Titel: Ueber künstliches Alizarin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 7 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi02_7

Ueber künstliches Alizarin.

F. Reverdin in Zürich hat ein künstliches Alizarin untersucht, welches aus der Fabrik von Gebr. Gessert in Elberfeld stammte und eine dicke, gelbe Flüssigkeit von 10 Proc. Farbstoffgehalt darstellte. Beim Erhitzen sublimirte daraus das Alizarin in rothen Nadeln, daneben fanden sich in ziemlich beträchtlicher Menge orangegelbe und sehr wenig hellere Nadeln. Alizarin und die dunkler orange gefärbten Nadeln lösten sich in Natronlauge mit blauer Farbe, welche beim Verdünnen mit Wasser in Rosa überging; die helleren Nadeln blieben zurück, sie waren schwer löslich in Alkohol, durch Wasser aus der alkoholischen Lösung nicht wieder fällbar. Ihre Menge war nicht genügend, um damit eine Analyse ausführen zu können; Reverdin hat sich aber überzeugt, daß der fragliche Körper nicht, wie man etwa vermuthen könnte, Anthrachinon sey; zu einer genaueren Untersuchung müssen erst etwas größere Mengen desselben dargestellt werden. Wie Liebermann gezeigt hat, enthalten fast alle künstlichen Alizarine auch Monoxy-Anthrachinon. Besser als das empfohlene Barytwasser eignet sich zur Trennung dieses Körpers vom Alizarin Kalkmilch. Da nämlich der alizarinsaure Baryt in heißem Wasser nicht vollständig unlöslich ist, so erhält man auf Zusatz von Salzsäure zu dem rosafarbigen Filtrat dunkel orangegelbe Flocken, welche, wie eine Färbeprobe zeigt, noch Alizarin beigemengt enthalten, während beim Ausziehen von künstlichem Alizarin mit Kalkmilch ein Filtrat entsteht, aus welchem mit Salzsäure direct Monoxy-Anthrachinon gefällt wird, welches gebeizte Stoffe nicht mehr färbt und in Natronlauge mit rothbrauner Farbe sich löst. Der alizarinsaure Baryt, eine dunkelviolett gefärbte Masse von metallischem Glanz, zerfällt bei der trockenen Destillation, ohne daß dabei theerartige Producte auftreten, in Baryumcarbonat, Wasser, Kohle und Anthrachinon, welches letztere in hellgelben Nadeln sublimirt. Hingegen liefern die Kalk- und Barytverbindungen des Purpurins bei gleicher Behandlung nicht Anthrachinon, wie man bei Betrachtung des Purpurins als Trihydroxyl-Anthrachinon erwarten sollte, sondern ein gelbbraunes Oel, das erst nach einiger Zeit erstarrt. Auch tritt im rohen künstlichen Alizarin kein Purpurin neben Alizarin auf.

Bei den Färbeproben ergab das rohe Alizarin sehr schöne Farbentöne, sogar schönere als das sublimirte; die brillantesten Nüancen, namentlich in Roth und Rosa, erhielt man jedoch aus dem durch Behandlung mit Barytwasser von gelber Substanz gereinigten Alizarin.

Ein neues Verfahren zur Darstellung reinen Alizarins aus künstlichen Alizarinpräparaten ist nach G. Auerbach folgendes. Rohes Alizarin wird in Natronlauge gelöst und dadurch von Verunreinigungen (Anthrachinon, Anthracen etc.) getrennt. In die Lösung des Alizarins wird sodann anhaltend Kohlensäure eingeleitet, wodurch aus der rothen Flüssigkeit ein röthlicher Niederschlag, bestehend aus Natriumbicarbonat, Alizarin und alizarinsaurem Natron gefällt wird, während gleichzeitig die Wände des Gefäßes mit gelben Krusten von Alizarin sich bedecken. Der Niederschlag, mehrmals mit Wasser gewaschen, liefert durch Zersetzung mit Salzsäure oder Schwefelsäure das Alizarin als schöne orangefarbige Flocken, welche sich in Natronlauge völlig mit blauer Farbe lösen; ein unreines, in Natronlauge nicht vollständig lösliches Alizarin erhält man aus dem Filtrat durch Zusatz von Säuren. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1872, Nr. 18.)

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