Titel: Short's mechanischer Webstuhl zum Weben von Stoffen in beliebiger Breite.
Autor: Short,
Fundstelle: 1872, Band 206, Nr. CXVII. (S. 431–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/ar206117

CXVII. Short's mechanischer Webstuhl zum Weben von Stoffen in beliebiger Breite.

Aus dem Scientific American, November 1872, S. 303.

Mit Abbildungen auf Tab. IX.

Der Webstuhl von James Short in New Brunswick, N. J., welcher am 16. Juli 1872 in den Vereinigten Staaten von Amerika patentirt wurde, ermöglicht die Anfertigung von Teppichen, Shawls, Tüchern oder gröberen Fabricaten von beliebigem Muster in jeder Breite, und verdient in Anbetracht seiner sinnreichen Construction und der ausgezeichneten Resultate welche durch ihn bereits erzielt worden sind, den hervorragenden Erfindungen auf dem Gebiete der neueren Weberei-Mechanik beigezählt zu werden. Als Beispiel seiner Leistungsfähigkeit führen wir nur an, daß er Bodenteppiche für mehr oder minder geräumige Zimmer in einem Stück und ohne Saum eben so wohlfeil und weit rascher liefert, als der seitherige Webstuhl Teppiche von gewöhnlicher Breite.

Fig. 1 stellt die Maschine in perspectivischer Ansicht dar. Der Mechanismus welcher die Lade A vor- und rückwärts bewegt, steht mit der rotirenden Welle B, Fig. 2, in Verbindung. Letztere enthält an ihrem äußersten Ende eine Kurbel C, deren Zapfen mittelst eines Gleitblockes in der diametralen Rinne eines großen Zahnrades gleitet. Der Mittelpunkt dieses Rades, welches seine Bewegung von der Haupttreibrolle herleitet, ist bezüglich der Achse der Welle B insofern excentrisch, als die Kurbel sich nicht geradezu bis zur Mitte des Zahnrades, sondern etwas darüber hinaus erstreckt. Die auf diese Weise auf die Welle B übertragene Rotation ist nicht gleichförmig, indem die Drehung der Kurbel C, wenn ihr Zapfen in der Rinne weiter außen sich befindet, bei gleichförmiger Drehung des Zahnrades weit rascher erfolgt, als wenn sie dem Centrum näher liegt. Die Welle B vollführt demnach einen Theil ihrer Rotation sehr rasch, den anderen Theil dagegen so langsam, daß sie beinahe still zu stehen scheint. In Folge dieser Anordnung gestaltet sich die Thätigkeit des Zwischenmechanismus so, daß die Lade A, um den Einschuß festzuschlagen, zuerst rasch vorwärts, dann rückwärts sich bewegt und schließlich ruhen bleibt, um für das Durchschießen der Schütze Raum zu geben.

Zu den wichtigsten Organen des Apparates gehören die dreieckigen |432| Gestelle oder Rahmen D, D, welche, um ihre unteren Enden drehbar, zu beiden Seiten des Webstuhles angeordnet sind. Diese Rahmen enthalten oben zwei Zellen oder Canäle E und F von derselben Querschnittsform wie die Schützenführung in der Lade. Es ist klar, daß durch die Bewegung der Rahmen D, D der eine oder der andere dieser Canäle an das Ende der Lade gebracht werden kann, so daß er eine Fortsetzung oder Verlängerung der letzteren bildet. Bevor wir jedoch den Mechanismus der Rahmen D, D weiter verfolgen, müssen wir die Bewegung des zum Antrieb der Schütze dienenden Riemens G näher erläutern.

Dieser Riemen leitet seine Bewegung von einer Rolle H (Fig. 3) her, welche vorn unterhalb der Mitte des Webstuhles gelagert, in Fig. 1 jedoch nicht sichtbar ist. I (Fig. I) ist eine der unterhalb der Canäle E, F angeordneten Rollen, von welchen der Riemen abwärts läuft. Die Zahl der in irgend einer Periode verwendeten Schützen und Treiber ist um Eins weniger als die Zahl der Canäle in den Rahmen oder Gestellen D, D zusammen. Wenn daher jedes Endgestell, wie in der Abbildung, mit zwei Canälen versehen ist, im Ganzen also von solchen vier vorhanden sind, so können drei Treiber und Schützen angewendet werden.

Die Verbindung zwischen dem Riemen G und dem Schützentreiber wird durch einen an ersterem befestigten Ansatz J (Fig. I) vermittelt. Letzterer greift nämlich in eine entsprechende an der unteren Seite des Treibers befindliche Nuth. Nach erfolgtem Schusse bleibt die Schütze in einem der Kästen der Gestelle D, D, worauf der Ansatz J die Nuth des Treibers verläßt, indem der Riemen über die Rolle hinweg seinen Weg nach unten nimmt. Mittlerweile kommt ein zweiter Riemenansatz mit einem Treiber an der anderen Seite des Webstuhles in Eingriff, worauf der Riemen, welcher seine Bewegung in der nämlichen Richtung fortsetzt, auch auf diesen Treiber in der erwähnten Weise wirkt. Die beiden Schützen folgen daher von der nämlichen Seite der Maschine aus auf einander. Wenn nun, nachdem der erste Treiber seine Bewegung ausgeführt hat, die Bewegung des Riemens rückgängig wird, so würde der Treiber begreiflicher Weise nach seinem Ausgangspunkt zurückgeführt werden, wenn nicht vor dem Beginn dieser rückgängigen Bewegung durch eine Schwingung der Rahmen D, D eine andere Zelle, also auch eine andere Schütze in die Richtung des gebildeten Faches gebracht und nun diese andere Schütze durch den Riemenansatz zurückgeführt würde.

