Titel: Ueber Ozokeritkerzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 8 (S. 244–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi03_8

Ueber Ozokeritkerzen.

Auf der Dubliner Ausstellung erregte ein neues Product der Kerzenfabrication großes Interesse. Es waren dieß die von der berühmten Firma J. C. Field in London ausgestellten Ozokeritkerzen. Der Ozokerit oder das natürliche Paraffin (Bergwachs, Erdwachs), zuerst von Meyer und Glocker beschrieben, wurde bei Slanik in der Moldau im sogen. „Wiener Sandstein“ in der Nähe von Kohlen- und Steinsalzlagern entdeckt, später aber an noch anderen Punkten der Karpathen aufgefunden, woher auch die gedachte Firma das Rohmaterial zu ihren Kerzen bezieht, nachdem sie (im Jahre 1868) von Dr. Letheby auf dasselbe aufmerksam gemacht worden war. Es ist den HHrn. Field gelungen, die mit der Reinigung des Ozokerits verbundenen Schwierigkeiten vollständig zu überwinden, und aus demselben Kerzen vom schönsten Ansehen zu erzeugen.

Die Kennzeichen des rohen Ozokerits sind folgende: Die Stücke haben eine bräunliche, grünliche oder gelbliche Farbe, sind stark kantendurchscheinend und zeigen einen terpenthinartigen Bruch. Das Mineral ist ziemlich spröde, läßt sich aber, wie sprödes Wachs, zwischen den Zähnen etwas kneten; der Einwirkung der Luft ausgesetzt, wird es schwarz und ganz wachsartig, so daß sich von solchen verwitterten Stücken mit dem Fingernagel Späne mit glänzenden Schnittflächen abschaben lassen. Härte = 1, specifisches Gewicht = 0,94 bis 0,97. Durch Reiben wird das Bergwachs stark negativ elektrisch; sein Geruch ist dem der aromatischen Kohlenwasserstoffe ganz ähnlich. Im Feuer fließt es wie Wachs und brennt dann mit nicht stark rußender Flamme; sein Schmelzpunkt liegt bei 66° C. Es läßt sich unzersetzt destilliren und wird von starken |245| Säuren nicht angegriffen. Je nach den Fundorten zeigt es in seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften geringe Verschiedenheiten. Im gereinigten Zustande bildet es eine Varietät von Paraffin, von der Zusammensetzung:

Kohlenstof 85,75
Wasserstoff 15,15
–––––
100,90

Aus Letheby's Bericht geht hervor, daß diese schönen Kerzen auch in Bezug auf Leuchtkraft alle übrigen bisher in den Handel gekommenen übertreffen. Er gibt die Anzahl von Granen, welche erforderlich sind um das Licht von 1000 Gran der besten Wallrathkerzen zu liefern, in nachstehender Weise an:

Ozonkeritkerzen 754
Paräffinkerzen verschiedener Sorten 798 bis 891
Wallrathkerzen 1000
Wachskerzen 1150

Da der Ozokerit einen hohen Schmelzpunkt hat, so erweichen die aus ihm angefertigten Kerzen nicht, daher sie sich nicht biegen; dieses Material ist in der That weit härter, als gewöhnliches Paraffin.

Die HHrn. Field haben auch Paraffinkerzen ausgestellt, welche mit Mauve und Magenta gefärbt sind, ein bedeutender Fortschritt gegen das frühere Färben derselben mit undurchsichtigen Mineralfarben. (Chemical News, vol. XXVI p. 161; October 1872.)

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