Titel: Ueber Darstellung blaugefärbten Papieres; von Dr. Kielmeyer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 15 (S. 423)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi05_15

Ueber Darstellung blaugefärbten Papieres; von Dr. Kielmeyer.

Für die ordinären Sorten des blauen Enveloppen-Papieres wird die Farbe mittelst einer Ferrocyaneisen-Verbindung gegeben. Man verfuhr früher so, daß die fertige, trockene Farbe (Pariser-, Berliner- oder Mineralblau) mit Wasser sehr fein zerrieben, in den Holländer gegeben wurde. Hernach schlug man das bessere Verfahren ein, sich die blaue Farbe selbst herzustellen durch Vermischung von Eisenvitriol mit Ferrocyankalium, weil der frisch gefällte, gut ausgewaschene, nasse Niederschlag sich im Holländer gleichmäßiger vertheilen muß, als beim ersten Verfahren. Noch zweckmäßiger und bequemer, weil die Bereitung des blauen Ansatzes erspart wird, ist folgendes Verfahren:

6 Pfd. Eisenvitriol werden im nöthigen Wasser gelöst, ebenso 5 Pfd. Blutlaugensalz, Und beide Lösungen in den Ganzholländer gegeben. Auf diese Weise bildet sich der Farbstoff im Holländer selbst und ist ihm Gelegenheit gegeben, sich in der feinsten und gleichmäßigsten Form der Papiermasse einzuverleiben. Um jedoch immer genau denselben Ton und gleiche Stärke des Blaus zu erzielen, sind mehrere Vorsichtsmaßregeln zu beobachten, welche mit der leichten Oxydirbarkeit des Eisens vor und nach Bildung der Ferrocyaneisen-Verbindung zusammenhängen. Der angewandte Eisenvitriol darf vor Allem nicht zu lange dem Einfluß der Luft ausgesetzt gewesen seyn; vor dem Zusatz der beiden Salze muß das Chlor möglichst aus dem Halbzeug entfernt seyn, und endlich muß der gefärbte Ganzzeug immer unter denselben Bedingungen nach Ort, Zeit und Temperatur gelagert seyn, ehe er weiter verarbeitet wird. Ein Ruhetag mehr oder weniger, eine mehr oder weniger starke Chloratmosphäre in der Umgebung, sind im Stande die Farbe stärker oder schwächer entwickeln zu lassen. Am sichersten dürfte man deßhalb arbeiten, wenn man sich entschließen würde, statt des Eisenoxydulsalzes ein möglichst neutrales Eisenoxydsalz zu verwenden. (Musterzeitung, Zeitschrift für Färberei etc., 1872, Nr. 6.)

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