Titel: Campe, über die die Fabrication von Blut- und Ei-Albumin.
Autor: Campe, Edmund
Fundstelle: 1872, Band 206, Nr. XVII. (S. 56–63)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/ar206017

XVII. Erfahrungen über die Fabrication von Blut- und Ei-Albumin; von Edmund Campe in Brünn.13)

1. Blut-Albumin.

Um ein möglichst helles Blut-Albumin zu gewinnen, ist bei dem Schlachten der Rinder und Schafe dem Auffangen des Blutes die größte Sorgfalt zuzuwenden. Eine Hauptbedingung ist daher, das Local, wo man die Heber- und Siebschüsseln aufgestellt hat, möglichst nahe am Schlachthause zu haben. Dollfuß-Galline behauptet zwar,14) daß man das geronnene Blut sogar eine halbe Stunde weit, ohne Gefahr für das Product transportiren könne; ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, daß, je kürzer der Weg zum Arbeitslocal und je schneller man das Blut, in Würfel zerschnitten, auf die Siebe bringt, desto heller und reiner auch das Serum abtropft.

Wenn man es haben kann, soll man unmittelbar neben dem Schlachthause oder in demselben das Serum abziehen und das Blut nicht länger als 1/2–1 Stunde nach dem Auffangen desselben auf die Siebe bringen. Ein weiteres Transportiren des Blutes gibt stets ein röthlichgefärbtes Serum und in Folge dessen auch mehr oder weniger dunkelgefärbtes Albumin. Im Sommer zeigen sich diese Uebelstände ganz besonders, da durch die Wärme das Blut viel weniger leicht gerinnt.

Nachdem man nun das frischgestockte Blut in Würfel zerschnitten, circa 1 Zoll lang und 1 Zoll breit, bringt man es auf die Siebe und läßt hierauf 40–48 Stunden lang das Serum abtropfen. Anfangs tropft dasselbe mit Blutkügelchen roth hindurch, jedoch schon nach einer Stunde geht es vollkommen rein, und zwar je nach der Race der Ochsen entweder tief goldgelb (ungarische und galizische Ochsen) oder hell weingelb. Nach Verlauf von 40–48 Stunden zieht man von den Heberschüsseln das Serum klar ab, wobei man die Vorsicht anwenden muß, daß von dem am Boden befindlichen rothen Blutfarbstoff nichts mit abläuft. Um dieß zu vermeiden, habe ich meine Heberschüsseln am Boden etwas gewölbt herstellen lassen, um einen tiefen Punkt zu bekommen, |57| und habe den Einsatz, worin der Kork für das Heberrohr sitzt, circa 1/8 Zoll über dem inneren Boden einlöthen lassen.

An Ausbeute erhielt ich circa 25–30 Proc. Serum; meine Blutschüsseln hielten circa 16–18 Pfd. Blut und gaben 4–4 1/2, auch 5 Pfd. Serum.

Nachdem alle Schüsseln abgezogen sind, schüttet man das gesammte Serum in aus weichem Holz angefertigte Kübel von 3–4 Centner Inhalt. Dieß richtet sich natürlich nach dem zu Gebot stehenden Serum; die Kübel, welche oben weiter als unten sind, bohre man 2–3 Zoll vom Boden an, und stecke Holzhähne hinein. Es kommt nun für die weitere Verarbeitung des so gewonnenen Serums darauf an, ob man Natur-Albumin, d.h. ohne Glanz, oder sogenanntes Patent-Albumin, d.h. mit Glanz, erzielen will.

Um Natur-Albumin zu fabriciren, hat man nur nöthig, auf je einen Centner Serum 1/4 Pfd. Terpenthinöl eine Stunde lang darunter zu peitschen. Ich habe dazu ein an einem Stabe befestigtes kreisrundes Bret von ca. 1 Fuß Durchmesser, welches mit Löchern durchbohrt ist, angewendet. Meiner Ansicht und Erfahrung nach hat der Zusatz von Terpenthinöl zweierlei, ich möchte fast sagen, dreierlei Wirkung:

1) durch das Peitschen mit Luft entwickelt sich Ozon, welches hierbei bleichend auf das Serum wirkt; 2) wirkt der Zusatz conservirend auf das Serum und 3) auch klärend. Das Serum habe ich dann ca. 24–36 Stunden ruhig bedeckt stehen lassen; es scheidet sich an der Oberfläche das Terpenthinöl, gemengt mit einem schmierigen grünlich weißen Fette aus; hierauf wird durch den 2 Zoll über dem Boden angebrachten Holzhahn das so abgeklärte Serum abgezogen. Die zuerst ablaufende halbe Maaß nehme man weg, da dieser Theil immer etwas trüb ist; das übrige Serum bringt man nach dem Abziehen sofort in die Trockenstube zum Eintrocknen. Hierzu verwendete ich gepreßte, mit Oelfarbe und Lack überzogene und eingebrannte eiserne Tassen, ca. 12 Zoll lang, 6 Zoll breit und 3/4 Zoll tief. Die Temperatur der Trockenstube soll, wenn man eingießen läßt, immer etwa 40° R. betragen; ist Alles auf den Tassen, so habe ich die Temperatur schnell auf 42–44° R. steigen lassen und diese Temperatur 2 Stunden, ohne ein Dunstventil zu öffnen, erhalten. Nach dieser Zeit öffne man alle Dunstventile und lasse die Temperatur auf 38–40° R. zurückgehen, bei welcher auch bis zum Ende geblieben wird. Hier und da öffne man die Dunstventile, um die feuchte Luft durch trockene zu ersetzen. In 30–36 Stunden bekam ich in der Regel das Zimmer trocken. Um einen schnellen Luftwechsel zu erzielen, habe ich in dem Mauerwerk am Fußboden Lufteinströmungen angebracht; |58| die Ausströmungen sind natürlich an der Decke und münden über das Dach. In jedem Zimmer waren deren vier Stück aus 12zölligen Eisenrohren; Zinkrohre dürften, da sie weniger rosten, vielleicht noch zweckmäßiger dazu seyn.

Um aus dem Serum das sogen. Patent-Albumin mit schönem Glanz zu erzeugen, nahm ich pro 1 Ctr. Serum 6 2/3 Quentchen engl. Schwefelsäure, 12 1/2 Loth conc. Essigsäure von 1,040, mischte beide zusammen, und nachdem die Mischung eine Stunde gestanden, wurde sie mit ca. 6 Pfd. Wasser verdünnt und unter Umrühren in ganz schwachem Strahle in das Serum eingerührt; hierauf wurde noch pro 1 Ctr. Serum 1/4 Pfd. Terpenthinöl zugegeben und dann 1–1 1/2 Stunden fleißig gepeitscht. Nach vielen Versuchen bewies sich mir dieses Säureverhältniß am entsprechendsten. Durch den Säurezusatz verändert das Serum in wenig Minuten seine Farbe, selbst schwach röthlich gefärbtes Serum wurde farblos und gab noch helles Product. Nachdem das so behandelte Serum ebenfalls 24–36 Stunden der Ruhe überlassen geblieben, wird es wie früher abgezogen, jedoch vor dem Einsetzen in das Trockenzimmer mit Ammoniak bis zur schwach alkalischen Reaction versetzt, um jede Spur freier Säure zu entfernen.

Dieses Product besitzt nach dem Trocknen ein schönes Ansehen, indem es eine glänzende spiegelglatte Oberfläche zeigt, blond von Farbe ist, und wenn vorsichtig getrocknet, läßt dessen Löslichkeit in Wasser nichts zu wünschen übrig.

Was die Ausbeute anbelangt, so erhält man aus 10 Ctr. Serum 1 Ctr. trockenes Blut-Albumin. Damit das fertige Albumin sich leicht von den Tassen ablöst, lasse ich dieselben mit warmgemachtem Rindstalg abreiben.

Wir haben bis jetzt dem Blute nur einen Theil seines Eiweißgehaltes zur Fabrication des sogen. Prima-Blut-Albumins entzogen, und kommen nun zur Darstellung des Secunda- und Tertia-Blut-Albumins.

Die zweite Sorte ist mehr ein Fabricat des Zufalles, da man hierzu nur das Serum derjenigen Schüsseln verwenden kann, welche durch irgend welche Umstände ein rothgefärbtes Serum geschwitzt haben; auch nahm ich hierzu die letzten blaß rothgefärbten Flüssigkeiten bei dem Abziehen des Serums zu Prima-Waare.

Die Behandlung zu Secunda ist dieselbe, wie die zu Prima angegebene; man nennt das Versetzen mit Säure und Terpenthinöl das „Raffiniren“ des Serums.

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Es kommt aber hinsichtlich der Rentabilität der ganzen Fabrication sehr darauf an, das Blut vollkommen auszunutzen, und erzeugt man als letztes Albumin-Product das sogen. Tertia-Albumin, welches in den Zuckerraffinerien in bedeutenden Mengen verwendet wird. Von Schweden gingen mir Aufträge bis zu 100 Ctr. zu.

