Titel: Vaes, System zum Gegensprechen mit Morse- und Hughes'schen Apparaten.
Autor: Vaes, J. F.
Fundstelle: 1872, Band 206, Nr. XXXIII. (S. 109–114)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/ar206033

XXXIII. System zum Gegensprechen mit Morse- und Hughes'schen Apparaten, wobei keine Veränderung in dem Widerstand der Leitung eintritt; von J. F. Vaes, Telegraphenbeamter in Rotterdam.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Der Grund, warum sich das Gegensprechen bis jetzt in der Telegraphie keine Bahn brechen konnte, ist darin zu finden, daß die vielen zu diesem Zwecke angegebenen Systeme den Mangel haben, daß der Widerstand der Ketten in den verschiedenen telegraphischen Momenten immer variirt, wodurch die Regulirung der Apparate schon auf sehr kurzen Linien äußerst schwer wird, und eine geringe Abänderung in dem |110| Leitungswiderstand der Linie genügt um das Arbeiten ganz unmöglich zu machen.

Ich habe diesen Uebelstand beseitigt und dadurch das Gegensprechen auf Linien von beliebiger Länge mit Morse- und Typendruck-Apparaten ermöglicht.

Nachdem ich in der zweiten Hälfte des Jahres 1868 mein System einer Prüfung auf einer oberirdischen Linie von etwa 300 Kilometer unterworfen hatte, und die Resultate vollkommen der Erwartung entsprachen, brachte ich dasselbe im Anfang des Jahres 1869 mittelst einer Brochüre zur Kenntniß der Hauptdirection der niederländischen Telegraphen.

Unzweifelhaft muß die Einführung eines solchen Systemes, welches auch der Einfachheit wegen, den Forderungen der Praxis in allen Theilen entspricht, große Ersparnisse von Kosten zur Folge haben, und überhaupt in Störungsfällen außerordentliche Dienste leisten.

a. Gegensprechen mit Morse-Apparaten.

Um bei der Anwendung von Morse-Apparaten einen stets unveränderlichen Widerstand zu behalten, habe ich den Taster so eingerichtet, daß kein Schweben während dem Uebergang vom Ruhecontact zum Arbeitscontact stattfindet, d.h. der Ruhezustand des Tasters wird erst dann aufgehoben, wenn die Batterie mit der Linie in Verbindung tritt.

Auf einer Verlängerung der Hinterseite des Tasterhebels, Fig. 12, befindet sich ein Contactstift a; wird der Tasterhebel niedergedrückt, so hebt dieser Stift einen Hebel b, c, welcher bei c um eine horizontale Achse drehbar ist. In der Mitte dieses Hebels b, c ist ein Contactpunkt d eingeschraubt, welcher im Ruhezustand mittelst einer Feder f, g fest auf den Contact e gedrückt wird.

Es ist klar, daß bei einer solchen Einrichtung durch das Niederdrücken des Tasterhebels die Linie nie unterbrochen wird, da der Contact zwischen d und e erst dann aufgehoben wird, wenn a mit b in Berührung kommt.

Die Stellschrauben b und h dienen dazu, den Abstand zwischen a und b mit der Schlagweite des Tasterhebels in Uebereinstimmung bringen zu können.

Der Stromlauf.

Dieser ist, wie Fig. 13 solches zeigt, äußerst einfach. Wird der Tasterhebel niedergedrückt, und geht der Strom vom Tasterhebel über b, c nach I; hier verzweigt er sich; der eine Theil geht durch die eine Relaiswindung |111| in die Linie L, der andere Theil aber, und zwar in entgegengesetzter Richtung, durch die zweite Relaiswindung und einen Rheostaten W zur Erde. Der Widerstand im Rheostaten entspricht dem Widerstand der Linie und einer Relaiswindung. Hieraus folgt, daß der Relaishebel durch den abgehenden Strom nicht in Bewegung kommt.

