Titel: Eine neue mechanische Faßpichmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 1 (S. 498–499)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi06_1

Eine neue mechanische Faßpichmaschine.

Die von vielen Brauereien empfohlene neue Faßpichmaschine von Scheib und Comp. in Frankfurt a. M. hat zum Zweck, die alte zeitraubende, und für das Gefäß meist schädliche Pichmethode durch Hinweglassung des Aufschlagens, zu ersetzen. Das Grundprincip davon besteht in der vollständig gleichmäßigen Erhitzung der inneren Faßwände durch einen heißen, mit Gewalt einströmenden Luftstrom, welcher ganz besonders die volle innere Fläche des Fasses derartig zur Aufnahme des geschmolzenen Peches vorbereitet (d.h. austrocknet), so daß ein verhältnißmäßig dünner Ueberzug desselben genügt, um die einzulagernde Flüssigkeit von der eigentlichen Holzfläche ganz zu isoliren. Hierdurch wird die Bildung einer dicken, sich leicht ablösenden Pechkruste und damit die Bildung von Schlupflöchern für die Hefe vollständig vermieden. Es versteht sich von selbst, daß bei dieser Operation alle zurückgebliebenen, auf das Bier schädlich wirkenden Rückstände zerstört werden.

|499|

Diese Maschine besteht aus einem, im Inneren mit feuerfestem Thon verkleideten Blechcylinder, dem Ofen welcher auf einem dreiräderigen Gestell mit Handhaben zum Vor- und Rückwärtsbewegen ruht, und dessen obere Oeffnung, welche zum Einfüllen des Brennmateriales dient, mit einem gußeisernen, ebenfalls durch Thonverkleidung geschützten Deckel geschlossen wird. Das bewegliche Gestell bildet zugleich den mit zwei Putzthürchen versehenen Aschenkasten, trägt einen runden, spiralförmig geschlitzten Rost, und nimmt das Gebläse auf, welches die Luft durch den mit glühenden Kohks oder Holzkohlen gefüllten Ofen und ein verschiebbares Rohr, in das vorgelegte Faß treibt. Der Ausströmungsöffnung gegenüber ist an dem Blechmantel ein Kurbelmechanismus mit Schwungrad befestigt, mittelst dessen das Gebläse in Bewegung gesetzt wird, und mit 40 bis 50 Umdrehungen per Minute eine heiße Luft erzeugt, wie sie zum Verpichen der Fässer am vortheilhaftesten ist.

Je nach Zweck ist die Pichvorrichtung eingerichtet:

1) für Großgefäß mit Thürchen;

2) für Großgefäß mit Thürchen und für Transportfässer.

Beide Sorten für Hand- oder Maschinenbetrieb, wo dann erstere transportable sind.

Die Vortheile dieser Maschine lassen sich zusammenfassen: 1) durch Umgehung des Aufschlagens, in der großen Schonung aller Fässer, welche ihre längere Dauer bedingt; 2) in der Sicherheit der Herstellung eines gleichmäßigen, dünnen, mit dem Holze innig verbundenen Harzüberzuges; 3) in der raschen Arbeit, da für ein Lagerfaß, je nach Größe, 12 bis 15, und für ein Transportfaß 2 bis 3 Minuten vollständig hinreichen; 4) in der Ersparniß an Arbeitskraft, Heiz- und Verpichungsmaterial; 5) in der Möglichkeit im Freien bei Luftzug oder in geschlossenen Localen das Pichen verrichten zu können; 6) in der Nichtbelästigung durch Rauch, und in der überhaupt gefahrlosen Arbeit.

Das Gewicht der Maschine beträgt 8 bis 10 Centner; sie ist bereits in vielen Brauereien im Gebrauche und von Scheib und Comp. in Frankfurt a. M. zu beziehen. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1872, Nr. 4)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: