Titel: Ransome's neuer Kunststein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 7 (S. 332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi04_7

Ransome's neuer Kunststein.

Fr. Ransome in London hat, wie im Jahrg. 1871 des polytechn. Journals, Bd. CXCIX S. 409, mitgetheilt wurde, die von ihm erfundenen künstlichen Steine neuerdings durch eine Zusammensetzung von Portlandcement, Kreide, Sand, etwas Kieselerde (Infusorienerde, Kieselguhr) und Natronwasserglas ersetzt, über das relative Mengenverhältniß dieser Bestandtheile aber nichts Näheres angegeben. Um dieses zu ermitteln, hat nun A. Hirschberg die genannten festen Bestandtheile in nachstehenden drei Verhältnissen gemischt und mit Natronwasserglas zu einem dickflüssigen Brei angemacht:

Nr. 1 Nr. 2 Nr. 3
Cement 12 Thle. 6 Thle. 9 Thle.
Schlämmkreide 6 12 6
feiner Sand 6 6 6
Kieselguhr (von Altenschlirf am Vogelsberge) 1 1 1

Die Erhärtung aller drei Mischungen erfolgte in verhältnißmäßig kurzer Zeit; Nr. 2 zeigte die größte Härte, Nr. 3 das gröbste Korn. Diese drei Proben wurden vom Mai 1871 an mehrere Monate den Einwirkungen der Witterung ausgesetzt und haben dieselben hierdurch an Härte zugenommen, während ihre Oberfläche durch ausgeschiedene Kieselsäure eine weißliche Farbe angenommen hat. Diese Mischungen dürften sich hiernach besonders zu Ornamenten, welche im Freien zu dauern haben, empfehlen und bei der Billigkeit des Materiales und der leichten Formbarkeit der Masse einer vielfachen Anwendung werth seyn. Zu ermitteln bleibt, mit welcher Substanz die Formen zu isoliren seyn werden, um die erhärtete Masse leicht loszulassen.

Hirschberg hat die obige Masse auch mit gutem Erfolg als Kitt verwendet. Es war eine 25 Centimet. lange, 16 Centimet breite und 2 Centimet. hohe Platte von Gypsmarmor (Alabaster) zu kitten, welche mit einer 1,5 Centimet. hohen Schicht von buntem Stuck bedeckt war und deren unterer Theil in zwei schräge Stücke, die Bedeckung aber in vier unregelmäßige Stücke gesprungen war, welche sich von der Unterlage getrennt hatten. Weder Wasserglas noch Wasserglas mit Kreide oder gebrannter Magnesia, noch Glycerinbleioxyd oder Gyps gaben eine haltbare Verbindung, dagegen ward dieselbe durch Anwendung der obigen Mischung Nr. 1 vollständig und dauernd bewirkt. Anfangs witterte aus den Sprungstellen Glaubersalz aus, und konnte aus dem Aufhören dieser Auswitterung auf die Erhärtung des Kittes geschlossen werden. Weiter wurde von einem grobkörnigen Marmorstück mittelst Meißels ein unregelmäßiges Stück abgesprengt und die Bruchflächen mit derselben Mischung sorgfältig bestrichen, die Stücke genau aufeinander gepaßt und der Ruhe überlassen, auch die äußere Naht mit dem Kitte ausgestrichen. Nach 24 Stunden hatte eine vollständige Erhärtung des Kittes und eine feste Vereinigung der getrennten Stücke stattgefunden, während Wasserglas allein wirkungslos geblieben war Zu bemerken ist noch, daß zur Erhärtung des Kittes künstliche Wärme nicht erforderlich ist, daß derselbe nach Bedürfniß gefärbt werden, sowie daß jede Infusorienerde die zu den vorliegenden Versuchen verwendete ersetzen kann. (Deutsche Bauzeitung; aus der deutschen Industriezeitung, 1872, Nr. 1.)

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