Titel: Verfahren zur Verwerthung der Weißblechabfälle; von Adolph Ott in New-York.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 5 (S. 74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi01_5

Verfahren zur Verwerthung der Weißblechabfälle; von Adolph Ott in New-York.

Ich habe mir zu diesem Zweck ein neues Verfahren in den Vereinigten Staaten patentiren lassen, mit welchem seit drei Monaten ungefähr 300 Tonnen Weißblechabfälle aufgearbeitet worden sind. Die Neuheit meines Verfahrens besteht allerdings weniger in dem chemischen Processe, als in der Anwendung zweckmäßiger Apparate. Die Weißblech-Abschnitzel werden in eine aus dickem Kupferblech bestehende Trommel gegeben, welche mit einer Anzahl je zwei Zoll von einander abstehenden Löchern von 3/8 Zoll Durchmesser versehen ist. Sie faßt im Durchschnitt 1000 Pfd. Abfälle. Man läßt sie zuerst in einem Säurebad rotiren, in welchem das Zinn (resp. Zinn und Blei) vom Eisen abgelöst wird; alsdann wird sie mittelst eines Krahnes in ein Wasserbad gehoben, von da in ein alkalisches Bad und schließlich nochmals in ein Wasserbad. Im ersten Bade läßt man die Trommel je nach der Quantität freier Säure 5–50 Minuten rotiren, in den übrigen, nur zur Reinwaschung von der Säure dienenden, je 5 Minuten. Im Durchschnitte nimmt die Arbeit des Einfüllens und Entleerens der Trommel und das Passiren durch die vier Bäder 70 Minuten in Anspruch, und da eine Trommel 1000 Pfd. faßt, so lassen sich in einem Tage von 10 Arbeitsstunden 90 Ctr. oder 4 1/2 Tonnen Weißblechabfälle mit Leichtigkeit aufarbeiten.

Im Säurebad werden außer Blei und Zinn gleichzeitig etwa 5 Proc. Eisen gelöst. Aus dieser Lösung wird, nachdem sie in passende Behälter abgezogen worden ist, zunächst das Blei ausgeschieden, worauf durch Hineinstellen von Zinktafeln reines Zinn gefällt wird. Letzteres wird zum Theil in wohlausgebildeten Krystallen, meist aber im schwammförmigen Zustande erhalten. Nachdem es im Wasser gut gewaschen worden ist, kann es in einem eisernen Kessel zum Schmelzen gebracht und zum Verkauf in Blockzinn gegossen werden Da durch die Fällung des Zinnes Zink in Lösung übergeht (1 Theil Zink fällt ungefähr 2 Theile Zinn), so erhält man schließlich eine Lösung von Zink- und Eisensalz, welche entweder zum Conserviren von Holz gegen Fäulniß, als Desinfectionsmittel, oder zur Herstellung von verschiedenen Anstrichfarben verwendbar ist.

Die von Zinn reinen Weißblechabfälle lasse ich in Fässer verpacken und an die Eisenhütten versenden. Sämmtliche Arbeiten lassen sich durch 6 Mann besorgen. Was die Kosten der Säure und des Zinkes betrifft, so belaufen sich dieselben auf circa 16 Dollars per Tonne; für die Weißblechabfälle werden 2–3 Dollars per Tonne bezahlt, sofern dieselben assortirt und regelmäßig an die Fabrik abgeliefert werden. Das erhaltene Eisen verkauft sich zu 30 Doll. pro 2000 Pfd. und das Zinn zu 35 Doll. per Ctr, sofern es von jeder Spur Blei befreit ist. (Deutsche illustrirte Gewerbezeitung.)

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