Titel: Verfahren um aus Rindshäuten sehr lange Maschinenriemen herzustellen; von A. Eschenlohr in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 8 (S. 420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi05_8

Verfahren um aus Rindshäuten sehr lange Maschinenriemen herzustellen; von A. Eschenlohr in München.

Dieses Verfahren – patentirt in Bayern am 5. Juli 1866 – besteht darin, daß man einem geschlachteten Ochsen oder Stier die Haut auf folgende Weise abzieht: das auf gewöhnliche Weise geschlachtete Thier wird beim Abziehen nur vom Schweif bis an die Hinterbeine aufgeschnitten und die Haut wie bei einem Hasenbalg abgezogen und die Vorderfüße weggeschnitten. Die abgezogene Haut bildet dadurch einen unten und oben offenen Sack, aus welchem sich beim Hinterfuße angefangen, ein Riemen in jeder Breite bis zum Kopf vor drehend herunterschneiden läßt. Dieser Riemen kann hierauf auf jede beliebige Art gegerbt werden. Hierdurch kann man aus einer Haut einen Riemen von 25 bis 50 Fuß Länge und 1 Schuh Breite oder einen Riemen bis über 100 Fuß Länge und 1/2 Schuh Breite ohne Unterbrechung erhalten.

Ebenso lassen sich auch dadurch sehr lange Schläuche herstellen.

––––––––––

Die nach Eschenlohr's Patent hergestellten Maschinenriemen erregten auf der Pariser Industrie-Ausstellung 1867 großes Aufsehen, konnten aber den an sie gestellten Anforderungen nicht genügen, und zwar aus folgenden Gründen:

Weder die Structur der Faser einer Haut noch die Stärke derselben – in diesem speciellen Falle einer Ochsenhaut – ist an allen Stellen eine gleichmäßige, sondern im Gegentheil eine sehr verschiedene.

Am Rücken, an den hinteren Theilen des Thieres findet sich nicht nur die größte Dicke der Haut, sondern die Fasern derselben sind auch am kräftigsten, dieselben bilden ein geschlossenes compactes Gefüge; gegen den Nacken zu verliert sich die Stärke, die Haut wird dünner, während sie am Halse selbst wieder an Stärke zunimmt. Noch mehr fällt die Haut in Dicke sowohl, als Dichtigkeit des Gefüges der Fasern gegen die Bauchtheile ab, und wird in den Weichen so dünn und langfaserig, daß sie an diesen Theilen für gewisse Zwecke unbrauchbar wird. Es leuchtet nun wohl von selbst ein, daß ein Riemen, welcher aus der Haut eines Thieres in der Weise wie im Patente angegeben – spiralförmig – geschnitten wurde, alle die Ungleichheiten der Haut in sich tragen muß; es wird also ein Theil desselben dick und fest, daher weniger dehnbar, ein anderer Theil aber dünner und loser und deßhalb bedeutend dehnbar seyn. Ein solcher Riemen wird sich beim Gebrauche in der Art dehnen, daß er aus einer geraden Linie in eine schlangenförmige übergeht und daher nicht mehr zu gebrauchen ist.

Ein Maschinenriemen, welcher den Anforderungen die man an ihn stellt, entsprechen soll, muß aus dem besten Kornleder geschnitten seyn, damit er sich beim Gebrauche so wenig als möglich und dann nur gleichförmig dehnt. Dr. G. Feichtinger. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1872 S. 42.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: