Titel: Retouchirfirniß für Photographen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 7 (S. 243–244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_7

Retouchirfirniß für Photographen.

Es würde eine schwere Aufgabe seyn, alle die verschiedenen Firnisse aufzuzählen, welche von den Photographen zur Beschützung ihrer Negativs empfohlen und benutzt worden sind. Fast alle bekannten Gummi- und Harzsorten, und alle möglichen Flüssigkeiten würden in diesem Verzeichnisse vorkommen. Einige Photographen haben ausgesprochen, die Auffindung eines guten Negativlackes gehöre zu den schwierigsten Aufgaben. Der eine Lack wird unter dem Einflusse der Sonnenhitze im Copirrahmen weich und klebrig, der andere ist zu hart und nicht elastisch genug, reißt daher; ein dritter dehnt sich auf der Glasplatte aus und hebt sich in unregelmäßigen Figuren davon ab. Nun ist aber nicht zu bestreiten, daß es doch viele Sorten von Lack gibt, welche keinen dieser Fehler besitzen.

In letzter Zeit ist eine neue Eigenschaft des Lackes Bedürfniß geworden. Er soll nämlich keine glänzende, sondern eine rauhe Schicht liefern, auf der sich mit Graphitstiften retouchiren läßt, ohne indessen die übrigen Eigenschaften eines guten Negativlackes einzubüßen.

Unter den zahlreichen zur Firnißfabrication verwendeten Harzen gibt es kein zu photographischen Zwecken besser geeignetes, als Sandarach. Dieses Harz, welches in heißen Ländern aus der Rinde der Thuja articulata und der Juniperus communis ausschwitzt, liefert vortreffliche harte und farblose Firnisse. Man verwendet es häufig gemeinschaftlich mit dem härteren Schellack. Eine alkoholische Auflösung des Harzes liefert auf dem Negativ eine Schicht von bedeutender Härte, ist aber zu hart und bedarf noch eines Zusatzes. Man hat Canadabalsam, Terpenthin, Lavendelöl und andere Ingredienzien vorgeschlagen, Nichts aber ist zu diesem Zwecke besser geeignet, als das gewöhnliche Ricinusöl. Dieses Oel liefert der Firnißschicht auch die erforderliche Rauhheit, um die Graphitretouche anzunehmen.

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Keine Combination von Harzen hat uns Firniß mit denselben Eigenschaften geliefert, welche die Verbindung von Ricinusöl und Sandarach besitzt. Nur die klarsten ausgesuchten Stücke Sandarach dürfen indeß zum Retouchirfirniß verwandt werden, damit derselbe nicht zu dunkel wird.

Zum Auflösen des Sandarachs nimmt man Alkohol von mindestens 0,815 spec. Gewicht. Die Lösung wird so stark gemacht, daß sie die Consistenz einer Collodiumlösung erhält. Ein Theil Sandarach auf 6 Theile Alkohol wird das Verhältniß seyn, welches den meisten Photographen am besten paßt. Das Verhältniß des Ricinusöles richtet sich nach der Härte des Stiftes, mit dem man retouchiren will; je weicher der Stift, desto mehr Ricinusöl nimmt man. Mehr als 1 Theil Ricinusöl auf 4 Theile Sandarach darf man indessen nicht nehmen, weil sonst der Firniß zu weich wird.

Am besten regulirt man die Mischung, wenn man eine Auflösung von 1 Theil Sandarach in 5 Theilen Alkohol, und eine zweite Lösung von 1 Theil Ricinusöl in 4 Theilen Alkohol bereitet. Dieß ist schon deßhalb nöthig, weil man bei Proben im Kleinen das ungelöste dicke Ricinusöl nicht genau messen kann. Man mischt beide Lösungen in solchem Verhältniß, daß 1 Maaßtheil Ricinusöl auf 5 bis 6 Gewichtstheile Sandarach kommt.

Auf einem Firniß, der aus 1 Theil Ricinusöl, 3 Thln. Sandarach und 18 Thln. Alkohol zusammengesetzt ist, läßt sich mit allen Sorten von Graphitstiften, mögen sie hart oder weich seyn, vorzüglich arbeiten. Die Schicht wird nicht dadurch angegriffen.

Vielleicht ist es vortheilhaft, für die Vorrathslösung etwas weniger Alkohol zu nehmen, um den Firniß vor dem Gebrauche beliebig verdünnen zu können.

Der hier beschriebene Firniß besitzt außer der Eigenschaft, die Retouche anzunehmen, alle Eigenschaften eines aus alkoholischer Schellacklösung bestehenden guten photographischen Firnisses. (Aus dem British Journal, durch das photographische Archiv, 1871 S. 241.)

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