Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
LXXVI. Ueber die Wirksamkeit der Blitzableiter; von W. de Fonvielle.Aus den Comptes rendus, t. LXXV p. 831; October 1872.Von dem Minister des öffentlichen Unterrichtes mit dem Auftrage betraut, die Wirkungen der Gewitter in England zu studiren, gereicht es mir zur Befriedigung, der (französischen) Akademie anzuzeigen, daß die brittische Gesellschaft für wissenschaftlichen Fortschritt (British Association) die Wichtigkeit der Frage, welche durch die zahlreichen Unfälle in Folge des Blitzeinschlagens jenseits des Canales angeregt worden ist, erkannt hat. Eine Commission von sieben Mitgliedern, unter dem Vorsitz des Herrn James Glaisher vom Observatorium zu Greenwich, ist beauftragt worden, über die Mittel, die Wirksamkeit der Blitzableiter zu erhöhen und über alle diejenigen Fälle, in welchen sie mangelhaft erscheinen, Bericht zu erstatten. Die Commission hat ihre Arbeit sogleich begonnen und beschäftigt sich gegenwärtig mit der Redaction der Daten, welche ich demnächst der Akademie mittheilen werde. Da jedoch in diesem Augenblicke bedeutende Unglücksfälle die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Blitzableiter gelenkt haben, so erlaube ich mir in meinem eigenen Namen, der Akademie einige der Thatsachen, welche ich bei Gelegenheit unserer gemeinschaftlichen Arbeit in Erfahrung brachte, vorzulegen. Die Zahl der Unfälle, über welche wir im August 1873 Bericht zu erstatten haben, wird sehr beträchtlich seyn. In der Liste der vom Blitz getroffenen Gebäude figurirt bereits das Parlamentsgebäude, welches ungeachtet des großartigen Blitzableitersystemes, womit es ausgestattet war, im Juli 1870 vom Blitz getroffen wurde. Aber, anstatt das Vertrauen zu den Blitzableitern zu mindern, scheint dieser Vorfall vielmehr dazu bestimmt, dasselbe zu erhöhen; denn der Blitzschlag war nicht von dem geringsten Unfall begleitet, obgleich das Unwetter zu den heftigsten |272| Die Liste der Kirchen in der Provinz, welche sich im gleichen Falle befinden, würde zu lang ausfallen. Ich erlaube mir nur zwei Beispiele anzuführen. Der erste Fall, dessen ich bei einer früheren Gelegenheit bereits erwähnt habe,47) betrifft die Kirche bei Kersall in der Umgegend von Manchester; er erklärt sich aus der Anbringung der Gasleitung in der Nähe des Blitzableiters. Mehrere Einwohner von Manchester haben geglaubt, daraus den Schluß ziehen zu können, daß die Blitzableiter mehr Unheil als Gutes stiften. Der zweite Fall ereignete sich an der Kirche von Taunton in der Grafschaft Somerset. Der südwestliche Thurm war mit einem anscheinend in gutem Zustande befindlichen Blitzableiter versehen. Das Gebäude wurde jedoch an der südöstlichen Seite von einem Blitz getroffen, welcher große Verheerungen anrichtete. Dieser Umstand scheint darauf hinzuweisen, daß der durch einen Blitzableiter geschützte Raum ein Kegel sey, dessen Spitze mit der Spitze des Blitzableiters zusammenfällt und dessen Basis einen Durchmesser gleich der vierfachen Höhe hat. Die südwestliche Ecke der Kirche befand sich außerhalb dieses Beschützungskegels und konnte somit getroffen werden, wie wenn das Gebäude mit gar keinem Blitzableiter versehen gewesen wäre. – Dr. Mann, Secretär des Comité's für England, hat vor einigen Jahren eine populäre |273| Während des nämlichen Gewitters, im Mai 1868, bei welchem das Parlamentsgebäude getroffen wurde, schlug der Blitz in den Schornstein eines Privathauses zu Furze-Hill bei London. Der benachbarte Schornstein war mit einem guten Blitzableiter versehen, aber die Stange nicht lang genug, um den getroffenen Schornstein noch in den Bereich ihres Beschützungskegels zu ziehen. Das Haus war daher der zerstörenden Wirkung des Blitzes ausgesetzt, wie wenn es gar keinen Blitzableiter gehabt hätte. Diese Thatsachen beweisen die Nothwendigkeit ganz einfacher Vorsichtsmaßregeln, auf welche ich in einer anderen Mittheilung zurückkommen werde. |272|
Man sehe: Wilde, über den Einfluß von Gas- und Wasserleitungsröhren auf die Richtung des einschlagenden Blitzes, im polytechn. Journal Bd. CCIV S. 29 (erstes Aprilheft 1872). |
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