Das auf den Sieben zurückgebliebene Blut in Würfelform kommt in ein Faß mit doppeltem Boden, wovon der eine ca. 8–12 Zoll vom unteren entfernt und mit 1/2zölligen Löchern ausgebohrt ist; auf die Blutwürfel schütte man hinreichend Wasser, nehme auch hierzu alle Reste von der Gewinnung des Serums Nr. 1, d.h. den rothen Schlamm welcher in den Heberschüsseln abgesetzt ist, und arbeite es tüchtig mit den Händen durcheinander. Die zwischen den Böden sich ansammelnde Flüssigkeit mache man mit wenig Ammoniak schwach alkalisch und bringe sie in die Trockenstube. Dieses Product glänzt ebenfalls und ist das sogen. Tertia-Albumin.

Das im Fasse zurückgebliebene Blut habe ich dann zwischen zwei ineinandergreifenden Stachelwalzen passiren lassen, um einen gleichmäßigen Brei daraus zu bekommen, und in einem etagenförmig gebauten Trockenofen bei ca. 50–60° R. ausgetrocknet. Verwendet werden hierzu 2 Fuß lange und 1 Fuß breite Eisenblechschüsseln, welche ca. 1 1/2 Zoll tief sind. Die Verwendung des Productes ist eine ziemlich ausgedehnte und wurden mir pro Centner 7–8 fl. bewilligt.

Wir haben jedoch neben der Albuminfabrik noch eine ausgedehnte Dünger-Erzeugung, und um diese Blutrückstände noch besser zu verwerthen, ließ ich sie mit menschlichen festen Excrementen und Knoppernmehl in Ziegelform schlagen, an der Luft abtrocknen und schließlich auf der Poudrettemühle zu Pulver mahlen. Ich nannte das Product „Blutpoudrette“ und erzielte dadurch einen recht guten Dünger mit ca. 6 Proc. Stickstoffgehalt, der sich für Gramineen und Leguminosen von vorzüglicher Wirkung zeigte.

Das ausgewässerte und getrocknete Blut zeigte nach Untersuchungen von Stöckhardt, Reichardt, Wolf und Kohlrausch einen Stickstoffgehalt von 9 1/2–12 Proc. und 1 Proc. Phosphorsäure.

2. Ei-Albumin.

Bei heutigem geringem Consum und billigem Preise des Ei-Albumins wundere ich mich wirklich, daß noch Fabrikanten dasselbe erzeugen. Eine Hauptbedingung ist hierbei, daß man sich den Absatz der frischen Dotter an Lederfärbereien, Handschuhfabriken etc. sichert. Durch die übermäßige Concurrenz der polnischen Juden ist jedoch auch der Dotterpreis auf ca. |60| 20–24 fl. per Centner, frei Dresden, herabgedrückt, so daß bei dieser Fabrication jetzt kaum das Salz zum Brod verdient wird.

Die Trennung des Dotters vom Eiweiß muß unbedingt sehr gewissenhaft vorgenommen werden; auch sehe man darauf, den sogen. Hahnentritt mit in das Eiweiß zu bekommen, da sonst einestheils viel Eiweiß verloren geht, anderntheils der Dotter durch das anhängende Eiweiß viel schneller dem Verderben unterliegt. Ein Schock (60 Stück) Eier sollen, wenn vorsichtig ausgeschlagen, 2 1/2–2 5/8 Pfd. Wiener Gew. an Eiweiß geben; hiesige große Landeier aus den Monaten April und Mai gaben mir wohl auch 2 3/4 Pfd. Eiweiß und 1 7/8 Pfd. Dotter. Um das Eiweiß von anhängenden Dottertheilchen vollkommen zu befreien, wurden, wie bei der Blut-Albumin Fabrication, Kübel von ca. 3 Ctr. Inhalt verwendet und ebenfalls ca. 3 Zoll über dem Boden mit Holzhahn versehen. Auf jeden Centner Eiweiß nahm ich 1/4 Pfd. concentrirter Essigsäure und 1/4 Pfd. Terpenthinöl, und ließ so lange peitschen, bis das Eiweiß ganz wässerig geworden war; dann blieb dasselbe 24–36 Stunden der Ruhe überlassen, nach welcher Zeit an der Oberfläche der Dotter ausgeschieden und das Eiweiß vollkommen klar erschien; dasselbe wurde dann vorsichtig durch den Hahn in schwachem Strahl abgezogen, mit Ammoniak schwach alkalisch gemacht und in das Trockenzimmer gebracht. Zum Eintrocknen verwendete ich gepreßte Tassen aus Zinkblech, ca. 12 Zoll lang und 6 Zoll breit, mit gutem Baumöl (Provenceröl) abgerieben. Die Temperatur wurde wie beim Blut-Albumin regulirt.

