Titel: Ueber die Ventilation von Färbereien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 12 (S. 246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_12

Ueber die Ventilation von Färbereien.

Die Ventilation von Färbereien, besonders solcher bei denen viel Wasen erzeugt wird, wird bisher noch als ungelöstes Problem betrachtet. Gewöhnlich begnügt man sich damit, einen Dachreiter auf die überkreuzten Sparren des Färbereidaches aufzusetzen. Dieses Verfahren hat aber gerade oft die umgekehrte Wirkung. Der in der Färberei erzeugte Wasserdampf wird durch die einströmende kalte Luft condensirt und von einem Abzug des Wasens ist kaum die Rede.

Andere Färber glaubten dem Uebelstand vollständig abzuhelfen, wenn sie einen Ventilator aufsetzten, der, durch mechanische Kraft in Bewegung gesetzt, den Wasen entfernen sollte. Maschinenbauer construirten eigene Ventilatoren für diesen Zweck; aber dieses Princip, so einleuchtend es erscheinen mag, hat sich für Färbereien durchaus nicht bewährt. Die Masse des immerwährend von Neuem entwickelten Wasserdampfes ist viel zu groß, als daß ein Ventilator im Stande seyn sollte, ihn fortzuschaffen, oder derselbe müßte in sehr großen Dimensionen ausgeführt seyn.

Man hat ferner die Färberei überwölbt, Ventilationsschornsteine aufgesetzt, die aber der kalten äußeren Luft den Eintritt gestatten und einen undurchdringlichen Wasen in der Färberei hervorrufen.

Wir haben in unserer neuerbauten Tuchfärberei ein bekanntes altes Princip für diesen Zweck zur Anwendung gebracht: das Princip des Injectors, dasselbe Princip, nach welchem schon vor vielen Jahren die drehbaren Schornsteinaufsätze construirt wurden. Unsere Färberei ist 40 Fuß im Quadrat; über dem Dach ist ein Reiter angelegt, der bei einer Breite von 13 Fuß eine Höhe von 6 Fuß über dem Dach hat. Die beiden Hängesäulen des Hängewerkes bilden in der Verlängerung die Säulen des Reiterdaches, welches so flach als möglich construirt ist, während das Färbereidach eine Neigung von 4 zu 1 hat. Der Reiter ist bis zur halben Höhe mit Mauerwerk ausgefacht. In der oberen Hälfte sind dagegen auf allen vier Seiten Jalousien von Eisenblech angebracht. Diese Jalousien werden nur immer an der Seite geöffnet, nach welcher der Wind geht, während die gegenüber liegende Seite geschlossen bleibt. Die kalte äußere Luft kann also niemals in die Färberei selbst eintreten, sie streicht über das Dach und der Wasserdampf hat stets das Bestreben, in den entstehenden luftverdünnten Raum nachzudringen. Auf diese Weise haben wir erreicht, daß der unangenehme Wasen sofort verschwindet und kein neuer Wasserdampf durch einströmende kalte Luft condensirt werden kann. Wolffenstein und Saloschin auf Hammermühle bei Liebsgen, Kreis Sorau. (Musterzeitung, Zeitschrift für Färberei etc., 1872, Nr. 2.)

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