Titel: Wheeler's Verfahren zum Schweißen von Bessemerstahlabfällen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 3 (S. 241)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi03_3

Wheeler's Verfahren zum Schweißen von Bessemerstahlabfällen.

Bisher waren alle Versuche, Abfälle von Bessemerstahl zu verschweißen, fruchtlos und die Verwaltungen derjenigen Eisenbahnen, welche Stahlschienen und Stahlbandagen eingeführt haben, fühlten, daß früher oder später die Frage sich aufdrängen müsse, was mit jenen Abfällen zu beginnen sey.

Die erste entschiedene Antwort auf diese Frage gibt das kürzlich patentirte Verfahren von E. Wheeler in Philadelphia (Amerika), welchem es gelungen ist, durch Zusammenschweißen von derartigen Abfällen mit Stabeisen ein Product zu erzielen, welches für die verschiedenartigsten Zwecke gleich gut verwendbar ist.

Das Princip seiner Erfindung besteht darin, die beiden Metalle zu einem Packet zu vereinigen und zusammenzuschweißen, dann durch Auswalzen weiter zu verarbeiten.

Die Hauptschwierigkeit bei dieser Arbeit wird dadurch bedingt, daß der Stahl, wenn er auf die Schweißhitze des Eisens gebracht werden soll, durch die hohe Temperatur in sehr schädlicher Weise angegriffen wird, so daß er „verbrennt“. Diese Schwierigkeit läßt sich durch Anwendung besonderer Zuschläge oder Flüsse zum großen Theile beseitigen, aber die Operation wird dadurch zu umständlich und kostspielig. Nach Wheeler's Verfahren wird die Vereinigung beider Metalle so ausgeführt, daß der Stahl vor dem Verbrennen geschützt ist, indem derselbe in einen möglichst luftdicht angefertigten Mantel von Stabeisen eingeschlossen wird.

Diese Erfindung wird angewendet: 1) zur Herstellung von mit einem Ueberzuge von Schmiedeeisen versehenen Stahlkolben, Stahlplatten oder Stahlstäben, bei welchen der Stahl vorherrscht; 2) zur Herstellung von Stahlkerneisen, d. i. von Eisen welches innen aus Stahl besteht; bei diesem Producte herrscht das Eisen der Menge nach vor; 3) zur Erzeugung einer mechanischen Verbindung von Stahl und Eisen, in welcher der Stahl in solcher Menge vorhanden und in solche Lage gebracht ist, daß Abnutzung und Druck auf ihn wirken.

Der Vorzug dieses Verfahrens vor der alten Methode in Bezug auf rasche und billige Verarbeitung von Abfallstahl ist einleuchtend. Gußstahlabfälle, welche jetzt nur durch Umschmelzen verwerthet werden können, lassen sich, wenn sie nach Wheeler's Methode vom Stabeisen umgeben verarbeitet werden, mittelst einer einzigen Operation in fertige Schienen umwandeln, und Abfälle von Bessemerstahl können in Schienen, Stäbe oder Platten von jeder beliebigen Form und von derselben Güte und Gleichartigkeit, wie aus den ursprünglichen Güssen fabricirte, umgewalzt werden. (Mechanics' Magazine, October 1872, S. 282).

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