Titel: Nachtviolett von A. Clavel in Basel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 9 (S. 244–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi03_9

Nachtviolett von A. Clavel in Basel.

Derselbe soll Nachtviolet unter Ausschluß der Erzeugung von Grün so darstellen, daß er beim Erhitzen von Fuchsin mit Jodmethyl den Druck vermeidet. Dieß geschieht einfach, indem er den Apparat mit einem Glasrohr in Verbindung setzt, in |245| welchem sich das bei der Erhitzung überdestillirende Jodmethyl immer wieder verdichtet und als Flüssigkeit in den Apparat zurückströmt, ein Vorgang den man gewöhnlich „Cohobiren“ nennt. Der Apparat ist ein gewöhnlicher gußeiserner Doppelkessel, in dessen Umhüllung Dampf einströmt. Der Deckel hat zwei Oeffnungen für zwei starke Glasröhren, welche mit einer bleiernen Kühlschlange in Verbindung stehen. Die Verbindung ist derart, daß die aus dem Apparat aufsteigenden Dämpfe in die bleierne Kühlschlange gelangen, in ihr abgekühlt werden und von da als Flüssigkeit in die zweite Glasröhre laufen, welche das Jodmethyl in regelmäßigem Strahl in den Apparat zurückführt. Für die Bereitung nimmt man Fuchsin, festes caustisches Natron und Jodäthyl nebst der gehörigen Quantität Holzgeist. Man kann auch Jodmethyl verwenden und nimmt dann als Lösungsmittel gewöhnlichen Alkohol. Man bringt das Fuchsin mit dem Natron in den Kessel und rührt die Masse unter Zusatz von Alkohol oder Holzgeist gleichförmig zusammen, setzt dann die Hälfte Jodäthyl hinzu, schließt den Deckel und stellt die Verbindung mit den beiden Enden der Kühlschlange her. Man erhitzt nun 6 Stunden lang, kühlt den Apparat ab und bringt die zweite Hälfte des Jodäthyls hinzu, worauf man nochmals 6 Stunden erhitzt. Nach dieser Zeit sperrt man durch einen Hahn die Verbindung zwischen Kühlschlange und zweitem Glasrohr ab, und verschafft durch Drehen eines anderen Hahnes der Kühlschlange unten einen Abfluß. Erhitzt man nun, so destillirt sämmtliches Jodäthyl mit Holzgeist über, welches man für eine folgende Operation aufbewahrt. Die Masse im Kessel wird herausgenommen und längere Zeit mit starker Natronlauge gekocht. Die Lauge enthält dann alles Jod als Jodnatrium, während das Violett in einem Kuchen sich abscheidet. Dieses befindet sich im Zustande einer unlöslichen Basis und wird, um es in Wasser löslich zu machen, mit Schwefelsäure verbunden. Zu diesem Zweck löst man den Kuchen in einer Mischung von Schwefelsäure und Wasser auf und scheidet, wenn die Lösung vollkommen ist, das Violett durch Zusatz von etwas Sodalösung aus; der Kuchen wird dann mit kaltem Wasser abgespült, in kochendem Wasser gelöst und die Farbe aus der filtrirten Lösung mit Kochsalz gefällt. Nach dem Trocknen hat man das sogenannte, in Wasser lösliche Nachtviolett des Handels, welches seinen Namen der Eigenschaft verdankt, bei künstlicher Beleuchtung nicht roth zu erscheinen, wie die gewöhnlichen Violetts, sondern seine prachtvolle Farbe behält. (Reimann's Färberzeitung, 1872, Nr. 5.)

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