Titel: Ueber die Darstellung von absolutem Alkohol; von Prof. E. Erlenmeyer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 10 (S. 421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi05_10

Ueber die Darstellung von absolutem Alkohol; von Prof. E. Erlenmeyer.

Die bisher gebräuchlichen Verfahrungsweisen zur Darstellung größerer Mengen von absolutem Alkohol sind meist sehr zeitraubend, da die in Anwendung kommenden Entwässerungsmittel, wie kohlensaures Kali, entwässerter Kupfervitriol, entwässertes gelbes Blutlaugensalz, Aetzkalk, Aetzbaryt etc., dem Weingeist das Wasser erst bei längerer Einwirkung entziehen. Mit den drei erst genannten Substanzen ist es selbst bei mehrtägiger Berührung und häufigem Schütteln nicht möglich, vollkommen absoluten Alkohol zu erzielen.

Mendelejeff, der bei seiner werthvollen Arbeit über die Verbindungen des Weingeistes mit Wasser die verschiedenen Mittel zur Darstellung absoluten Alkohols einer eingehenden Prüfung unterzogen hat, erklärt den Aetzkalk für das praktischste Entwässerungsmittel des Weingeistes. Er sagt (Zeitschrift für Chemie, 1865 S. 260): „Die Stücke des Aetzkalkes müssen den Alkohol, der mindestens ein specifisches Gewicht von 0,792 bei 20° C. haben muß, überragen. Nach 2 Tagen ist alles Wasser entzogen. Will man aber schon nach 2 bis 3 Stunden destilliren, so ist ein vorhergehendes halbstündiges Erwärmen auf 50 bis 60° C. absolut nothwendig.“ Bei diesem Verfahren sind aber nur die mittleren Portionen des Destillates wasserfrei zu bekommen.

Der Verf. hat das Mendelejeff'sche Verfahren dahin abgeändert, daß er den Weingeist mit dem Kalk während einer halben bis ganzen Stunde auf dem Wasserbad am Rückflußkühler zum Sieden erhitzt, dann den Kühler umkehrt und den Alkohol abdestillirt. Er hat so das ganze Destillat in wasserfreiem Zustande bekommen.

Enthält der Weingeist mehr als 5 Procent Wasser, so ist es nur nöthig ihn zwei oder mehr Mal derselben Behandlung zu unterwerfen. Ist der Weingeist sehr wasserhaltig, so darf man nicht gleich bei der ersten Kochung den Kalk über die Flüssigkeit hervorragen lassen; man füllt am besten den Raum, welchen der Alkohol einnimmt, nur zur Hälfte mit Kalkstücken an, weil sonst das Gefäß durch die rasche Hydratbildung aus einander getrieben werden kann. Immerhin lassen sich auf diese Weise mehrere Liter Weingeist in einigen Stunden in absoluten Alkohol überführen. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CLX S. 249.)

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