedendem Wasser erhält man das Salz rein.

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III. Phosphorsaures Kali.

Es wird ganz auf dieselbe Weise wie das Natronsalz erhalten, selbstverständlich mit dem Unterschiede daß man statt des Natronsalzes das Kalisalz anwendet. Alle Magnesia fällt hierbei als phosphorsaure Kali-Magnesia nieder.

Mit Bezugnahme auf das vorher Mitgetheilte kann man wohl mit unzubezweifelndem Rechte behaupten, daß der Mejillones-Guano eine der ergiebigsten und schätzbarsten Phosphorsäurequellen darbietet, welche nicht allein die Aufmerksamkeit der Agricultur, sondern auch der gesammten chemischen Technik in hohem Grade verdient.

Cöln, im Januar 1872.

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Diese Analysen sind einer Brochüre entnommen, betitelt: Mejillones-Guano, Hamburg bei Carl Reese, 1871.

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