Titel: Ueber phosphorfreie Zündmassen; von W. Jettel in Clausthal.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 7 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi01_7

Ueber phosphorfreie Zündmassen; von W. Jettel in Clausthal.

Die im Jahrg. 1871 des polytechn. Journals Bd. CCII S. 391 mitgetheilte Notiz über eine im Laboratorium von Hlasiwetz ausgeführte Analyse einer „schwedischen“ Zündmasse ist in der gegebenen Form für den Praktiker wenig brauchbar. Zunächst ist bekanntermaßen einfach-chromsaures Kali zu Zündmassen nicht zu verwenden; ferner wird nicht Eisenoxydhydrat, sondern gewöhnliches Umbrabraun, also Eisenoxyd, angewendet. Die procentische Zusammensetzung müßte also heißen:

Glas 8,77
Leim 7,12
doppelt-chromsaures Kali 5,59 (statt 7,36 einfach),
chlorsaures Kali 46,76
Eisenoxyd 4,03 (statt 5,39 Eisenoxydhydrat)
Braunstein 13,07
Schwefel 7,41

Es ist anzunehmen, daß die der Analyse unterworfene Zündmasse nach folgenden einfachen Zahlen zusammengemischt wurde:

|76|
Glas 1 1/4 Pfd.
Leim 1 „
doppelt-chromsaures Kali 4/5 „
chlorsaures Kali 6 3/4 „
Umbrabraun (Fe²O³) 1/2 „
Braunstein 2 „
Schwefel 1 „

In dieser Zusammensetzung muß vor Allem der hohe Schwefelgehalt ausfallen, da nach der Annahme Wiederhold's der Braunstein der Zündmasse sich mit dem Schwefel zu schwefelsaurem Manganoxydul umsetzen soll, damit die höchst lästige Entwickelung von freier schwefliger Säure bei der Entzündung vermieden werde. 2 Th. Braunstein könnten nämlich nur 1/2 Th. Schwefel in schwefelsaures Manganoxydul verwandeln. Der Verf. fand diese Ansicht durch den Versuch vollkommen bestätigt; eine nach den obigen Zahlen versuchsweise gebildete Zündmasse entzündete sich zwar ziemlich leicht an der amorphen Fläche, jedoch mit nur schwach leuchtender Flamme unter Entwickelung bedeutender Quantitäten von schwefliger Säure, so daß es kaum möglich war, mehr als drei bis vier Hölzchen in einem mittelgroßen Zimmer ohne große Belästigung der Geruchs- und Athmungsorgane zu entzünden. Die der Analyse unterworfene, angeblich sehr verbreitete Zündmasse, resp. Hölzchen, können daher keine „ächten,“ sondern nur eine ziemlich unvollkommene Nachahmung der ächten gewesen seyn. Eine von dem Verf. angewendete „schwedische“ Masse, bei deren Entzündung sich weder schweflige Säure, noch sonst ein Geruch entwickelt, enthält auf 1 Gewichtstheil Schwefel nicht weniger als 21 Gewichtstheile chlorsaures Kali, also mehr als dreimal so viel, wie die analysirte Zündmasse. (Deutsche Industriezeitung, 1871, Nr. 42.)

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