Titel: Darstellung der Collodiumwolle; von Prof. August Vogel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 12 (S. 504–505)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi06_12

Darstellung der Collodiumwolle; von Prof. August Vogel.

Die Darstellung der Collodiumwolle geschieht im Laboratorium der k. Universität in München seit Jahren nach folgender Vorschrift: In einem Glascylinder übergießt man 30 Grm. feingepulverten Salpeter mit 30 Grm. englischer Schwefelsäure und rührt so lange mit einem Glasstabe um, bis der Salpeter gänzlich zergangen ist. In die Mischung trägt man dann 2 Grm. Baumwolle ein und arbeitet hierauf ungefähr 5 Minuten gut durch. Sodann wird mit vielem Wasser so lange ausgewaschen, bis kaum eine schwach saure Reaction der Wolle mehr bemerkbar bleibt. Zur Beschleunigung der Operation behandelt man nun die gut ausgedrückte Baumwolle mit starkem Alkohol (96° Tralles), um auch die letzten Spuren der Säure vollständig zu entfernen. Das Trocknen der in dünnen Schichten auseinander gezogenen Wolle geht nach diesem |505| Verfahren sehr rasch von statten. Die getrocknete Wolle löst sich leicht und ohne Rückstand in einem Gemisch aus gleichen Theilen Aether und Alkohol.

Nach dieser Bereitungsart war stets eine Collodiumwolle gewonnen worden, welche aufgelöst und auf eine Glasplatte ausgegossen, eine ganz durchsichtige Schicht hinterließ. Es mußte auffallen, daß bei den Darstellungen der Collodiumwolle jüngster Zeit ein Präparat erzielt worden war, welches aufgelöst und auf eine Glasplatte ausgegossen, eine undurchsichtige Schicht zurückließ, d.h. ein Collodiumpräparat welches für photographische Zwecke sich unbrauchbar erwies. Mehrfache Versuche haben darauf geführt, daß die englische Schwefelsäure, welche zu den späteren Darstellungen verwendet worden, die Ursache des veränderten Präparates sey. Bekanntlich ist zwar die englische Schwefelsäure niemals ganz frei von Salpetersäure, die Prüfung der zur Darstellung von Collodiumwolle verwendeten Schwefelsäure zeigte aber, daß diese Sorte eine ungewöhnlich große Menge von Salpetersäure enthalte. Es wurden nun die Quantitätsverhältnisse von Salpeter und Schwefelsäure in der Art abgeändert, daß man 30 Grm. Schwefelsäure auf 15 Grm. Salpeter nahm. Die in dieses Gemisch gebrachte Baumwolle gab eine Collodiumlösung, welche auf einer Glasplatte verdampft eine vollkommen durchsichtige Schicht zurückließ. Es scheint hiernach sehr wahrscheinlich, daß der ungewöhnlich vermehrte Gehalt der englischen Schwefelsäure an Salpetersäure zu einer undurchsichtigen Collodiumhaut Veranlassung geworden.

Es mag hier noch eine Beobachtung, welche sich mir in Hinsicht auf Bereitung von Collodiumwolle wiederholt ergeben, Platz finden. Wenn man Collodiumwolle in einer Menge, welche 30 Grm. übersteigt, auf einmal, d.h. in einer einzigen Operation darstellt, so zeigt sich das Collodium in seinem optischen Verhalten etwas verändert; dasselbe findet statt, wenn man die Wolle, um die letzten Reste von Säure zu entfernen, mit Ammoniak, statt mit Alkohol auswäscht. (Neues Repertorium für Pharmacie, 1872 S. 7.)

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