Titel: Ueber W. Weldon's Verfahren der Chlorfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 203/Miszelle 7 (S. 501)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj203/mi203mi06_7

Ueber W. Weldon's Verfahren der Chlorfabrication.

W. Weldon hat bezüglich seines Verfahrens der Chlorfabrication mittelst fortwährend regenerirten Mangansuperoxydes – beschrieben im polytechn. Journal Bd. CXCVIII S. 227 und Bd. CXCIX S. 272 – im vorigen Jahre auf eine sehr vortheilhafte Abänderung hingewiesen. Diese Modification (mitgetheilt im polytechn. Journal Bd. CCI S. 354) besteht darin, daß man das Manganchlorür, statt durch Kalk, durch Magnesia zersetzt, das hierbei entstandene Chlormagnesium nachher erhitzt, so daß es wieder Magnesia und Salzsäure liefert, und aus dieser Salzsäure das Chlor gewinnt und dieselbe Magnesia continuirlich immer wieder benutzt. In den Chemical News vom 15. December 1871 und mehreren nachfolgenden Nummern hat Weldon über diese neue Form seines Processes folgendes Circular veröffentlicht:

„Obschon die Entwickelung des Processes zur Bereitung von Chlor mit Hülfe von durch Magnesia regenerirten Manganoxyden durch ein ernstliches Unwohlseyn meinerseits sehr aufgehalten worden ist, bin ich nichtsdestoweniger in der Lage, ankündigen zu können, daß dieser Proceß in einer gewissen modificirten Form, welche er jetzt angenommen hat, sich als tauglich erwiesen hat, sogar noch vortheilhaftere Resultate zu liefern, als ich früher für denselben in Anspruch genommen habe. Es wird nothwendig noch einige Zeit dauern, bis ich im Stande seyn werde, die Details der praktischen Versuche zu veröffentlichen. Einstweilen mache ich Folgendes bekannt:

1) Die neue Form des Processes liefert in praktischer Weise alles in dem zu zersetzenden Kochsalz enthaltene Chlor, welches ungefähr einer Tonne Chlorkalk auf je vierzehn Centner Kochsalz entspricht, im freien Zustande.

2) So viel von diesem Chlor, als hinreichend ist, um eine Tonne Chlorkalk auf je ungefähr dreißig Tonnen Kochsalz zu liefern, erhält man ganz unverdünnt, so daß es zur Fabrication von Chlorkalk in den jetzt gebräuchlichen Kammern benutzt werden kann. Dieser Theil des Chlors wird in den gewöhnlichen Blasen entwickelt und ist genau in demselben Zustande, wie das durch meinen Proceß, wie er jetzt ausgeführt wird, producirte oder wie das mittelst Braunstein entwickelte Chlor.

3) Der übrige Theil des Chlors ist verdünnt, aber nicht mehr, als das durch irgend einen Proceß, der nur verdünntes Chlor liefert, producirte Chlor und frei von Kohlensäure; das einzige Verdünnungsmittel ist nämlich Stickstoffgas.

4) Der Proceß wird in seiner neuen Gestalt ohne Gebläse und ohne Maschinerie irgend welcher Art mittelst Vorrichtungen, welche in jeder Sodafabrik schon in Anwendung sind, ausgeführt; das einzige dabei angewendete Ding, welches irgend welche „bewegende Theile“ hat, ist eine gewöhnliche Laugenpumpe.

Die neue Form des Processes liefert also aus einer gegebenen Quantität Kochsalz mehr starkes Chlor, als bisher durch irgend einen anderen Proceß erlangt worden ist, und überdieß den Rest des Chlors in einem eben so guten Zustande, als das reichste Chlor, welches durch irgend einen nur verdünntes Chlor liefernden Proceß erlangt werden kann. Indem sie gestattet, daß die jetzige Production von Chlorkalk für eine gegebene Menge Kochsalz beinahe vervierfacht wird, ermöglicht sie zugleich, daß die Hälfte der vervierfachten Menge von Chlorkalk aus unverdünntem Chlor in den bisher angewendeten Kammern dargestellt, und die Hälfte des Chlors in den jetzt angewendeten Blasen entwickelt werden kann. Legt man die gesammten Kosten des Processes bloß auf das starke Chlor, so verspricht dasselbe dennoch per Tonne Chlorkalk wohlfeiler auszufallen, als jemals bisher, und die andere Hälfte des Chlors kostet dann gar nichts. Die für die neue Form des Processes erforderliche Einrichtung ist endlich so einfach und wohlfeil, daß die Kosten derselben bei einer irgend beträchtlichen Production den Betrag von 20 Pfd. Sterl. per Tonne wöchentlich fabricirten Chlorkalk wahrscheinlich nicht übersteigen werden.

Walter Weldon.“

Officies of Weldon's Chlorine Processes Company (Limited), 59, Lincoln's Inn Fields, London W. C.

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