Titel: Woodbury's neues photographisches Druckverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 7 (S. 323–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi04_7
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Woodbury's neues photographisches Druckverfahren.

Seit Paul Pretsch's photographischem Druckverfahren sind mancherlei Verfahren versucht worden, um druckfertige Metallplatten zu liefern, welche neben dem Korn und den Linien eines Kupferstiches die zarten Halbtöne einer Photographie besitzen.

Das Verfahren, welches ich hier zu beschreiben beabsichtige, hat schon einige annehmbare Resultate geliefert, und verspricht mehr. Ein Gelatine-Relief wird in folgender Weise hergestellt:

Eine Glasplatte wird mit Wachs abgerieben und mit einer dünnen Collodiumschicht überzogen; auf diese wird eine Auflösung von Gelatine und doppelt chromsaurem Kali aufgegossen, welche eine gewisse Menge fein gepulvertes Glas, Schmirgel oder Kohle enthält. Nach dem Trocknen wird diese Schicht vom Glase entfernt, mit der Collodiumseite auf das Negativ gelegt, und so dem Lichte ausgesetzt. Nach hinreichender Belichtung wird sie mittelst Kautschuklösung auf eine Glasplatte aufgeklebt, sodann mit warmem Wasser gewaschen. Nach der Entwickelung löst man das Reliefbild von der Glasplatte wieder ab. Die Bezeichnung „Reliefbild“ ist nicht ganz richtig, denn wir haben nun ein Bild, dessen höchste Lichter durch eine glatte polirte Fläche repräsentirt sind, und dessen Schattenpartien mehr oder weniger gekörnt erscheinen, und zwar genau dem Negativ entsprechend.

Um nun dieses zarte Korn auf eine Metallplatte zu übertragen, gibt es keinen anderen Weg, als die Anwendung einer hydraulischen Presse. Denn wollte man versuchen, das Bild auf galvanoplastischem Wege zu reproduciren, so würde die ganze Schönheit seiner Oberfläche durch die Anschwellung der Gelatine verloren gehen; denn kein Härtungsverfahren für Gelatine ist so wirksam, daß nicht eine geringe Anschwellung derselben im Wasser stattfände. Durch Einpressen des trockenen Bildes in eine weiche Metallplatte bleibt aber das zarteste Detail vollständig erhalten. Von der weichen Metallplatte wird eine galvanoplastische Contreform, und von dieser wieder ein eben solches Cliché erzeugt, welches sodann verstählt wird.

Eigenthümlicherweise erhält man sowohl von der einen wie von der anderen Platte positive Abdrücke; der einzige Unterschied ist der, daß in der negativen Platte die Farbe die hohlen Stellen zwischen den Reliefkörnern ausfüllt, während in der positiven Platte die Farbe von den Kornvertiefungen zurückgehalten wird.

Ein anderes Verfahren zur Herstellung von Reliefkornbildern, welches mir von großer Zukunft zu seyn scheint, wird folgendermaßen ausgeführt:

Man bereitet verschiedene Mischungen von Chromgelatine wie oben, die sich nur durch die größere oder geringere Feinheit der korngebenden Substanz von einander unterscheiden. Man läßt ein Blatt dünnes Papier auf der Mischung schwimmen, welche das gröbste Korn enthält; nach dem Trocknen läßt man es auf der zweiten Mischung mit dem mittleren Korn schwimmen, und nach nochmaligem Trocknen auf der mit dem feinsten Korn. Die Gelatineschicht wird unter dem Negativ belichtet, dann unter Wasser an einer fein polirten Stahlplatte befestigt, in warmem Wasser entwickelt und getrocknet. Das so erhaltene Bild wird ganz wie oben angegeben mittelst hydraulischen Druckes auf eine weiche Metallplatte übertragen, und diese auf galvanoplastischem Wege clichirt.

Die feinsten Töne erhalten auf diese Weise das feinste Korn, die tiefsten Partien das gröbste, während das mittlere Korn die Halbtöne wiedergibt.

Solches Papier kann ebenso wie Kohlepapier ohne Chromsalz hergestellt und vor dem Gebrauch empfindlich gemacht werden. Je dichter das Negativ, um so stärker müßte man in diesem Fall die Auflösung von doppelt-chromsaurem Kali nehmen. (Photographie Almanac; photographisches Archiv, 1872 S. 27.)

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