Titel: Neue Gespinnstpflanze (Laportea pustulata).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 15 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi02_15

Neue Gespinnstpflanze (Laportea pustulata).

Vor einigen Jahren hatte der preußische Minister für Landwirthschaft eine Anzahl Wurzelstöcke einer von Rözl im Alleghany-Gebirge entdeckten Gespinnstpflanze angekauft, um damit Culturversuche anstellen zu lassen. Die Pflanze erwies sich als Laportea pustulata. Dieselbe hat den bisher bekannten und cultivirten Gespinnstpflanzen gegenüber den Vorzug, daß sie eine alljährlich wieder austreibende Staude bildet, welche sich leicht und in großer Zahl durch Wurzeltheilung im Frühjahre vermehren läßt, daß sie also nicht alljährlich gesäet zu werden braucht, und daß ihre Behandlung viel weniger mühsam und kostspielig ist, als z.B. die der Flachspflanze. Ihre Cultur, welche gleichzeitig im botanischen Garten zu Berlin und an den drei landwirthschaftlichen Akademien in Preußen, sowie in dem pomologischen Institut zu Proskau versucht wurde, hat nur im botanischen Garten zu Berlin einen zufriedenstellenden Erfolg gehabt, wo die Pflanze eine Höhe von über einem Meter erreicht hat, während sie an den übrigen Versuchsstätten viel niedriger geblieben ist. Hiernach scheint es, daß sie nur in leichtem, sandigem und humosem Boden mit Nutzen cultivirt werden kann. Die Winter haben trotz ihrer starken Fröste der Pflanze keinen Schaden gebracht. Der Minister hat deßhalb die Direction des landwirthschaftlichen Central-Vereines für den Regierungsbezirk Potsdam beauftragt, Landwirthe zu ermitteln, welche geneigt sind, Anbauversuche in einem größeren Maaßstabe in dem leichten, humosen Boden der Mark anzustellen. Die nöthigen Pflanzen sollen kostenfrei geliefert werden. Mit den Pflanzenstengeln, welche im botanischen Garten gewonnen wurden, hat man umfassende Versuche angestellt, um die Leichtigkeit der Gewinnung des Faserstoffes und dessen Güte und Brauchbarkeit festzustellen. Die gewonnenen Resultate muntern zur Fortsetzung der Versuche auf, die sich zunächst auf eine ausgedehntere Cultur der Pflanze erstrecken müssen. (Norddeutsche Allgemeine Zeitung.)

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