Titel: Verhalten eines mit Field'schen Röhren versehenen Cornwallkessels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 4 (S. 418–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi05_4

Verhalten eines mit Field'schen Röhren versehenen Cornwallkessels.

In der Versammlung des Pfalz-Saarbrücker Bezirksvereines deutscher Ingenieure vom 20. August 1871 in Neunkirchen berichtete Hr. Bellmer über das Verhalten eines mit 34 Field'schen Röhren versehenen Cornwallkessels, indem er denselben durch Zeichnung und Beschreibung erläuterte.

Der auf 6 Atmosphären Ueberdruck concessionirte Cornwallkessel von 12 Fuß (3,76 Met.) Länge, 4 Fuß (1,25 Met.) Durchmesser und einem Feuerrohr von 27 Zoll (705 Millimet.) Durchmesser wurde versuchsweise mit 34 Field'schen Röhren von je 2 Fuß (0,63 Met.) Länge und 2 1/4 Zoll (59 Millimet.) äußerem Durchmesser, welche radial in das Feuerrohr eingesetzt wurden, ausgerüstet. Die vom Feuer berührte Fläche wurde dadurch von 179 Quadratfuß auf 217,87 Quadratfuß (von 17,6 auf 21,5 Quadratmet.), oder um 21,71 Proc. vergrößert. Der Kessel wurde mit gypshaltigem Wasser, direct der Saar entnommen, gespeist und war seit etwa zwei Jahren in acht verschiedenen Perioden von durchschnittlich je 63 Tagen, im Ganzen 504 Tage im Betrieb. Wegen des zu geringen Raumes zwischen dem Mantel des Kessels und des Feuerrohres konnten die Einsätze der Field'schen Röhren nicht herausgenommen und gereinigt werden.

Anfänglich war bei diesem Kessel die Dampfentwickelungsfähigkeit um etwa 22 Proc. größer als bei einem gleichen Kessel ohne Röhren, und wurde eine Kohlenersparniß von 16,6 Proc. erzielt. Gegen das Ende der Arbeitszeit von 504 Tagen war das Verhältniß nahezu ein umgekehrtes. In dieser Zeit hatten sämmtliche Röhren einen Niederschlag von festem Kesselstein von 4 bis 8 Millimet. Dicke erhalten. Die meisten Einsatzröhren waren fest verstopft, und in den äußeren Röhren festgebrannt. Mehrere Röhren, dem Roste näher hängend, waren äußerlich in der oberen Hälfte rothwarm gewesen, während entfernter vom Roste hängende mit glänzendem Ruß von nicht geringer Dicke umhüllt waren.

Der Vortragende erklärte dieses im Vergleich mit anderen Field'schen Kesseln ungünstige Resultat wie folgt:

Führt man dem oberen Theil eines mit Wasser gefüllten Rohres Wärme zu, so kann man die oberen Schichten des Wassers zum Kochen bringen, während die unteren noch kalt sind. Noch auffallender wird diese Erscheinung, wenn das Rohr dabei unten abgekühlt wird. Ganz anders verhält sich dieß, wenn man das Rohr von unten erwärmt, wie es bei den Field'schen Kesseln geschieht. Hängt man in ein von unten erwärmtes Field'sches Rohr ein anderes oben und unten offenes Rohr, so trennen sich die auf- und absteigenden wärmeren und kälteren Wassermassen, das wärmere Wasser steigt im äußeren Rohre auf, während das kältere im inneren herabsinkt, wodurch eine lebhafte permanente Circulation herbeigeführt, und durch die starke Strömung ein Ablagern von festem Kesselstein verhindert wird.

Bei dem in Rede stehenden Cornwallkessel mit Field'schen Röhren wird das Wasser im oberen Theile der Röhren erwärmt, in der unteren Hälfte hingegen durch die unter der durchlöcherten Feuerbrücke durchströmende Luft abgekühlt. Es wird somit keine Strömung eintreten, das Wasser verdampft wie in einem gewöhnlichen Kessel. Es wird sich Kesselstein sofort in den Röhren ansetzen und, da er nicht entfernt werden kann, zuletzt so stark anwachsen, daß die Röhren verbrennen müssen.

Die Anwendung der Field'schen Röhren bei Cornwallkesseln kann also niemals Erfolg versprechen.

Hr. Krahne besprach einen Cornwallkessel mit zwei Feuerröhren, bei welchem ebenfalls Field'sche Röhren angewendet wurden. Die Einsätze dieser Röhren konnten jedoch herausgenommen und gereinigt werden. Dem Kesselwasser wurde außerdem zur Verminderung der Kesselsteinbildung Catechu zugesetzt. Dieser Kessel lieferte günstige Resultate. Redner war der Ansicht, daß die Benutzung der Field'schen Röhren für liegende Kessel bei Bildung von festem Kesselstein nicht zweckmäßig ist, sonst jedoch, |419| wenn man die Einsätze so anbringe, daß sie herausgenommen und gereinigt werden können, vortheilhaft sey.

Hierzu betonte Hr. Bellmer, daß man keine Antikesselsteinpräparate zusetzen dürfe, wenn man untersuchen wolle, ob eine Kesselconstruction die Ablagerung von festem Kesselstein verhindere. Hr. Krahne habe einestheils durch Zusatz von Präparaten zum Kesselwasser, anderntheils durch Reinigen der Röhren, welches alle vier Wochen erfolgte, bessere Resultate erzielt. Da aber der Vortheil der Field'schen Kessel der Hauptsache nach in Verhinderung der Kesselsteinbildung bestehe, viel weniger in Kosten und Raumersparniß, so müsse er diese Construction verwerfen. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1871, Bd. XV S. 798.)

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