Wird aber ein Strom von der correspondirenden Station empfangen, so geht dieser bloß durch die eine Relaiswindung nach I und findet von hier aus entweder über d und e oder über b und a seinen Weg zur Erde.

Geht er über b und a, also wenn der Tasterhebel niedergedrückt ist, so hat er den Widerstand der Batterie zu überwinden, während er über d und e, das ist wenn der Tasterhebel in Ruhe ist, solchen nicht findet. Obgleich der Widerstand der Batterie im Allgemeinen außer Betracht bleiben kann, ist doch diese Widerstandsdifferenz dadurch zu beseitigen, daß man bei k zwischen dem Contact e und der Erde einen Widerstand einschaltet, welcher mit dem Widerstand der Batterie übereinstimmt.

Da der empfangene Strom nur die eine Relaiswindung durchläuft, wird der Relaishebel gegen den Arbeitscontact angelegt, und werden seine Bewegungen mittelst einer Localbatterie in gewöhnlicher Weise auf den Schreibapparat übertragen.

Richtet man die Verbindungen auf oben erwähnte Weise ein, so ist man immer im Stande das Gegensprechen ohne vorhergehende Regulirung zu beginnen, wenn das einfache Arbeiten für die Correspondenz nicht mehr genügt.

Schließlich ist noch zu bemerken, daß die Erfahrung gelehrt hat, daß die Einrichtung des Tasters, selbst bei ziemlich starkem Druck der Feder f, g auf den Hebel b, c die Bewegung des Tasters durchaus nicht hindert.

b. Gegensprechen mit Hughes'schen Apparaten.

Zum Gegensprechen mit diesen Apparaten braucht man deren zwei auf jeder Station. Der eine A dient zur Absendung, der andere B zum Empfangen der Depeschen (Fig. 14).

Beiden Apparaten sind, außer den gewöhnlichen Drahtklemmen, noch zwei andere W und K hinzugefügt, während ein Rheostat w, wovon der Widerstand dem der Drahtwindung des Elektromagnetes entspricht, bei beiden Apparaten zwischen Anker und Umschalter eingeschaltet werden kann.

Die Klemmen K dienen, um beim Gegensprechen die Apparatkörper mit einander in leitende Verbindung zu setzen.

|112|

Der Elektromagnet des Empfangapparates B hat eine doppelte Drahtwindung; die Enden dieser Windungen, welche der Deutlichkeit wegen als auf zwei hintereinander stehende Bobinen gewickelt vorgestellt sind, stehen resp. in Verbindung mit den Umschaltern v und v'.

Die Feder des Correctionsdaumens c' besteht aus zwei von einander isolirten Theilen m und m' welche ebenfalls resp. mit den Umschaltern v und v' verbunden sind.

Die Löcher c, c des Umschalters v sind in Uebereinstimmung mit dem Batteriepol gestöpselt, dagegen stehen die Stöpsel vom Umschalter v' in z, z.

Wenn der obere Schlittenarm des Absendungsapparates A durch einen Contactstift gehoben ist, so fällt er beim Verlassen dieses Stiftes plötzlich nieder; der Contact mit dem Stifte ist aber schon unterbrochen ehe die Verbindung der beiden Schlittenarme eintritt; dadurch würde eine sey es auch sehr kurze Unterbrechung der Leitung eintreten. Um diesem vorzubeugen muß die Hinterseite des Stahlstückes abgerundet werden, damit das Niederfallen allmählich stattfindet und der Contact mit dem Stifte erst dann aufhört, wenn die Schlittenarme mit einander in Verbindung treten.

Die Linie ist an der Klemme L des Apparates B verbunden, während ein Rheostat R, wovon der Widerstand dem der Linie und einer Elektromagnetwindung entspricht, zwischen den Drahtklemmen L und E des Absendungsapparates eingeschaltet ist.

Der Stromlauf.

