Titel: Selbstentzündliche beschwerte Seide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 11 (S. 245–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_11

Selbstentzündliche beschwerte Seide.

Vor einiger Zeit kamen nach Zeitungsberichten aus Frankreich große Mengen beschwerter Seide, welche sich im Eisenbahnwaggon von selbst entzündet haben und verbrannt seyn sollen. Diese Beschwerung, bemerkt Ferd. Springmühl, hat wohl nur durch pikrinsaures Bleioxyd stattfinden können, da dieses sowohl als Farbstoff, wie auch zugleich als Beschwerungsmittel fungiren kann. Mit pikrinsaurem Bleioxyd |246| kann man ohne Beize die Seide orangegelb färben und andere Farben durch Ueberfärben mit Blau etc. leicht erzeugen. Inwiefern das pikrinsaure Blei zum Schaden des Publicums zugleich als Beschwerungsmittel dient, ist leicht einzusehen. Je mehr die Seide mit diesem Salze imprägnirt ist, um so entzündlicher ist sie auch. Eine Explosion ist selbstverständlich niemals zu befürchten, da die Menge des explosiven Körpers im Verhältniß zu der schwerverbrennlichen dichten Seide doch stets ziemlich gering ist. Entzündet man die mit pikrinsaurem Bleioxyd gefärbte Seide, so brennt sie, manchmal lebhaft glimmend, sehr schnell und hinterläßt viel Asche. Durch Reiben an Steinen ließ sich bei Springmühl's Versuchen oftmals die Seide von selbst entzünden, worauf sie von selbst nicht wieder erlischt, sondern unter Knistern verglimmt. Man sieht daher leicht die Gefährlichkeit des Beschwerens und Färbens der Seide mit pikrinsaurem Bleioxyd.

Will man dasselbe auf der Seidenfaser erkennen, so behandle man ein Stück derselben mit heißem Wasser, welchem man etwas chromsaures Kali zusetzt, worauf die charakteristische Farbe des chromsauren Bleioxydes und ein gelber Niederschlag in der Flüssigkeit entsteht. In dem Wasser kann man alsdann durch die gewöhnlichen Reagentien (Cyankalium etc.) die Pikrinsäure nachweisen. (Musterzeitung, Zeitschrift für Färberei etc., 1872.)

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