Titel: Verfahren zum Versilbern animalischer, vegetabilischer und mineralischer Körper.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 6 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi01_6

Verfahren zum Versilbern animalischer, vegetabilischer und mineralischer Körper.

In England betreibt man jetzt einen neuen Industriezweig, welcher die Versilberung beliebiger animalischer, vegetabilischer oder mineralischer Körper zum Gegenstand hat. Man bereitet zunächst folgende zwei Lösungen:

1) Gebrannter Kalk, 2 Theile; Traubenzucker oder Honig, 5 Theile; Traubensäure (in Ermangelung derselben Gallussäure), 2 Theile; Wasser, 650 Theile. Man filtrirt und bewahrt die Lösung in Flaschen auf, welche ganz angefüllt und verschlossen sind, damit die Einwirkung der Luft möglichst verhütet werde. 2) Man löst 20 Theile salpetersaures Silberoxyd in 20 Theilen Ammoniakflüssigkeit und verdünnt die Lösung mit 650 Theilen destillirtem Wasser. Im Augenblick der Benutzung vermischt man die beiden Flüssigkeiten zu gleichen Theilen, schüttelt sorgfältig um, und filtrirt.

Um Seide, Wolle, Haare, Flachs und andere Faserstoffe zu versilbern, wäscht man sie sorgfältig und taucht sie dann zuerst einen Augenblick in eine gesättigte Lösung von Gallussäure und darauf in eine Lösung von 20 Theilen salpetersaurem Silberoxyd in 1000 Theilen destillirtem Wasser. Man wiederholt diese doppelte Eintauchung, bis das schwarze Ansehen des Faserstoffes durch eine schwache Silberfarbe ersetzt ist. Man legt denselben sodann in die Mischung der oben angegebenen beiden Lösungen, |77| bis er vollständig versilbert ist, kocht ihn mit einer Lösung von kohlensaurem Kali, wäscht ihn und läßt ihn trocknen.

Bei Knochen, Hörn, Leder, Papier und anderen ähnlichen Substanzen kann man statt dieselben einzutauchen, die Flüssigkeiten mit einem Pinsel auftragen.

Stuck, Steingut etc. müssen vor dem Zusammenbringen mit den silberhaltigen Lösungen mit Stearin behandelt oder gefirnißt oder auch, wenn sie sehr porös sind silicatisirt oder fluosilicatisirt werden.

Gewöhnliches Glas, Krystallglas oder Porzellan reinigt man sorgfältig mit destillirtem Wasser oder Alkohol und behandelt es dann in dem Gemisch der beiden oben erwähnten Lösungen, welches man in eine Schale von Steinzeug oder Gutta-percha gegossen hat. Die Niederschlagung des Silbers beginnt nach einer Viertelstunde und ist nach einigen Stunden beendet. Man wäscht die Gegenstände dann mit destillirtem Wasser, läßt sie trocknen und überzieht sie mit einem schützenden Firniß. Um die Niederschlagung des Silbers zu beschleunigen, kann man die Flüssigkeit oder die Gegenstände etwas erwärmen.

Metalle werden zunächst mit Salpetersäure gereinigt, darauf mit einer Mischung von Cyankalium und Silberpulver gerieben, mit Wasser gewaschen und dann abwechselnd in die oben erwähnten Flüssigkeiten Nr. 1 und 2 getaucht, bis sie hinreichend versilbert sind. Eisen muß vorher in eine Lösung von schwefelsaurem Kupferoxyd getaucht werden. (Technologiste, Mai 1872, S. 193; polytechnisches Centralblatt, 1872 S. 1159.)

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