Titel: Eine Modification des Bunsen'schen Elementes; von E. H. Worlée in Hamburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 5 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi02_5

Eine Modification des Bunsen'schen Elementes; von E. H. Worlée in Hamburg.

Um der lästigen Entwickelung salpetrigsauer Dämpfe bei Füllung des Elementes mit Salpetersäure oder einem Gemisch von solcher mit Schwefelsäure, enthoben zu seyn, bedient man sich mit Vortheil folgender Mischung:

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3 Maaßtheile gewöhnlicher Salpetersäure des Handels,

1 Maaßtheil gewöhnlicher Schwefelsäure.

Nach Mischung dieser Säuren schütte man sie in ein Glas, worin sich ein Quantum gepulverten doppelt-chromsauren Kalis befindet, welches zuvor mir so viel Wasser durchtränkt wurde, daß es einen Brei bildet, und befördere die Auflösung des Salzes durch Schütteln und Rühren mit einem Glasstabe, eventuell, um Zeit zu gewinnen, durch gelinde Wärme.

Man verwende ein Uebermaaß des chromsauren Kalis, um eine gesättigte Losung zu erhalten und schütte die in der Batterie verwendete Lösung bis zur gänzlichen Erschöpfung der Salpetersäure immer wieder auf das rückständige chromsaure Kali. Die elektromotorische Wirkung eines Elementes, bei welchem die Kohle in dieser Mischung, und das amalgamirte Zink wie gewöhnlich in verdünnter Schwefelsäure steht, ist gegen ein bloß mit Salpetersäure gefülltes Element wie 98 zu 100, also nahezu gleich dem Bunsen'schen; der innere Widerstand des Elementes dagegen wie 145 zu 100, also etwa 1 1/2mal größer. Demnach kann dieses Element das mit reiner Salpetersäure erregte, fast unter allen Umständen ersetzen, zumal es sich genau so lange constant erhält wie letzteres, wie durch genaue Prüfung ermittelt ist.

Es ist wohl unnöthig, über die großen Vortheile eines Elementes zu sprechen, welches bei der elektromotorischen Kraft des Bunsen'schen, während des Geschlossenseyns der Kette, keine lästigen Dämpfe entwickelt und die Lunge und die metallenen Geräthe des Experimentators nicht angreift. Man kann eine aus solchen Elementen zusammengesetzte Batterie in jedem Raume aufstellen, ohne durch die Athmungsorgane ihre Anwesenheit zu bemerken; sie macht die, leider wenig constante, mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure hergestellte Batterie völlig überflüssig.

Man kann die Verhältnisse der Säuren natürlich variiren, braucht auch nicht ganz genau sie einzuhalten; wenn man aber zu viel Schwefelsäure anwendet, bildet sich leicht Chromalaun, der durch das Auskrystallisiren an Thonzelle und Kohle hinderlich wird.37)

Die Anwendung derselben Flüssigkeit für Platin-Elemente ist selbstverständlich. (Aus Böttger's polytechnischem Notizblatt, 1872, Nr. 1.)

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Schon seit einer langen Reihe von Jahren bediene ich mich in meinen Vorträgen der hier von Hrn. Worlée so warm empfohlenen Batterie mit großem Nutzen, jedoch mit gänzlicher Hinweglassung von Schwefelsäure, um der mit der Zeit nie ausbleibenden, sehr störenden Chromalaunbildung vorzubeugen; bei Verwendung eines bloß in concentrirter Salpetersäure eingetragenen Ueberschusses von fein gepulvertem doppelt-chromsaurem Kali, ohne Zusatz von Schwefelsäure, bildet sich schließlich ein nicht krystallisirendes Salz, das salpetersaure Chromoxyd-Kali, und hat man daher bei Benutzung angegebenen Gemisches nie ein Zerbrechen der Thonzellen (was durch den Ansatz von Chromalaunkrystallen bei Mitverwendung von Schwefelsäure so oft und leicht einzutreten pflegt) zu befürchten; eine Combination, die ich deßhalb allen Physikern und Chemikern bestens empfehlen kann. Prof. Böttger.

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