Titel: Zur Theorie der Explosionen detonirender Körper; von P. Champion und H. Pellet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 2 (S. 154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi02_2

Zur Theorie der Explosionen detonirender Körper; von P. Champion und H. Pellet.

Die Verfasser haben durch Versuche gezeigt, daß gewisse explosive Substanzen, wie z.B. Jodstickstoff, dadurch zur Explosion gebracht werden können, daß man ihre Unterlage oder die sie umgebende Luft in hinreichend rasche Schwingung versetzt. Die Versuche wurden in verschiedener Weise ausgeführt. Man verband zwei lange Glasröhren, welche zusammen 2,4 Meter lang und 13 Millimeter im Durchmesser waren, durch einen Streifen Papier und brachte in dieselben an jedes Ende ein Stückchen Papier mit je 0,03 Gram. Jodstickstoff. Sobald man das eine Präparat durch Berührung mit einem warmen Drahte zur Explosion brachte, detonirte auch das andere. Daß die Explosion des zweiten nicht durch Pressung der Luft erzeugt worden seyn konnte, ergab sich daraus, daß ein kleines leichtes Pendel, welches man in der Röhre aufstellte, durch die Explosion nicht stärker bewegt wurde, als etwa durch Hineinblasen von Luft mit dem Munde. Es wurden ferner kleine Mengen Jodstickstoff auf den tiefen Saiten eines Contrabasses, einer Bratsche und einer Violine befestigt und die Saiten durch Streichen zum Tönen gebracht. Die tiefen Töne des Contrabasses bewirkten keine Explosion, wohl aber Töne deren Schwingungszahl über 60 liegt; andererseits bewirkten auch die sehr hohen Töne, welche man durch Anstreichen der Saitenstücke zwischen dem Stege und dem Saitenhalter der Violine erhält, die Explosion. Schwingende Platten ergaben ein ähnliches Resultat. Man hatte zwei chinesische Tamtams, von denen das eine beim Anschlagen sehr tiefe, das andere hohe Klänge gab. Jodstickstoff auf denjenigen Stellen, welche die tiefen Töne erzeugten, explodirte nicht, wohl aber auf den rascher schwingenden Theilen, welche die hohen Töne erzeugten. Endlich stellte man zwei parabolische Hohlspiegel von 50 Centimeter Durchmesser in einer Entfernung von 2,5 Meter einander gegenüber, brachte in den Brennpunkt des einen ein Stückchen Papier mit einigen Centigrammen Jodstickstoff und zwischen beide Spiegel ein gleiches Stück Papier, dann entzündete man im Brennpunkte des anderen Spiegels einen Tropfen Nitroglycerin, worauf der Jodstickstoff in dem anderen Brennpunkte explodirte, nicht aber der zwischen beiden Spiegeln befindliche. Man kann die Explosion durch eine äußerst geringe Menge Nitroglycerin bewirken, wenn man den Jodstickstoff, welcher im Brennpunkte des anderen Spiegels ist, auf eine elastische Membran bringt, die man über einen Ausschnitt in einem Stücke Cartonpapier ausgespannt hat. An Stelle des Nitroglycerins kann man auch andere explosive Substanzen anwenden. Man könnte hier vielleicht annehmen, daß die Explosion des Jodstickstoffes durch die von dem einen Spiegel reflectirten und von dem Brennpunkte des anderen Spiegels concentrirten Wärmestrahlen erzeugt sey. Nach Berthelot entwickelt 1 Kilogrm. Nitroglycerin in einem geschlossenen Raume 19,700,000 Calorien. Da nun zur Entzündung des Jodstickstoffes 0,03 Grm. Nitroglycerin ausreichen, so entspricht diese Menge 591 Calorien. 0,9 Grm Schießpulver würden dieselbe Wärmemenge entwickeln. Die Verf. versuchten dem entsprechend die Explosion durch Entzündung von 1 Grm. Pulver in dem Brennpunkte des ersten Spiegels hervorzubringen, doch ohne Erfolg; es waren 8–10 Grm Pulver dazu nöthig. Uebrigens wurde der Versuch noch folgendermaßen abgeändert. Beide Spiegel wurden mit Ruß überzogen; in den Brennpunkt des einen brachte man wiederum den Jodstickstoff und in dem Brennpunkte des anderen entzündete man 10 Grm. Schießpulver. Die Explosion des. Jodstickstoffes fand nicht statt, jedenfalls weil die geschwärzten Spiegel die größte Menge der von dem Pulver entwickelten Wärmestrahlen absorbirten. (Bei nicht geschwärzten Spiegeln tritt durch eine Quantität Pulver immer Explosion ein.) Wendet man aber an Stelle des Schießpulvers 0,03 Gram. Nitroglycerin an, so tritt die Explosion sicher ein. (Industrieblätter.)

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