Titel: Korke für Flaschen vollständig gasdicht und unverwüstlich zu machen; von Fr. Ruschhaupt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 11 (S. 422–423)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi05_11
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Korke für Flaschen vollständig gasdicht und unverwüstlich zu machen; von Fr. Ruschhaupt.

Es ist bekannt, daß das Paraffin vollständig farb-, geruch- und geschmacklos ist und sich weder in Wasser noch in Alkohol löst; ferner daß es eine außerordentlich selbstständige Natur besitzt, die sogar so weit geht, daß es zu keinem anderen Körper irgend welche Neigung, sich damit zu verbinden, verräth. Gegen Wasser verhält es sich entschieden abstoßend, mehr noch wie Wachs oder wie die Fette; es hat überhaupt, seinem Aeußeren nach, viel Aehnlichkeit mit den Fetten, ohne in chemischer Beziehung nur im Geringsten damit übereinzustimmen. Man weiß auch, daß das Paraffin schon bei circa 35° R. anfängt zu schmelzen und dabei ganz dünnflüssig wie Wasser wird.

Diese Eigenschaften des Paraffins haben uns nun bestimmt, dasselbe zur Imprägnation der Korke zu verwenden, um diesen die oben angedeuteten Vorzüge zu verleihen. Wir schmelzen das Paraffin zu dem Ende in einem passenden Gefäße, etwa in einem Kessel, über einem gelinden Feuer und schütten eine Partie trockene Korke hinein. Diese schwimmen natürlich oben, weßhalb wir uns veranlaßt sehen, einen durchlöcherten Deckel darauf zu legen und diesen mit irgend einem glasirten Gegenstande zu belasten. Dadurch werden die Korke in die Flüssigkeit gedrückt, welche alsbald die Luft aus den Poren der Korke treibt, um die Stelle derselben einzunehmen. Nach beiläufig fünf Minuten ist dieß vorbei. Wir schöpfen die Korke dann wieder aus der Flüssigkeit und lassen erstere abkühlen. Sie zeigen nun weit günstigere Eigenschaften wie vorher. Sie lassen sich z.B. schneiden und durchbohren wie Wachs; man kann sie auch leicht in die Flaschenhälse treiben und noch leichter aus diesen entfernen, und dabei bleiben sie hübsch ganz und glatt. Man fragt uns, ob sie sich auch an die Glaswände dicht genug anlegen? Darauf antworten wir: kein anderer Kork kommt dem unserigen an dichtem Schlusse gleich. Sie sind in ihrer ganzen Masse gasdicht geworden, wodurch sie natürlich um so geeigneter sind, zum Verschluß von Champagner-, Wein- und Bierflaschen zu dienen.

Will man nun noch ein Uebriges thun, so durchbohre man den Kork oberhalb kreuzweise und ziehe Bindfaden durch beide Passagen. Auf diese Weise lassen sich die Korke leicht am Flaschenhalse befestigen, und hat man somit die beste Aussicht, die Korke mit den abgeschickten Flaschen wieder zurückzuerhalten, was namentlich für eine Bierbrauerei Schenkwirthschaft sehr erwünscht seyn dürfte. (Böttger's polytechnisches Notizblatt.)

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