Titel: Ueber den Deacon'schen Chlorproceß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 7 (S. 243–244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi03_7

Ueber den Deacon'schen Chlorproceß.

Dr. Grüneberg bemerkte auf der Leipziger Naturforscherversammlung über den Deacon'schen Chlorproceß,44) daß für denselben wesentlich sey die genaue Innehaltung |244| einer constanten Temperatur von nahezu 700° F. (384,6° C.) und von dem Erfinder auf diesen Punkt die größte Sorgfalt verwendet sey. Ferner sey von hervorragender Wichtigkeit eine vollständige Austrocknung des Chlorgases, weil davon die Hochgrädigkeit des erzielten Chlorkalkes abhängig sey. In englischen Fabriken, welche Dr. Grüneberg besuchte, wurde für diesen Zweck ein Chlorcalcium-Apparat angewendet. Der Deacon'sche Proceß sey in nationalökonomischer Hinsicht von großer Wichtigkeit, da die Verwendung von Braunstein bei der Chlorkalkdarstellung nicht mehr Bedingung sey; ein weiterer großer Vortheil sey, daß das Entweichen von Salzsäuregas oder Chlorgas in die Atmosphäre nach diesem Proceß vollständig umgangen werden könne.

Hr. Hasenclever theilte im Anschluß daran mit, daß Deacon gefunden habe, daß der nach seiner Methode dargestellte Chlorkalk einen zu geringen Gehalt zeige, wenn das Chlorgas feucht in die mit Kalk gefüllten Absorptionskammern gelange. Er habe diesem Uebelstande durch bessere Trockenvorrichtungen vorgebeugt, wende hierzu statt des Chlorcalciums jetzt Schwefelsäure an, und stelle einen Chlorkalk von 36 Proc. Chlorgehalt dar. Die deutschen Chlorkalk-Fabrikanten ließen sich noch durch die höchst kostspielige Anlage von der Einrichtung des Deacon'schen Processes abhalten. Die in den chemischen Fabriken bestehende Einrichtung für die Chlorkalk-Fabrication sey gar nicht weiter zu gebrauchen; die Tröge zur Chlorentwickelung fielen selbstverständlich fort, aber auch die Kammern müßten wegen der Absorption von verdünntem Chlor eine zehn Mal so große Oberfläche haben als jetzt. Der Deacon'sche Proceß sey indessen in England sehr großartig durchgeführt und von einem deutschen Chemiker in allen Details gründlich studirt; neben Deacon müsse der Name des Dr. Hurter, welcher die chemischen Untersuchungen leitete, lobend erwähnt werden.

Dr. Kempf bemerkte hierauf, daß in der Kuhnheim'schen Fabrik in Berlin bereits eine Anlage für den Deacon'schen Proceß im Bau begriffen sey.

Dr. Glaser macht auf einige Nachtheile des genannten Verfahrens (große Complicirtheit der Apparate, bedeutender Kohlenverbrauch, Schwierigkeiten der Temperaturregulirung etc.) aufmerksam und sprach sich deßhalb gegen die Einführung in Deutschland aus. Hr. Hasenclever erwiderte, daß Deacon allerdings pro 100 Kil. Chlorkalk 200 Kil. Kohlen gebrauche, aber dafür falle die Ausgabe für Braunstein ganz weg, und sey der Arbeitslohn beim Deacon'schen Proceß sehr gering. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1872, Nr. 15.)

|243|

Deacon's Beschreibung seines Verfahrens der Chlorfabrication durch Erhitzen eines Gemisches von Luft und Salzsäuredampf, ist im Jahrgang 1871 des polytechn. Journals, Bd. CC S. 398, mitgetheilt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: