Titel: Ueber die Verwendung der Kaninchenhaare zu Gespinnsten, als Surrogat für Wolle und Baumwolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 14 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi01_14

Ueber die Verwendung der Kaninchenhaare zu Gespinnsten, als Surrogat für Wolle und Baumwolle.

Das Kaninchenhaar wird jetzt bereits von den Hutmachern zur Anfertigung der Filze verarbeitet und zu hohen Preisen (6 fl. per Pfund) bezahlt. Es besitzt bei gehöriger Zubereitung alle Eigenschaften, um ein gutes und dauerhaftes Garn zu geben, welches in seinen Eigenschaften dem Wollengarn nicht im geringsten nachsteht. Um nun eine allgemeine Verwendung der Kaninchenhaare zu ermöglichen, müßte man die |80| Kaninchenzucht, welche bisher nur in sehr beschränkter Weise betrieben wurde, bedeutend ausdehnen. In der That aber eignet sich kein Thier in solcher Weise zur Massenzüchtung, wie das Kaninchen. Die enorme Fruchtbarkeit desselben ist sprüchwörtlich, es verträgt die engste Einsperrung und jedes Klima, es läßt sich mit den mannichfaltigsten und billigsten Stoffen ernähren und fordert weniger Sorgfalt, als irgend ein anderes Thier. Selbst in den unfruchtbarsten Landestheilen kann die Kaninchenzucht mit lohnendem Erfolge betrieben werden. Man kann daher leicht das nöthige Quantum von Kaninchenhaaren produciren, um den Preis derselben billiger zu stellen, als den der Wolle und der Baumwolle. Die zum Verspinnen etwa nicht geeigneten Haare finden übrigens in den Hutmachern zum Verfilzen bereitwillige Abnehmer. Das Fleisch des Kaninchens ist schmackhaft und nährend, und bei den hohen Preisen der übrigen Fleischsorten würde das Kaninchenfleisch für die arbeitende Bevölkerung eine wohlfeile, gesunde und kräftige Nahrung bilden. Die übrigen Abfälle ließen sich zur Fabrication von Gelatine und Leim verwenden.

Es ist auffallend, daß die Zucht des Kaninchens in Deutschland und Oesterreich bisher ganz vernachlässigt wurde, während in Frankreich, England, Holland und Belgien jährlich mehrere hundert Millionen Kaninchen verbraucht werden, und der Handel mit den Fellen derselben bedeutende Capitalien in Bewegung setzt. (Wiener Weltausstellungs-Zeitung.)

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