Titel: Neue Münzsortirmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 2 (S. 241–242)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_2

Neue Münzsortirmaschine.

Das k. k. Münzamt in Wien veröffentlicht einen Bericht über eine von L. Seyß in Atzgersdorf construirte neue Münzsortirmaschine, welche seit 1/4 Jahr im Münzamt ununterbrochen in Thätigkeit ist und sich sehr gut bewährt. Man war seit langer Zeit mehrfach bemüht, statt, wie bisher in allen Münzstätten geschieht, die Münzplättchen mittelst Handwaagen zu sortiren, dieß durch selbstthätige Maschinen verrichten zu lassen. Schon bei der Einrichtung der neuen Münze in Wien im J. 1838 wurde eine von dem Mechaniker Wurm erdachte Maschine zu diesem Zwecke aufgestellt. Sie mußte jedoch bald außer Gebrauch gesetzt werden, da sie keine genügende Sicherheit gewährte, indem die Münzplättchen nicht immer in die entsprechenden Fächer gelangten und die Waagen wegen der stoßweisen Bewegung, der sie fort und fort ausgesetzt waren, sich schnell abnutzten. Dem Mechaniker Seyß in Atzgersdorf ist es nun nach vielfachen Bemühungen gelungen, diesem Bedürfnisse abzuhelfen. Die allgemeine Einrichtung der von ihm construirten Maschine ist folgende: Zum Abwägen der Münzplättchen sind 10 mit allen nöthigen Correctionsvorrichtungen versehene, ganz feine Waagen von großer Empfindlichkeit bestimmt. Die Münzplättchen gleiten aus einer Vorrathhülse, durch die Wirkung der Maschine selbst, auf die Waagschalen, welche in dem Augenblicke wo dieß geschieht, durch eine sinnreiche Vorrichtung festgehalten werden, so daß kein Stoß auf die Schneiden der Waagen erfolgen kann, wodurch ihre Dauerhaftigkeit gesichert ist. Nachdem die Münzplättchen auf die Waagschalen gelangt sind, macht die erwähnte Vorrichtung diese wieder frei, worauf die Waagebalken arretirt und sodann ausgelöst werden, so daß die nun erst belasteten Waagen, und zwar immer aus der horizontalen Lage, während einer gewissen Zeit ganz frei spielen, ohne durch irgend eine Reibung gehindert zu werden. Die an den Waagen befindlichen Aufhängegewichte, durch welche eigentlich die Sonderung der Münzplättchen nach genau festgesetzten Gewichtsdifferenzen in höchst sinnreicher und sicherer Weise bewirkt wird, heben sich im rechten Moment vom Balken ab und gelangen wieder zur rechten Zeit an ihre frühere Stelle. Sobald nun der Waagebalken vermöge der obigen Aufhängegewichte in einer gewissen Stellung in die Ruhelage kommt, wird das gewonnene Münzplättchen ausgelöst und gelangt in einen mit der jeweiligen Stellung der Waagschale correspondirenden Canal, durch welchen es in das zu seiner Aufnahme bestimmte Fach rollt. Solcher Canäle befinden sich fünf über einander, so daß fünf Sorten von Plättchen gesondert werden, nämlich viel zu schwere, etwas zu schwere, dann zwei Sorten von solchen welche innerhalb des gesetzlichen Remedium fallen, und zwar die einen mit positiver, die anderen mit negativer Abweichung, und endlich solche die überhaupt zu leicht sind. Um die Maschine in Function zu setzen, genügt es, die durch dieselbe gehende Achse zu drehen, was mittelst der durch den Saal laufenden Transmissionswelle geschieht; eine Person reicht für zwei Maschinen hin, die Eintraghülsen stets mit neuen Plättchen zu füllen. Der ganze Mechanismus ist mittelst eines Glaskastens abgeschlossen und so vor Staub und jeder Verletzung geschützt. Von jeder Waage werden 4, daher von sämmtlichen 10 Waagen 40 Stück Münzplättchen pro Minute gewogen; in 10 Arbeitsstunden werden somit 20,000 bis 24,000 Plättchen durch die Maschine sortirt. Diese Leistungsfähigkeit der neuen Maschine ist um so mehr eine höchst befriedigende, als bei der Zuverlässigkeit der Sortirung eine nochmalige Controlle durch stückweises Nachwägen der abfallenden zwei Sorten vollwichtiger Plättchen nicht mehr nothwendig ist, was bei der Sortirung mittelst Handwaagen, wegen der Möglichkeit des Verwerfens der Plättchen, immer geschehen muß. Dadurch aber, daß die Maschine die zu schweren Plättchen noch nach zwei von einander nur wenig verschiedenen Gewichtsgattungen trennt, welche unter einander ein nahezu gleiches Gewicht haben, kann die folgende Operation des Justirens mittelst der Schabmaschine mit weit größerer Präcision ausgeführt werden, indem sich die letztere leicht so stellen läßt, daß durch ein einmaliges Abschaben oder Feilen das erforderliche |242| Normalgewicht erlangt wird. Bei einiger Aufmerksamkeit läßt es sich so fast ganz vermeiden, daß einzelne Plättchen zu leicht ausfallen, was ein Nachtheil ist, weil solche Plättchen wieder eingeschmolzen werden müssen.

Die Erfindung dieser Sortirmaschine ist somit ein wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiete der Münztechnik und verdient um so mehr Anerkennung, als durch sie das schwierige Problem der sicheren Sortirung der Münzen nach ihrem Gewicht auf mechanischem Weg, an dem sich schon so viele ausgezeichnete Mechaniker versucht haben, in einer Weise gelöst wurde, die in der That nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Bei ihrer großen Empfindlichkeit ist die Maschine übrigens auch für Goldmünzen ohne Anstand verwendbar. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1871.)

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