Titel: Polstermaterial für Geschirre der Zug-, Reit- und Lastthiere.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 18 (S. 507–508)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi06_18

Polstermaterial für Geschirre der Zug-, Reit- und Lastthiere.

Dieses neue Polstermaterial, welches als sehr zweckentsprechend gepriesen und für die Zwecke der Artillerie, Cavallerie, Fuhrwerke und zu landwirthschaftlicher Verwendung empfohlen wird, besteht zum Ersatz der Haare oder anderer Stoffe, aus einer Vermischung von Leinsamen mit Talg.

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Die leichte Beweglichkeit der Leinsamenkörnchen dient zunächst dazu, zu verhindern daß der unmittelbar berührte Theil des Thieres einen harten Druck bekommt, es wird sich vielmehr die auflagernde Fläche des Geschirres in dieselbe Form fügen, welche der betreffende Körpertheil des Thieres hat, und dadurch die Verbreitung des Druckes auf eine größere Fläche vermittelt werden. Außerdem wird durch die Fettigkeit des Polstermateriales das umhüllende Leder stets gehörig durchzogen erhalten und so gegen den Einfluß des sonst in das Leder eindringenden Schweißes vom Thiere geschützt. Hierdurch aber wird ein Aufreiben des Thieres verhindert und sogar bewirkt, daß Beschädigungen welche etwa stattgefunden haben, durch die vom Leder übertragene Fettigkeit weiter heilen. Die aus den Leinkörnern sich herausdrückende Flüssigkeit hält übrigens offene Wunden kühl und verhindert Entzündung.

Um nun die Leinsamenkörner an der Gährung zu hindern, ist Talg zugesetzt und zwar in solcher Menge, daß die erwünschte Weichheit der ganzen Masse entsteht. Um einen aromatischen Geruch hinzuzubringen, kann man etwas Terpenthinöl oder Campherpulver zusetzen und dadurch die Dauer des Polstermateriales wesentlich erhöhen. Es wird ein Theil Talg auf 5, 6, 7, 8, 9 oder 10 Theile Leinkörnchen genommen, je nach der Temperatur.

Von diesem Polstermaterial können je nach Beschaffenheit der zu polsternden Gegenstände auch sehr dünne Lagen zur Ausfütterung angewendet werden. (Deutsche Sattler-Zeitung.)

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