Titel: Ueber die durch den Einfluß des Lichtes bewirkte Umwandlung des in Lösung befindlichen Rohrzuckers in Traubenzucker; von E. M. Raoult.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 14 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi01_14

Ueber die durch den Einfluß des Lichtes bewirkte Umwandlung des in Lösung befindlichen Rohrzuckers in Traubenzucker; von E. M. Raoult.

Der derzeitigen Annahme zufolge behält eine der Einwirkung von Fermenten entzogene Lösung von Rohrzucker bei der gewöhnlichen Temperatur ihren Geschmack und ihre chemischen Eigenschaften unbegrenzt lange; doch ist dieß ein Irrthum. Meiner mehrfach wiederholten Beobachtung zufolge kann sich eine Rohrzuckerlösung, ohne die geringste Gährung zu erleiden, im Laufe der Zeit verändern und mehr oder weniger vollständig in Traubenzucker umwandeln; ich habe einen Versuch abgeführt welcher den Beweis liefert, daß diese Umwandlung unter dem Einflusse des Lichtes stattfindet.

Am 12. Mai 1871 wurden nämlich 10 Grm. weißer Zucker in 50 Grm. reinem Wasser gelöst; von dieser Lösung wurden gleiche Volume in zwei Röhren von weißem Glase einige Minuten lang gekocht; dann wurden diese Röhren, noch bevor die Luft wieder in dieselben eingedrungen war, vor der Glasbläserlampe verschlossen. Hernach ward die eine derselben an eine völlig dunkle, die andere an eine wohlerleuchtete Stelle gebracht, jedoch beide neben einander, um denselben Temperaturschwankungen unterworfen zu seyn. Fünf Monate später, am 20. October, öffnete ich die Röhren; ihr Inhalt war vollkommen durchsichtig und schloß durchaus keine mikroskopische Vegetation ein. Die Flüssigkeit in der Röhre welche in der Dunkelheit geblieben war, trübte das Barreswil'sche Kupferoxydkali-Reagens nicht, enthielt also keinen Traubenzucker. Die dem Lichte ausgesetzt gewesene Zuckerlösung hingegen gab mit jenem Reagens einen reichlichen rothen Niederschlag; ungefähr die Hälfte des in ihr enthalten gewesenen Rohrzuckers war intervertirt worden. Somit verwandelt sich der in Wasser gelöste Rohrzucker in Folge der Einwirkung des Lichtes langsam in Traubenzucker.

Es ergibt sich daraus, daß ein Syrup viel Traubenzucker enthalten kann, selbst wenn der Fabrikant denselben nur aus Rohrzucker bereitet hat, und daß ein solches Product deßhalb keineswegs als verfälscht betrachtet werden muß. (Comptes rendus, t. LXXIII p. 1049; October 1871.)

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