Titel: Behandlung der gewöhnlichen Fußböden in Wohn- und Schlafzimmern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 14 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_14

Behandlung der gewöhnlichen Fußböden in Wohn- und Schlafzimmern.

Neuerdings bricht sich immer mehr die Erkenntniß Bahn, daß das Waschen der gewöhnlichen Fußböden aus Tannenholz diesen selbst nicht nur nicht förderlich ist, sondern daß unter Umständen, wo das gewaschene Zimmer nicht vollständig austrocknen kann, das Bewohnen desselben der Gesundheit entschieden schädlich ist. Die Sauberkeit des Bodens ist aber so wichtig für das Wohlbefinden und Behagen in einem Zimmer, daß man leicht begreift, wie jedes Mittel willkommen ist, welches gestattet den Fußboden rein zu halten, ohne ihn auf die alte Art scheuern zu müssen. Man wendet zu diesem Zwecke hauptsächlich zwei Verfahrungsweisen an, nämlich das sogen. Bohnen mit Wachsseife, und den Oelanstrich, wofür wir einige bewährte Recepte mittheilen.

1) Die zum Bohnen dienende Masse bereitet man sich auf folgende Weise: Man löse 6 Loth Potasche und 4 Quentchen gepulvertes Catechu in 4 Pfund Wasser unter Kochen in einem irdenen Topfe auf, füge, wenn diese Ingredienzien aufgelöst sind, noch 2 Pfund Wasser hinzu, erhitze wieder zum Kochen und rühre hernach 9 Loth gelbes Wachs mittelst eines Holzspatels in die Masse ein, welche weiterhin so lange gekocht wird, bis sich keine Wachsklümpchen mehr zeigen. Man nimmt die Masse hierauf vom Feuer, und setzt ihr noch, nachdem sie etwas erkaltet ist, 3 Pfund Wasser zu. In diesem Zustande kann sie sofort zum Anstrich verwendet werden. Da sich durch das Kochen der Potasche und des Wachses eine in Wasser lösliche Wachsseife gebildet hat, so braucht ein mit dem Bohnwachs behandelter Fußboden nur abgekehrt, |248| und nicht mit Wasser aufgewaschen zu werden, weil sich sonst die lösliche Wachsseife wieder ablösen würde. Aus diesem Grunde ist der Anstrich des Fußbodens mit Oelfarbe dem Bohnen vorzuziehen, dessen einziger Vortheil darin besteht, daß dasselbe rasch ausführbar ist, während die Oelfarbe bekanntlich längere Zeit zum Trocknen bedarf, in der das Zimmer nicht benutzt werden kann.

2) Zum Oelfarbenanstrich der Fußböden bediene man sich ausschließlich der Erdfarben. Alle Farben, denen Bleiweiß zugesetzt wurde, sind zu weich und treten sich leicht ab. Bei einem mit Oelfarbe angestrichenen Fußboden, der sich unverhältnißmäßig rasch abtritt, kann man sicher seyn, daß die Farbe mit Bleiweiß versetzt wurde. Es geschieht dieses in der Regel, weil solche Farben besser decken und sich bequemer streichen lassen. Selbst die Anwendung des mit Bleiglätte gekochten Firnisses ist zu verwerfen und ein Firniß vorzuziehen, welcher mit borsaurem Manganoxydul gekocht ist. Man gibt in der Regel zwei Anstriche. Hierbei hat man vor Allem Sorge zu tragen, daß man den zweiten Anstrich nicht eher aufträgt, als bis der erste völlig trocken ist.

Soll der mit Oelfarbe angestrichene Fußboden noch einen besonderen Glanz und die obere Decke eine größere Festigkeit erlangen, so überstreicht man ihn wohl auch noch mit einem sogenannten Fußbodenlack.

Einen sehr guten Lack dieser Art bereitet man sich auf folgende Art:

Man löse 2 Loth Schellack in 1/4 Pfund Spiritus von 80 Proc. auf, füge der Lösung 1 Quentchen Campher zu, und filtrire dieselbe durch ein leinenes Tuch von dem Bodensatze ab.

Mit diesem Lack bestreicht man den Fußboden. Die obere Decke wird durch den Schellack fester. Tritt sich dieselbe ab, so hat man nur von Zeit zu Zeit den Lacküberzug zu erneuern, um einen stets glänzenden und leicht abwaschbaren Fußboden zu besitzen. (Dr. Wiederhold's Gewerbeblätter, 1871 S. 1.)

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