Titel: Beschluß der Versammlung des Vereines des Gas- und Wasserfachmänner Deutschlands, die Beschaffung der Photometer-Kerzen und die Lichtmessung betreffend.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 3 (S. 329–331)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi04_3

Beschluß der Versammlung des Vereines des Gas- und Wasserfachmänner Deutschlands, die Beschaffung der Photometer-Kerzen und die Lichtmessung betreffend.

Die im Mai d. J. in Würzburg abgehaltene 12. Hauptversammlung des vorgenannten Vereines hat Folgendes beschlossen:

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A. Die Photometer-Kerzen betreffend.

I. Als Photometer-Kerze für den Verkehr im Verein wird die der Versammlung in Wien und Würzburg vorgelegte Paraffinkerze, sechs auf 1 Zollpfund, angenommen.

II. Die Photometer-Kerze soll

a) einen Durchmesser von 20 Millimet. erhalten, genau cylindrisch und so lang seyn, daß sechs Kerzen ein Zollpfund oder 500 Gramme wiegen;

b) die Dochte sollen in möglichster Gleichförmigkeit aus 24 baumwollenen Fäden geflochten seyn und im trockenen Zustande pro laufenden Meter ein Gewicht von 0,668 Grm. haben; sie sind durch einen eingelegten rothen Faden von anderen Dochten abzuzeichnen;

c) das Kerzenmaterial soll möglichst reines Paraffin seyn von einem nicht unter 50° C. liegenden Erstarrungspunkt.

III. Die Photometer-Kerzen werden von dem Vereins-Vorstande bezogen und von diesem an die Mitglieder, Gasanstalten und Stadtbehörden zum Selbstkostenpreis abgegeben.

IV. Zur Kontrolle der Fabrication, der Güte und Gleichförmigkeit des Materiales, der Dochte etc. wird

a) eine Kerzen-Commission erwählt, welche alles Erforderliche wahrzunehmen hat, um die möglichst große, überhaupt erreichbare Gleichmäßigkeit der Normalkerze zu erzielen.

b) Diese Commission soll aus drei Mitgliedern bestehen, welche nicht zu weit von einander entfernt wohnen.

c) Sie hat die Dochte vor der Verwendung zur Kerzenfabrication in Bezug auf ihre Gleichförmigkeit und das richtige Gewicht zu prüfen.

d) Von jeder Kerzenlieferung ist durch die Commission eine Anzahl Kerzen herauszunehmen und auf die Vorschriften zu untersuchen ehe von der Sendung etwas zum Verkaufe gelangen darf.

e) Von jeder Kerzenlieferung sind etwa 20 Stück in Verwahrung zu behalten, damit man mit denselben die nachfolgenden Sendungen vergleichen könne.

B. Das Photometriren betreffend.

1) Das Bunsen-Photometer ist das den heutigen Verhältnissen angemessenste; zulässig ist auch das mit dem Foucault'schen Schirm, einem vorgeschriebenen Brenner bei feststehender Flamme versehene Elster'sche Differential-Photometer. Es gestattet dieß die gleichzeitige Beobachtung durch mehrere Personen.

2) Möglichste Ruhe der Flamme ist nothwendig, und es sollen deßhalb beide Flammen feststehen.

3) Das Photometer-Papier sey schwach geleimtes, mattes, nicht glänzendes Büttenpapier, welches mit Wallrathlösung theilweise durchscheinend gemacht ist. Dasselbe werde thunlichst oft gewechselt. Der Grad der Transparenz der Papiere muß sich nach dem Auge des Beobachters richten.

4) Die directe Beobachtung ohne Spiegel empfiehlt sich in erster Reihe; die Beobachtung mit Spiegeln ist darum nicht ausgeschlossen.

5) Für directe Beobachtungen eignet sich der runde Fleck; für Spiegelbeobachtungen ist die horizontale Streifung vorzuziehen.

6) Für die Beobachtung ist die Einhaltung einer bestimmten, für die Normalkerze geeigneten Flammenhöhe von 50 Millimet. unbedingt nothwendig.

Das Putzen (Schneuzen) des Kerzendochtes, damit diese Flammenhöhe erreicht werde, ist unstatthaft, und es darf die Lichtmessung nur dann vorgenommen werden, wenn die ruhig brennende Flamme die Höhe von 50 Millimet. erreicht hat.

7) Als Grundlage für die photometrischen Messungen soll die Photometer-Kerze dienen, und bei längeren Versuchsreihen soll ein darnach eingestellter Einlochbrenner als Einheit benutzt werden können.

8) Die zu prüfende Gasart soll bei den photometrischen Versuchen an demjenigen Brenner verbrannt werden, welcher für diese Gasart das Maximum der Leuchtkraft gibt.

9) Da zur Zeit das Gesetz des Verhältnisses zwischen Verbrauch und Leuchtkraft noch nicht genügend ermittelt ist, so sollen bei den Versuchen mit Steinkohlengas bis auf Weiteres 150 Liter pro Stunde zur Verwendung kommen.

10) Alle übrigen, bei den Lichtversuchen zu verwendenden Messungs-Apparate, als Gasmesser, Druckanzeiger, Regulatoren etc., sind in ihrer Wahl dem Versuchenden |331| zu überlassen; nur muß jedenfalls die Richtigkeit des Gasmessers, als welcher ein nasser zumeist sich empfiehlt, zuvor festgestellt seyn.

11) Bei den Aufzeichnungen der Ergebnisse der photometrischen Versuche ist die Angabe der Druckhöhen vor dem Gasmesser, nach demselben und 50 Millimet. vor der Brennmündung genau anzugeben.

12) Als geeignetste Temperatur des Raumes, in welchem Lichtversuche angestellt werden, wird 14° R. angenommen.

13) Die Farbe des Photometer-Zimmers muß matt und darf weder reflectirend noch zu hell seyn. Bei helleren Farbentönen ist es nothwendig, daß die zu vergleichenden Flammen etwa 1 Meter von den Wänden abstehen. (Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung, 1872, Nr. 12.)

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