Titel: Gold- und Platin-Gewinnung in Rußland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 3 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi02_3

Gold- und Platin-Gewinnung in Rußland.

Gold. – Im Jahre 1868 lieferten 993 Gold-Seifenwerke mit 56261 Arbeitern aus 287,311,000 Zollcentnern verwaschenen Sandes mit 0,000195 Procent Ausbeute 56068,6 Zollpfd. Gold. Der größte Theil davon fällt auf Ostsibirien, wo sich auch die reichsten Wäschereien finden. Auf den von der Regierung betriebenen Wäschereien in der Umgebung von Miask im Bezirke Slatoust beträgt die Dicke des über dem goldführenden Sande befindlichen Schuttlandes gewöhnlich bis 15 Fuß, die Stärke der goldführenden Schicht 1/6 bis 1/5 des Schuttlandes. Die Arbeit des Abräumens und das Zuliefern des Goldsandes zur Wäsche geschieht meist im Accorde, normirt je nach dem kubischen Inhalt des Materiales und der Weite des Transportes. Der den Handwäschereien durch einspännige Pferdefuhrwerke zugeführte goldführende Schotter und Schuttsand kommen zunächst auf Reibgatter unter Wasserzufluß; die feinen Theile des Sandes gehen mit dem Wasser durch die 3/4 Zoll weiten Oeffnungen des Gatters auf darunter liegende Waschherde mit Querleisten, hinter welchen hauptsächlich die Goldpartikelchen liegen bleiben. Alle 6, bei ärmeren Sande alle 12 Stunden, wird die concentrirte Masse auf demselben Herde bei weggenommenen Querleisten und Wasserzufluß unter Zuhülfenahme von kleinen Kisten, Bürsten und den bloßen Fingern rein gewaschen, die Trübe gesammelt und nach einigen Jahren nochmals verwaschen. Aus der Siebgröbe werden größere Goldstückchen ausgelesen.

Beim Großbetriebe der Wäschereien verwendet man Dampfkraft und Maschinen. Auf der Maschinenwäsche wird der Sand unter Wasserzufluß in gußeisernen Schalen mit Siebboden durch rotirende Krätzer gerieben und gelangt dann auf den Waschherd mit aufgelegtem amerikanischen Rahmen statt der Querleisten, welcher nach beendigter Concentration des Goldes weggenommen wird, worauf man die zurückgebliebenen Absätze sammelt, in einen schaufelartigen Behälter schafft und auf kleinen Probe- oder Handmaschinen in oben angegebener Weise rein wäscht. Bei sehr |153| lehmigem, zähem Schottersande dienen Läutertrommeln zur Trübebildung beim Verwaschen. Auf einem anderen Werke gelangt der Schotter in eine eiserne Waschtrommel; aus der Grobe werden auf der gußeisernen Austragplatte Goldtheilchen aus den Geschieben ausgeklaubt; das Siebseine gelangt auf den bezeichneten Waschherd und das Concentrirte auf Handwaschherde. Bei ärmeren Sanden pflegt man vor beginn einer neuen Anwasche zunächst unter der Rührvorrichtung etwas Quecksilber einzutragen und gewinnt dann das meiste Gold als Amalgam, welches destillirt wird. Gewöhnlich enthält das Waschgold 10 Proc. Silber. Bei Handwäschereien werden von 40 Arbeitern in 10 bis 12 Stunden 800 bis 1200 Zollctr. Sand, bei Maschinenwäschen mit 78 Mann und 25 Pferden, oder zur richtigen Vergleichung, einschließlich der Vor- und Nebenarbeiten, mit 150 Mann und 50 Pferden, ungefähr das 8- bis 10fache verwaschen. Das nachhaltigste, hoffnungsvollste und größte Feld für die russische Goldproduction bildet Sibirien.

Platin. – Mit Ausnahme einer einzigen Stelle wird mit Platin stets auch Waschgold gewonnen, so daß die Herstellung des rohen Platins schließlich auf eine Trennung desselben vom Golde hinausläuft. Man theilt das von den Wäschereien nach Tagilsk abgeführte Gemenge von rohem Platin und Goldkörnern in zwei Sorten, goldärmeres und goldreicheres. Beide werden mit Quecksilber, letzteres nur länger, behandelt, worin das Gold sich auflöst, während das Rohplatin zurückbleibt. Nachdem größere Gold- und Platinstücke ausgeklaubt sind, werden 10 bis 25 Pfund des Rückstandes in einer Schale von Holz, Eisen oder Porzellan erst mit Wasser zur Reinigung, dann mit der entsprechenden Menge Quecksilber mit Hülfe eines Pistilles umgerührt. Nach einigen Minuten gießt man das Amalgam in einen Beutel, bringt das durchgelaufene Quecksilber wieder in die Schale, rührt durch und wiederholt dieß bei goldreichen Geschicken 3 bis 4mal, bis im Rückstande kein Gold mehr zu entdecken ist. Das Amalgam wird dann abdestillirt. Das rohe Platin enthält gewöhnlich 75 Procent reines Platin nebst beigemengtem Palladium, Osmium, Iridium, Chromeisenstein etc., nach Le Play von Tagilsk von folgender Zusammensetzung: Pt 75,1, Pd 1,1, Rh 3,5, Ir 2,6, Os Ir 0,6, Os 2,3 Au 0,4, Cu 1,0, Fe 8,1, Rückstand 4,5.

Das rohe Platin wird von den Privaten meist nach England und Frankreich verkauft, wobei man pro Zollpfund reines Platin 151 fl. 45 kr. österr. W. zahlt; die anderen Metalle werden nicht vergütet. Die 1828 begonnene Prägung von Platinmünzen ist 1845 in Folge des bedeutend zurückgegangenen Handelswerthes des Platins eingestellt. Zur Hebung der Platinproduction hat die Regierung Erleichterungen im Raffiniren, in der Besteuerung und im Verkauf des Platins gewährt. Während die Platin-Ausbeute Rußlands in den Jahren 1828 bis 1845 per Jahr 5247 1/2 Zollpfd. betrug, macht sie jetzt 4011 1/2 Zollpfd. aus.

Von anderen Metallen betrug im Jahre 1868 die Production von Silber 35790 Zollpfund, die von Blei 32814 Zollcentner, die von Kupfer 100000 Zollcentr., die von Roheisen an 6 1/2 Millionen Zollcentner. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1871, Nr. 42.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: