Titel: Neue Mordants zum Fixiren der Anilinfarben auf Baumwolle; von Armand Müller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 13 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi01_13

Neue Mordants zum Fixiren der Anilinfarben auf Baumwolle; von Armand Müller.

Die nachstehend beschriebenen, von dem Verf. in Gemeinschaft mit dem Professor Dr. Sopp aus Lyon im Laboratorium des Verf. ausgeführten Versuche gaben für die meisten Farben genügende, für Fuchsin, Violett und Jodgrün ausgezeichnete Resultate.

Man kocht die Baumwolle in Wasser, dem etwas Soda beigegeben wurde, gut ab und bringt sie nach dem Spülen so lange auf ein lauwarmes Bad aus Chamäleonlösung, bis sie durch das sich auf sie niederschlagende Mangansuperoxyd eine tief kaffeebraune Farbe angenommen hat. Es wird darauf ausgerungen, im Fluß gut gewaschen und so lange in einer klaren, lauwarmen Lösung von Zinnchlorür durchgenommen, bis die Baumwolle schön weiß gebleicht ist, was ziemlich rasch erfolgt. Durch diesen Proceß wird unlösliches Zinnoxyd auf der Faser befestigt.

Denselben Zweck erreicht man ebenfalls, wenn man an Stelle des übermangansauren Kalis eine reine Lösung von schwefelsaurem Eisenoxydul anwendet und dann durch Kalkwasser zieht, oder endlich noch besser, wenn man klare Lösungen von Eisenvitriol und chlorsaurem Kali kalt zusammengießt und, langsam zum Sieden erhitzend, die Baumwolle darin chamois färbt. Durch beide Methoden wird Eisenoxydhydrat in der Faser niedergeschlagen, welches im Zinnbade als Eisenchlorür löslich wird, während Zinnoxyd zurückbleibt; nur wird dann die Baumwolle nicht gebleicht, wie bei Anwendung von Chamäleon geschieht.

Das Garn wird nun gut abgerungen, ausgewaschen, durch eine kochende, verdünnte Lösung von Natronwasserglas passirt, wiederum abgerungen und, ohne daß man es wäscht, sogleich seifenirt. Nach diesen Operationen ist die Beizung vollendet und es kann zum Ausfärben geschritten werden. Wendet man die Lösungen der Pigmente kalt, jedoch etwas concentrirt an, so gehen die Farben mit viel Feuer und Aechtheit auf.

Die hier beschriebenen, zur Befestigung des Eisens und des Zinnes dienenden Substitutionsmethoden sind in ihrer Anwendung fast ebenso einfach als die directen, lassen ferner die Lösungen weit mehr ausnutzen und geben reinere und egalere Färbungen.

Es dürfte sich auf diese Weise eine unbegrenzte Zahl Niederschläge in der Faser befestigen lassen, welche sowohl für die Färberei als für die Appretur von Wichtigkeit seyn könnten. So bringt man z.B. bei Anwendung von schwefelsaurem Eisenoxydul und folgend einem Zinnchlorürbad auf die Baumwolle mit Leichtigkeit 25 Proc. ihres Gewichtes Zinnoxyd, welche Beschwerung die Faser nicht im geringsten afficirt und für die hellsten Farben sowohl als für Weiß mit Vortheil (?) angewendet werden kann.

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Noch sey Folgendes über die Lösung der Anilinfarbstoffe bemerkt: Directe Versuche ergaben, daß die mit diesen Pigmenten aufgefärbten Nüancen sich am Lichte um so unächter zeigten, je mehr Weingeist man zu ihrer Lösung verwendete. Der Verf. erklärt sich diese Thatsache aus dem Fuselölgehalte des käuflichen Sprits. Diese Verunreinigung bleibt nämlich auf dem gefärbten Zeuge zurück, und indem das Licht auf dieselbe einwirkt, treten ohne Zweifel Derivate des Amylalkohols auf, welche die Anilinfarben zerstören. (Chemisches Centralblatt, 1871, Nr. 37.)

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