England, als Hauptconsument des auf dem Continent erzeugten Ei-Albumins, capricirt sich darauf, nur Albumin in großen compacten Stücken zu nehmen. Man muß daher dem Trocknen des Ei-Albumins große Sorgfalt widmen, und sobald dasselbe auf den Tassen soweit trocken ist, daß es sich als ganze Tafel von der Tasse abziehen läßt, es aus der Trockenstube entfernen, auf ca. 3 Fuß lange und 2 Fuß breite Leinwandhorden bringen und bei gewöhnlicher Zimmertemperatur vollständig austrocknen lassen. Auf diese Art bekommt man fast nur große schöne Stücke. Das auf diese Weise gewonnene Eiweiß ist das sogen. Prima-Ei-Albumin, und gewinnt man aus den in den Decantirbottichen zurückbleibenden Resten noch eine sogen. Secunda, zu welchem Zweck man dieselben mit Wasser nebst wenig Essigsäure und Terpenthinöl nochmals extrahirt. Die Bottiche für die Secunda müssen aber anders montirt seyn, da in Folge veränderten specifischen Gewichtes des Eiweißes sich der ganze Schlamm und Schmutz – entgegengesetzt bei reinem Eiweiß – am Boden der Gefäße ablagert. Man muß daher diese Kübel mit mehreren Hähnen versehen, um von oben herab die |61| reine Flüssigkeit abziehen zu können; nach dem Abziehen wird ebenfalls schwach mit Ammoniak alkalisirt. Der in den Fässern übrigbleibende Schlamm – Dotter und Hahnentritt – kommt in den Dünger.

Ich habe vorigen Sommer den Versuch gemacht, Eiweiß, bereits vom Dotter getrennt, aus Galizien zu beziehen, dabei aber schlimme Erfahrungen gemacht, indem ich nicht im Stande war, dasselbe rein zu bekommen; es opalisirte und blieb trotz aller angewendeten Hülfsmittel milchig; jedenfalls war die Zersetzung schon so weit vorgeschritten, daß sich etwas Schwefel als ganz frei suspendirter Niederschlag ausgeschieden hatte, der durch keine Filtration zu entfernen war.

Ein Versuch, statt mit Essigsäure, mit Ammoniak zu behandeln, gab wohl ein schön aussehendes Fabricat, doch ließ dasselbe nach Aussage mir befreundeter Consumenten, in der Löslichkeit zu wünschen übrig.

Gleiche Calamitäten hatte ich auch mit in Kalkwasser aufbewahrten galizischen Eiern durchzumachen. Die Dotter waren wässerig, äußerst schwer vom Eiweiß zu trennen, und in den Klärbottichen war das Eiweiß sehr schwer vom Dotter zu befreien. Ich habe derartige Kalk-Eiweiße, ehe eine Klärung halbwegs eintrat, bis zu drei Wochen stehen lassen, und kam noch am Besten weg, wenn ich den Zusatz von Essigsäure ganz wegließ und nur Terpenthinöl anwendete; nahm ich Essigsäure zum Raffiniren, so bekam ich bei Kalk-Eiweiß wohl klare Flüssigkeiten, sobald ich aber mit Ammoniak abstumpfte, gab das Eiweiß im Verlauf einer halben Stunde einen so starken Niederschlag, daß die Flüssigkeit ganz molkig und trübe wurde und nochmals einen Tag zum Absetzen bei Seite gestellt werden mußte; das fertige Product aus den Kalkeiern hatte jedoch nie die Reinheit wie frische Eier, war auch immer röthlichgelb gefärbt, während die Fabrication aus frischen Eiern alle diese Uebelstände vermeiden läßt.

Eine Hauptbedingung bei der ganzen Ei-Albumin-Fabrication ist, die Dotter zu möglichst gutem Preise anzubringen. Durch den Kleinverkauf zu Küchenzwecken ist der Verbrauch ein gar zu beschränkter; es bleibt daher nur der größere Absatz an Gerbereien und Lederfabriken. Ich habe pro Woche ca. 40 Ctr. frische conservirte Dotter nach Deutschland und England abgegeben und viele Versuche behufs Erzielung der guten Haltbarkeit vorgenommen.