Soll nun eine Depesche mittelst des Apparates A abgesandt werden, so findet Folgendes statt: der Strom der Batterie geht über den Schlitten zum Apparatkörper; hier findet er zwei Wege. Der eine führt ihn über den Correctionsdaumen c nach dem Umschalter, weiter durch die Windungen des Elektromagnetes (von A) zurück zum Umschalter und durch den Rheostat R zur Erdplatte.

Der andere Weg führt über der Klemme K zum Körper des Empfangapparates B. Bei dem Correctionsdaumen c' verzweigt sich der Strom zum zweiten Male; der eine Theil geht über die Feder m, den Umschalter v und durch die Drahtwindung M in die Linie; der andere Theil läuft über die Feder m' zum Umschalter v'; von hier circulirt er durch die Drahtwindung M' und findet seinen Weg durch den Rheostat R' zur Erde.

Da von den Umschaltern v und v' resp. die Löcher c, c und z, z gestöpselt worden sind, so gehen die Stromtheile in entgegengesetzter Richtung |113| durch die Windungen M und M', woraus hervorgeht daß ihre Wirkungen einander aufheben, und der Anker von B nicht durch den abgehenden Strom abgestoßen wird, während die Depesche auf dem Papierstreifen von A abgedruckt wird.

Ein von der correspondirenden Station ankommender Strom kommt, da diese den Kupferpol der Batterie mit der Erde verbunden haben muß, nach der gewöhnlichen Vorstellung aus der Erde und geht wenn der Schlittenarm von A nicht gehoben ist, direct zum Körper dieses Apparates; von hier läuft er über die Klemmen K, K nach dem Correctionsdaumen c' des Empfangapparates B, und weiter über die Feder m, durch den Umschalter v und die Windungen von M in die Linie.

Ist der Schlittenarm von A gehoben, so muß der Strom, um zu diesem Apparate gelangen zu können, durch die Batterie gehen, wovon er den Widerstand zu überwinden hat, welcher im Allgemeinen außer Betracht bleiben kann; will man indessen die dadurch entstehende Widerstandsdifferenz beseitigen, so ist nur bei k in der Erdleitung ein Widerstand einzuschalten, welcher dem der Batterie gleich ist.

Dieser Strom circulirt also bloß durch die eine Drahtwindung M, und bewirkt daß der Anker abgestoßen und dadurch die Depesche auf dem Papierstreifen abgedruckt wird.

Wenn die Anker der Apparate abgestoßen sind, geht der Strom nicht mehr durch die Windungen der Elektromagnete, sondern über die Auslösehebel direct in die Linie, resp. zur Erde; die eingeschalteten Widerstandsrollen w bewirken aber daß der Widerstand, welchen er zu überwinden hat, derselbe bleibt, und folglich in den verschiedenen telegraphischen Momenten keine Abänderung im Leistungswiderstande hervorgerufen wird.

Durch diese Einrichtung kann also auf A eine Depesche abgesandt werden, während auf B eine andere empfangen wird, woraus hervorgeht, daß auf einem und demselben Leitungsdrahte eine zweimal größere Anzahl Depeschen vermittelt werden kann, wie in einem gleichen Zeitraum mit der gewöhnlichen Einschaltungsweise der Fall ist.

Will man beide Apparate unabhängig von einander jeden mit einer Linie verbinden, so tritt die zweite Linie an die Stelle des Rheostaten R, welcher isolirt wird; ferner wird die Verbindung vom Apparate B mit der Erde hergestellt, und der Umschalter v' durch Herausnehmen der Stöpsel und einer der Klemmen K isolirt, während die Widerstandsrollen w durch einen Stöpsel ausgeschaltet werden.

|114|

Auch auf submarinen Linien läßt sich vorstehendes System benutzen; dabei tritt aber ein Kabelrelais mit entsprechendem Widerstande an die Stelle des Rheostaten.

Rotterdam, im August 1872.

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