Es ist einleuchtend, daß vermittelst einer zweckdienlichen Bewegung der Rahmengestelle D, D, welche irgend einen der vier Kästen oder Canäle in die Schußlinie bringt, die eine oder die andere der drei Schützen mit dem Riemen in Verbindung gebracht und durch das Fach geschnellt |433| werden kann. Eben so ist es klar, daß die Verschiebung der genannten Rahmen sich dergestalt anordnen läßt, daß, je nachdem es das Muster verlangt, die Schützen abwechselnd arbeiten oder eine und dieselbe Schütze in Thätigkeit bleibt.

Es erübrigt jetzt nur noch die Erläuterung zweier Fragen: erstens, welches sind die Mittel, durch deren Einfluß die Schwingung der Rahmen D, D im richtigen Momente erfolgt, und zweitens, wie wird der Schützenriemen G in Uebereinstimmung mit den übrigen Organen des Webstuhles nach der einen oder der entgegengesetzten Richtung in Bewegung gesetzt?

Zunächst ist es die Kurbelwelle L, welche mittelst der Schubstange K den Rahmen D, D die vorgeschriebene Bewegung ertheilt. Diese Welle selbst erhält ihre Drehung durch ein an der linken Seite der Maschine befindliches, in Fig. 1 durch andere Maschinentheile verdecktes Räderwerk, welches mit der Welle B (Fig. 2) in Verbindung steht. Es wurde oben erwähnt, daß die Rotation der letzteren eine abwechselnd rasche und langsame sey. Vermöge dieser Bewegung erfolgt der Wechsel der Schützen in der Zeit, in welcher die Lade die Schußfäden festschlägt, um alsdann einige Zeit still zu stehen. Die Durchmesser der Räder welche die Bewegung von der Welle B auf die Welle L übertragen, verhalten sich wie 1:2, damit eine Umdrehung der Welle L auf zwei Umdrehungen der Welle B komme. Diesem Umstande, in Verbindung mit einer geeigneten Anordnung der Kurbeln, ist es zuzuschreiben daß die Rahmen D, D erst vorwärts schwingen, während eines Schlages der Lade pausiren, dann zurückschwingen und während des darauf folgenden Schlages abermals pausiren, so daß die beiden Schützenkästen bei jedem Schusse abwechselnd mit der Lade in Linie treten.

Fig. 3 dient zur Erläuterung des Mechanismus womit die Bewegung des Riemens im Zusammenhange steht. H ist die oben bereits erwähnte Riemenrolle, deren Achse an ihrem Ende ein conisches Rad M trägt. Letzteres erhält seine Bewegung von dem einen oder dem anderen der beiden conischen Räder, deren gemeinschaftliche Welle N eine Röhre bildet, welche die Achse B lose umschließt. Die Achse des Riemenrades liegt bei O in einem drehbaren und bei P in einem verschiebbaren Lager, so daß das Getriebe M mit dem einen oder dem anderen der genannten Winkelräder in Eingriff gebracht werden kann, und daher die Riemenrolle H abwechselnd nach der einen und der anderen Richtung sich dreht. An dem verschiebbaren Lager P befindet sich eine Hervorragung Q, welche in eine Rinne des die Welle S lose umfassenden Muffes R tritt. Ein an der Achse L sitzendes Excenter F drückt bei erfolgender Rotation |434| abwechselnd gegen die Lappen U (wovon nur einer sichtbar) des Muffes R. Die Folge ist eine Verschiebung des Muffes, mithin auch des Lagers P, wodurch das Getriebe M abwechselnd mit dem einen oder dem anderen Winkelrad in Eingriff gebracht wird. Die lose Röhre N endigt sich in eine Kurbel, deren Zapfen in der nämlichen diametralen Rinne des Zahnrades, wie derjenige der Kurbel C der Welle B, nur auf der anderen Seite derselben, gleitet. Die Röhre N muß daher, wie die Welle B, abwechselnd schnell und langsam sich drehen; aber ihre Bewegung ist von derjenigen der Welle B insofern verschieden, als jedesmal der Schützenriemen in Bewegung ist, wenn die Lade still steht, und umgekehrt.

Die in Rede stehende Maschine, obgleich von großen Dimensionen und stark gebaut, läßt sich leicht mittelst eines dreizölligen Treibriemens in Gang setzen. Gewöhnliche Bodenteppiche werden bekanntlich in geringen Breiten angefertigt. Sie müssen zerschnitten und dem Raum angepaßt werden, eine Procedur welche nicht ohne bedeutenden Abfall stattfindet, und wegen der Vereinigung in ein einziges Stück mit viel Arbeit verbunden ist. Dazu kommt noch der Verlust wegen der Ausschnitte, welche hier und dort nöthig sind, um den Teppich den Ecken und Conturen der Hervorragungen anzupassen. Hierzu rechne man die Kosten welche das Legen des Teppiches veranlaßt, erwäge ferner, wie schnell derselbe an den Nähten schadhaft und wie leicht ein hübsches Muster durch ungeschicktes Aneinanderfügen verunstaltet wird, und vergleiche endlich die Totalkosten mit den Kosten eines nach vorstehender Methode in einem Stücke angefertigten Teppiches. Der von uns in Augenschein genommene Webstuhl, einer der ersten welche angefertigt worden sind, liefert ein 4 1/2 Yards breites Gewebe; er kann aber, wie man uns versichert, für noch größere Breiten gebaut werden. Es eröffnet sich die günstige Gelegenheit, schönere Muster, als seither, einzuweben, auch lassen sich nöthigenfalls Teppiche für die Zimmer eines erst auf den Plänen des Architekten existirenden Gebäudes anfertigen; und doch kommt ein solcher. Teppich nicht theurer zu stehen, als ein gewöhnlicher, wie er heut zu Tage in Gebrauch ist.

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