Carbolsäure schrieb mir ein Theil meiner Abnehmer vor, andere stießen sich wieder an dem Geruch, den das Leder davon annehmen solle. Unterschwefligsaures, auch unterschwefelsaures Natron erwiesen sich auch als nicht genügend; ja die Gerber wie Lederfärber klagten, daß das Leder Flecke bekomme und der Dotter grün werde.

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Als bestes Mittel, mit dem ich dann keine Anstände mehr hatte, diente mir das in Glycerin gelöste arsensaure Natron, von dem ich ca. 2 Proc. zusetzte und außerdem 12 Proc. Kochsalz. Gut ist es jedenfalls, die Dotter zu einem gleichmäßigen Brei zu zerpeitschen, dann durch ein weitmaschiges Sieb zu gießen, welches ähnlich den Mehlsieben, nach unten verjüngt zuläuft, da man hierbei noch den sogen. Hahnentritt zurückhält, der meinen Erfahrungen nach den ersten Anlaß zum Verderben der Dotter gibt.

Zu einem Centner trockenen Prima-Ei-Albumin braucht man circa 215 Schock Eier;

diese kosten zu einem Gulden pro Schock im Sommer
gerechnet 213 fl.,
hiervon gewonnen 2 Ctr. Dotter à 26 fl. 52 fl.,
–––––
sohin bleiben zur Darstellung für 1 Ctr. trockenes Eiweiß 161 fl.

Da dermalen für das Zollpfund 1 Thaler von den Consumenten angelegt wird, so entspräche dieß auf Zollgewicht reducirt einem Preise von österr. Währ. 143 fl. 64 kr. pro 1 Zoll-Ctr., und man müßte bei einem Brutto Verdienst von 22 fl. 16 kr. pro 1 Ctr. trockenen Ei-Albumins seine sämmtlichen Regiekosten decken. Ich frage nun, wo bleiben da die Löhne, Steuern, Zinsen, Feuerung etc.? Jedes andere Geschäft, welches kaum 25 Proc. des flüssigen Capitales wie die Albuminfabrication beansprucht, gibt jetzt bessere Rente; zumal der Einkauf an Eiern nur ein Cassa-Artikel ist und Sendungen aus weiter Entfernung immer mit viel Bruch und Verlust verbunden sind. Ich habe Sendungen von 10,000 Schock gehabt, wo mir auf der Bahnstrecke Tarnow-Brünn bis zu 10 und 20 Schock an einem Faß zum Fehlen kamen.

Hat man daher Städte, wo man das nöthige Quantum Blut, im Mindesten tägliches Blut von 100 Ochsen zur Verfügung hat, so würde ich einem Jeden rathen, nur auf Blut-Albumin zu arbeiten, zumal der Verbrauch hiervon eher im Steigen, dagegen das Ei-Albumin bedeutend in der Abnahme begriffen ist.

Ein sehr schönes Blut-Albumin gibt das Serum der Pferde, das hellste jedoch das der Schaafe. Im Uebrigen stehe ich einem Jeden mit meinen Erfahrungen gern zu Diensten.

Schließlich will ich eine kleine Betriebs-Uebersicht geben, und die Verhältnisse für hundert Ochsen, von denen man täglich das Blut hätte, annehmen. 100 Ochsen = 200 Schüsseln Blut ca. 32 Ctr. Blut, geben ca. 800 Pfd. Serum zu Nr. 1 (Prima-) Blut-Albumin = 80 Pfd. trockenes Albumin. Nachdem die Tertia ausgewaschen, welche ich ganz aus der Calculation lassen will, bleiben nach dem Trocknen des Blutes |63| 6–7 Ctr. trockenes Blut übrig, und stellt sich demnach die rohe Berechnung:

Ausgabe: an Blut per Tag 200 Schüsseln à 10 fl. 20 fl.
Einnahme: für 80 Pfd. Prima-Albumin à 60 fl. 48 fl.
„ 600 Pfd. trockenes Blut à 6 fl. 36 fl.

Zur Deckung der Regie-Spesen bleiben demnach ca. 64 fl. übrig, mit denen man bei wenig Personal und geringer Capitalsanlage recht gut auskommt.

Aus Wittstein's Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, vom Verfasser mitgetheilt.

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In seiner Anleitung zur Fabrication des Blut-Albumins, mitgetheilt im polytechn. Journal, 1869, Bd. CXCIII S. 245.

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