Titel: Ueber eine neue Methode zur Bereitung von Collodium für die Photographie; von Dr. van Monckhoven in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 6 (S. 323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi04_6

Ueber eine neue Methode zur Bereitung von Collodium für die Photographie; von Dr. van Monckhoven in Wien.

Es ist eine in der Photographie wohl bekannte Thatsache, daß das Silberbad nach dem Silbern einer gewissen Anzahl von Platten seine Eigenschaften verändert. Diese unliebsame Veränderung tritt nicht in einem bestimmten Zeitpunkte ein, sondern das Erscheinen derselben hängt ganz von der Natur des Collodiums und dessen Jodirungssalzen ab; gewisse Collodien scheiden nämlich viel schneller als andere die organischen Substanzen aus, welche beim Entwickeln der Platten die bekannten Schleier erzeugen. Daß sich im Silberbade von den collodionirten Platten wirklich eine gewisse Menge organischer Substanz auflöst, läßt sich aus den Versuchen über die theilweise Löslichkeit des (in Aether und Alkohol aufgelösten) Pyroxylins in Wasser schließen, welche Camuzet vor einiger Zeit angestellt hat. Der Verf. hat die Versuche wiederholt und ebenfalls gefunden, daß die Pyroxyline einen Theil ihres Gewichtes im Wasser verlieren, und zwar ist dieser Theil im Verhältnis um so größer, als jene dicke Collodien geben. Das Wasser, welches man zum Niederschlagen der Wolle aus dem Collodium verwendet, enthält eine der Gelatine ähnliche Materie.

Der Verf. empfiehlt nun, zur Vermeidung des oben erwähnten Uebelstandes ein Collodium zu verwenden, welches aus niedergeschlagener Wolle bereitet ist. Das Präcipitiren der Wolle nimmt man am einfachsten folgendermaßen vor. In 1 Liter Alkohol und 1 Liter Aether löst man 40 Grm. Pyroxylin, gleichgültig, ob von guter oder schlechter Qualität, gießt die Flüssigkeit in ein großes, 10 Liter Wasser enthaltendes Gefäß und schüttelt kräftig. Das Pyroxylin scheidet sich aus und wird auf einem Filter von Musselin aufgefangen. Den Alkohol und Aether kann man aus dem abfiltrirten Wasser durch Destillation wieder gewinnen.

Die neu erhaltene Collodiumwolle wiegt je nach ihrer ursprünglichen Qualität 20 bis 35 Grm. und bildet nach dem Trocknen sehr harte und leichte Klumpchen, welche in keiner Weise mehr an das gewöhnliche Pyroxylin erinnern. Man kann derartig niedergeschlagene Wolle nur sehr schwer anzünden, da sie kaum brennt. Sie löst sich ferner gänzlich in Alkohol, ein Umstand der sehr in's Gewicht fällt, wo es sich darum handelt, ein alkoholreiches, für lange Expositionen bestimmtes Collodium zu haben.

Die hervorragendste Eigenschaft der auf diese Weise bereiteten Wolle ist jedoch die, daß dieselbe ein vorzügliches Collodium gibt, auch wenn man ursprünglich das schlechteste Pyroxylin verwendet hat. Es hat somit das Wasser alle photographischen Verunreinigungen der Collodiumwolle entfernt.

Außerdem hat der Verf. noch einen besonders merkwürdigen Umstand bei aus präcipitirter Wolle bereitetem Collodium gefunden: man kann dasselbe auf die verschiedenste Manier jodiren, es bleibt sich in seiner Consistenz vollständig gleich. Bekanntlich wird z.B. durch Jodcadmium das Collodium dick und gelatinös, während Jodnatrium und Jodammonium dasselbe dünnflüssig machen. Dieß ist aber bei dem aus präcipitirtem Pyroxylin dargestellten Collodium nicht der Fall. (Photographische Correspondenz und Notizen.)

Dr. H. Vogel hat verschiedene Sorten von Wolle nach dem vorstehend angegebenen Verfahren behandelt, und gefunden daß die Resultate in manchen Fällen ausgezeichnet waren. Er fand aber, daß es Collodiumwolle gibt, welche, in dieser Weise aufgelöst und niedergeschlagen, sich abnorm verhält, nämlich ein sehr schwer absetzbares und zu Schleiern geneigtes Collodium liefert. Namentlich war dieß bei Wollsorten der Fall, welche stark faserig waren und sich nur theilweise in Alkohol und Aether lösten. (Photographische Mittheilungen, 1871 S. 226.)

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