Titel: Ueber Dampfkessel mit Zwischenfeuer und Unterkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 2 (S. 320–321)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi04_2

Ueber Dampfkessel mit Zwischenfeuer und Unterkessel.

In dem Geschäftsberichte des Sächsisch-Anhalt'schen Vereines zur Prüfung und Ueberwachung von Dampfkesseln bespricht der Vereinsingenieur Hr. v. Reiche Erscheinungen an diesen Kesseln, und sucht für selbe eine Erklärung zu geben, welche wir nach den „Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover,“ 4. Heft 1871 reproduciren.

„Man findet, daß diese Unterkessel, wenn sie mit kaltem Wasser gespeist werden, außerordentlich rasch zu Grunde gehen, und zwar verrosten sie von außen auf ihren verticalen Flächen und am stärksten unmittelbar hinter den Stemmfugen. Man findet weiter, daß diese nämlichen Unterkessel, wenn sie mit sehr warmem Wasser von beispielsweise 70° C. gespeist werden, eine ungleich längere Dauer bethätigen. Die Erklärung dieser Thatsachen findet man folgendermaßen: Speist man mit kaltem Wasser, so sinkt durch die Speisung die Temperatur im Unterkessel zuweilen unter 100° C. und zwar unter Umständen sehr bedeutend. Der Unterkessel ist also jetzt ganz mit Wasser angefüllt. Im Unterkessel geht nun Folgendes vor: Das Wasser erwärmt sich successive und setzt ringsum Kesselstein ab, bis Dampfbildung im Unterkessel eintritt und sich oben eine continuirlich durch den Stutzen abfließende Dampfschicht bildet. Von jetzt ab setzt sich natürlich nur unterhalb der Dampfschicht Kesselstein ab, während oben am Scheitel der aufgetriebene Schaum sich festsetzt und festbrennt. |321| Außerhalb des Unterkessels aber und auf der äußeren Oberfläche desselben trägt sich Folgendes zu: Wenn die Temperatur des Wassers im Unterkessel bedeutend und in Folge dessen auch die der Kesselbleche unter 100° C. sinkt, so kühlen sich auch die Feuergase unter 100° C. ab. Nicht die ganze Masse derselben, – denn dann würde man eine so günstige Brennstoff-Ausnutzung erzielen, wie sie eben nicht vorhanden ist, der Schornstein würde aber auch noch schlecht ziehen, – wohl aber kühlen sich so bedeutend ab die Gastheilchen, welche unmittelbar an den Blechen hinstreichen, weil sie wenig Bestreben haben, sich wieder von den Blechen zu entfernen. Sinkt nun aber die Temperatur dieser Heizgase unter 100° C., so condensirt sich ein Theil des mitgeführten Wasserdampfes, welcher immer darin enthalten ist und sich namentlich aus unseren naß verfeuerten Braunkohlen in überreicher Menge entwickelt. Dieses condensirte Wasser schlägt sich natürlich an den condensirenden Flächen nieder und dieß sind die verticalen Flächen der Unterkessel. Die horizontalen Flächen haben diese Eigenschaft in ungleich geringerem Grade, die oberen, weil sie in Folge der Flugaschendecke, und die unteren, weil sie in Folge der Schlammschicht zu schlechte Wärmeleiter sind. Da nun das condensirte Wasser unfehlbar das Verrosten der Bleche herbeiführt, so ist es erklärt, weßwegen die verticalen Wandungen am raschesten zerstört werden; es bleibt aber noch zu erklären, weßhalb diese Wandungen unmittelbar hinter den Stemmfugen am meisten leiden. Auch für diese Erscheinung ist der Grund nicht schwer zu finden. Ein Eisenstück verrostet nämlich viel rascher, wenn die zur Verdunstung des auf ihm befindlichen Wassers erforderliche Wärme ihm vom Eisen, als wenn diese Wärme ihm von der Luft zugeführt wird. Im ersten Falle entwickeln sich die Dampfblasen unmittelbar auf dem metallischen Eisen und lockern, indem sie aufsteigen, den darüber gelagerten Rost auf, legen also die gesunden Eisentheile immer wieder für die Einwirkung der Nässe frei. Im zweiten Fall dagegen entwickeln sich die Dampfblasen an der Oberfläche des Wassers, der auf dem Eisen befindliche Rost wird also nicht aufgerührt und bildet demnach eine, wenn auch unvollkommene Schutzdecke für das Eisen. Dieser zweite Fall findet nun seine Anwendung auf die größere Fläche des Bleches, welche von den successive wärmer werdenden Feuergasen direct bestrichen werden kann; der erste Fall dagegen findet Anwendung auf die Blechstellen hinter den Stemmfugen. An diesen Stellen bildet sich eine stehende Gasschicht, welche das Blech vor der directen Einwirkung der Heizgase schützt; diese Stellen werden also noch mit Wasser benetzt seyn, wenn alle übrigen bereits wieder trocken sind. Inzwischen aber ist auch die Temperatur des Wassers im Vorwärmer auf mehr als 100° gestiegen und dieses Wasser gibt also jetzt seine Wärme durch die Bleche an die außen haftende Feuchtigkeit ab, letztere wird daher von unten aus verdampft und das Blech an diesen Stellen sehr rasch zerstört.

Die An des Brennmateriales, ob man den Kessel also mit Braunkohle, Steinkohle, Holz oder Torf u.s.w. heizt, vermag an dem besprochenen Resultate Nichts zu ändern.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: