Titel: Versuch mit Concretbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 7 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi02_7

Versuch mit Concretbau.

Im Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen theilte Fabrikbesitzer A. Lehmann in Berlin mit, daß er in Folge der in Berlin herrschenden Wohnungstheuerung einen Versuch mit Concretbau angestellt habe, welcher, übereinstimmend mit in England gemachten Erfahrungen, sehr günstige Resultate ergeben habe. Die Art des Baues ist folgende: Man stellt für die Wände des Hauses Formen auf, welche aus Stützstangen und Eisenplatten zusammengestellt sind. Diese Formen füllt man mit einem Gemenge von Steinkohlenasche, Sand, Cement und Schlacken, das vorher mit Wasser tüchtig durchgerührt ist, stampft diese Masse mit dem Spaten etwas feste und läßt sie 24 Stunden erhärten, nimmt dann die Platten ab, und bringt sie an die Stützstangen um so viel höher, als die Wand vorher gegossen war, und fährt so fort, bis die Höhe der Wand erreicht ist. Diese Art des Bauens ist dem hier auf dem Lande üblichen Pisébau ähnlich, nur mit dem Unterschiede, daß hier die eisernen Formen und Platten den großen Vorzug der Genauigkeit ermöglichen, und daß die |157| Stützstangen zu gleicher Zeit als Rüststangen dienen, indem in diesen Stangen Winkeleisen eingepaßt sind, welche zum Bretertragen eingeschraubt werden können. Der Hauptvortheil besteht aber darin, daß das Gemenge welches die Wand bildet, in kurzer Zeit, ungefähr 14 Tagen, felsenfest wird. Kräftige Schläge mit einem schweren Hammer an eine 0,15 Meter starke Wand vermochten nicht einen Eindruck oder ein Vibriren hervorzubringen. Auch ist ein Versuchsgewölbe von 2,2 Met. Spannweite, 0,18 Met. Pfeil und 0,12 Met. Stärke mit 4000 Pfund pro Quadratmeter durch Mauersteine belastet worden, und haben sich unten auf der glattgeputzten und geschlämmten Busenfläche weder Haarrisse noch sonstige Beschädigungen gezeigt.

Die Billigkeit läßt sich nur annähernd feststellen, doch ist eine Ersparniß von 30 Procent gegen den Rohbau voraussichtlich In wie weit die dünnen Wandungen für unser Klima passen, muß die Erfahrung lehren, doch gibt es noch Aushülfe und Ersparniß durch Anbringung von Isolirschichten. Die rasche Erhärtung der Masse gestattet auch ein rascheres Fertigstellen des Baues, so daß es möglich wurde, ein Haus welches am 15. October mit dem Grundausnehmen begonnen wurde, am 1. Januar fertig zu beziehen. (Verhandlungen des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1872 S. 37.)

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