Titel: Ueber das Verhalten gewisser Metalle zu einer Auflösung von Ferridcyankalium; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 4 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi02_4

Ueber das Verhalten gewisser Metalle zu einer Auflösung von Ferridcyankalium; von Prof. Böttger.

Man war bisher allgemein der Ansicht, daß der Wasserstoff, welcher von einem im Kreise einer Volta'schen Batterie als Kathode dienenden Palladiumbleche absorbirt worden, bei seinem Freiwerden stark reducirende Eigenschaften zeige, z.B. (wie selbst Graham als ein eigenthümliches Merkmal dieses sogenannten activen Wasserstoffes angegeben) Ferridcyankalium in Ferrocyankalium und Eisenoxydsalze in Eisenoxydulsalze überführe. Diese Ansicht ist indeß, meinen Beobachtungen zufolge, nicht stichhaltig; ich habe nämlich gefunden, daß das Palladium für sich schon, ohne mit Wasserstoff auf elektrolytischem Wege beladen zu seyn, nebst noch einigen anderen Metallen, die Eigenschaft besitzt, in gewisse Salzsolutionen auf kurze Zeit eingelegt, diese theilweise zu reduciren oder auf eine niedere Oxydationsstufe zurückzuführen, insbesondere Ferridcyankalium in Ferrocyankalium, Eisenchlorid in Eisenchlorür und schwefelsaures Eisenoxyd in schwefelsaures Eisenoxydul zu verwandeln. Um diese von mir ermittelte Thatsache fernerweit zu constatiren, braucht man sich nur eine verdünnte Lösung von 5 Decigrm. Ferridcyankalium in 100 Kubikcentimeter destillirten Wassers zu bereiten und darin ein reines Palladiumblech, bei mittlerer Temperatur und bei Abschluß von Licht 10 Minuten lang verweilen zu lassen. Fügt man dann nach Ablauf dieser kurzen Zeit einige Tropfen einer reinen Eisenoxydsalzlösung hinzu, so gibt sich auf der Stelle die Bildung von Berlinerblau zu erkennen, zum Beweis daß schon in dieser kurzen Zeit das Palladiumblech vermochte, das Ferridcyankalium in Ferrocyankalium überzuführen. Ganz gleich dem Palladium verhält sich in dieser reducirenden Eigenschaft das Thallium, Magnesium und Arsen, während die folgenden von uns geprüften Metalle sich gegen die genannte Salzsolution in einem gleichen Zeitraum völlig indifferent verhalten: Platin, Zink, Cadmium, Aluminium, Kupfer, Indium, Blei, Kobalt, Silber, Quecksilber, Zinn, Wismuth, Antimon, Gold, Tellur, Mangan und Eisen. Beim Einlegen eines reinen Eisenbleches in Ferridcyankaliumlösung sieht man zwar sehr bald sich Eisencyanür-Cyanid (Berlinerblau) abscheiden, indeß gibt die davon abfiltrirte Flüssigkeit bei Zusatz eines Eisenoxydsalzes keine Spur von Ferrocyankalium zu erkennen. (Böttger's polytechnisches Notizblatt. 1872, Nr. 18.)

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