Titel: Verwendung des krystallisirten Silbersalpeters für photographische Bäder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 6 (S. 243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_6

Verwendung des krystallisirten Silbersalpeters für photographische Bäder.

Schon vor Jahren wurde von competenter Seite für photographische Silberbäder der ausschließlichen Verwendung des krystallisirten salpetersauren Silbers an Stelle des altherkömmlichen, geschmolzenen und in Stangen gegossenen Höllensteines das Wort geredet. Es wurde damals schon nachgewiesen, daß beim Schmelzen des Silbersalpeters selbst bei größter Vorsicht es sich nicht vermeiden lasse, daß kleine Mengen von salpetrigsaurem Silber gebildet werden, und daß diese später im photographischen Bade zur Bildung von Schleiern (d.h. gleichmäßigen Ausscheidungen von Silberniederschlägen über die ganze Negativplatte) Veranlassung geben, welche selbst durch Zusatz von Salpetersäure zum Bade nicht fortgeschafft werden können. Es kommt hier dazu, daß geschmolzener Silbersalpeter nicht selten eine stark alkalische Reaction zeigt, welche dem praktischen Photographen eine sehr vorsichtige und daher nicht leicht zu bewerkstelligende Neutralisation aufnöthigt.

Im Gegensatz hierzu erweist sich das krystallisirte salpetersaure Silber stets absolut frei von salpetrigsaurem Salz, und die Spuren von Salpetersäure, welche den Krystallen etwa anhängen, sind bei sonst normaler Reinheit des Silbersalzes nicht schädlich, sondern sogar vortheilhaft, da jedes photographische Silberbad eine wenn auch ganz geringe Spur freier Salpetersäure nöthig hat.

Da die geschilderten Vorzüge des kystallisirten Silbersalpeters vor dem Höllenstein in Stangen, wie uns die Praxis lehrt, in letzter Zeit mehr und mehr in Vergessenheit gerathen sind, erlauben wir uns heute, dieselben wieder in Erinnerung zu bringen. Es verdient bemerkt zu werden, daß sowohl in England und Amerika, als auch zum größten Theil in Frankreich für die Photographie schon seit vielen Jahren fast nur das krystallisirte Salz verwendet wird. (Mittheilung der chemischen Fabrik auf Actien, vormals E. Schering, in Berlin.)

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