Titel: Ueber rotirende Wasserhaltungsmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206, Nr. XLVI. (S. 168–170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/ar206046

XLVI. Ueber rotirende Wasserhaltungsmaschinen.

Als eine Mustermaschine kann die rotirende Woolf'sche Wasserhaltungsmaschine des Bleiberges bei Aachen angesehen werden. Es finden sich darüber im „Glückauf“ folgende Daten:

Die Bleiberger Wasserhaltung hat ihre besondere Kesselanlage. Das Kesselhaus ist ähnlich wie auf Präsident bei Bochum und auf Zeche Wasserschneppe bei Heisingen ausgeführt. Der Schürraum ist überdacht, der übrige Theil der Kessel ist zur Verhütung der Abkühlung mit Ziegelsteinen überwölbt. In der Nähe der Maschine liegen acht Cornwall-Dampfkessel, jeder mit zwei Feuerrohren und einem darunter befindlichen Siederohre. An den Heizthüren befindet sich eine Vorrichtung, welche nicht gestattet dieselben zu öffnen, bevor der Zugschieber geschlossen ist, damit beim Auswerfen der Kohlen nicht zu viel kalte Luft einströmen kann. Die Kessel haben 2 Meter Durchmesser bei 8 1/2 Meter Länge. Die beiden Feuerrohre, sowie das untenliegende Vorwärmrohr haben einen Durchmesser von 750 Millimeter. Die Spannung, mit welcher die Maschine arbeitet, beträgt 4 Atmosphären Ueberdruck; die Maschine |169| macht im Minimum 5000 Hübe in 24 Stunden oder in der Minute ungefähr 3 1/2 Hübe.

Das Maximum, welches mit der Maschine geleistet worden – wobei der Gang derselben, sowie der Pumpen ein ruhiger seyn soll, – waren 12000 Hübe in 24 Stunden, was für die Minute 8,333 Hübe macht. Die Maschine ist versuchsweise mit 10 Hüben pro Minute in Thätigkeit gewesen, dabei gerieth aber das Schachtgestänge in eine vibrirende Bewegung. Aus Furcht vor Brüchen hat man deßhalb von dieser Hubzahl Abstand genommen, obschon der Constructeur, Herr Kraft zu Seraing, 12 Hübe zu machen empfohlen hatte. Der Kohlenverbrauch betrug nach Angabe 1,75 Kilogram. pro Stunde und Pferd.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß es zweckmäßig ist, die Einströmung des Dampfes in den kleinen Cylinder erst dann erfolgen zu lassen, wenn der große Cylinderkolben 300 Millimeter vom Anfange des Hubes fortgeschritten ist. Der Abschluß des Dampfes erfolgt nach 7/10 des ganzen Hubes des kleinen Cylinders, wornach die noch fehlenden 3/10 mit Expansion arbeiten, bevor der Dampf dem großen Cylinder zugeführt wird. Der große Cylinder hat 2500 Millimet. Hub und 2000 Millimet. Durchmesser, der kleine 1250 Millimet. Hub bei 1600 Millimet. Durchmesser. Die Luftpumpe hat bei 1020 Millimet. Durchmesser denselben Hub, wie der kleine Cylinder.

Der große Cylinder steht über dem Schachtgestänge, an welchem die Cylinderstange befestigt ist. Unter den Cylindern liegt ein durchbrochener Balancier von Schmiedeeisen, welcher auf der Schachtseite mittelst Lenkerstangen mit dem Gestänge, den Cylindern und der Luftpumpe in Verbindung steht. Auf der entgegengesetzten Seite der Balancierachse befindet sich die Bleuelstange, welche mit der oben liegenden Schwungradachse und dem Krummzapfen verbunden ist. Das über die Bleuelstange hinausragende Ende des Balancier ist mit dem erforderlichen Gegengewicht versehen. Das Schachtgestänge, nur auf Zug construirt, ist so schwer belastet, daß die Wassersäule durch das Gewicht hinaufgedrückt wird.

Im Schachte befinden sich vier Drucksätze von 182 Meter Gesammtlänge bei 650 Millimet. Durchmesser. Außerdem ist unten im Schachte eine Saugpumpe von 820 Millimet. Durchmesser bei 60 Meter Länge, welche 3125 Millimet. Hub hat und durch einen einarmigen Hebel vom Schachtgestänge bewegt wird. Die von der Saugpumpe gehobenen überflüssigen Wässer, welche von den Druckpumpen nicht gehoben werden können, fließen anderen Wasserhaltungsmaschinen zu. Der Hub der Saugpumpe verhält sich zu dem der Druckpumpen wie 5 : 4. Die Wassersäule |170| der fünf Pumpen beträgt ungefähr 200000 Pfd., welche auf den großen Cylinder pro Quadratzoll 21 3/4 Pfd. Belastung ausüben.

Rotirende Maschinen sind in neuerer Zeit von verschiedenen Seiten mit gutem Erfolge angewandt worden. Eine solche ist z.B. von dem Maschinenfabrikanten Hoppe in Berlin für die Ferdinandgrube zu Kattowitz in Oberschlesien ausgeführt worden und schon seit mehreren Jahren in Thätigkeit. Sie weicht aber im Ganzen von der Bleiberger dadurch bedeutend ab, daß der große Cylinder doppelt so viel Hub als die Pumpenstange hat. Es ist eine Balanciermaschine; doch liegt der Balancier unter den Cylindern und dem Krummzapfen. Wenn rotirende Wasserhaltungsmaschinen gebaut werden sollen, so hat entschieden die Hoppe'sche Methode mit einem oder zwei Cylindern den Vorzug.

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