Titel: Ransome's künstliche Steine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 5 (S. 419–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi05_5

Ransome's künstliche Steine.

Fr. Ransome, welcher sich seit 30 Jahren mit der Darstellung künstlicher Steine beschäftigt und dessen verschiedene Methoden wir wiederholt besprochen haben, |420| hielt kürzlich in der British Association einen Vortrag über diesen Gegenstand. Er bemerkte, daß er zunächst nach zahlreichen Versuchen auf den Gedanken gekommen sey, Sand mit einer concentrirten Lösung von Kali- oder Natronwasserglas in einer Form zu pressen. Die Masse habe nach dem Trocknen einen sehr harten Stein von dichter und gleichförmiger Textur geliefert, der aber unter der Einwirkung von Wasser zerfiel. Der nächste Schritt bestand darin, daß die obige Masse erhitzt wurde, wobei sich das Alkali des Wasserglases theilweise mit der Kieselsäure des Sandes zu einem im Wasser unlöslichen Silicat verband. Aus so hergestellten Steinen witterte aber mit der Zeit ein Salz aus, das sich in den meisten Fällen als schwefelsaures Natron erwies, welches schon in der zur Darstellung des Natronwasserglases verwendeten calcinirten Soda enthalten war. Dieser Uebelstand wurde dadurch beseitigt daß die Soda vor der Verwendung mit Aetzbaryt behandelt wurde. Um die Steine widerstandsfähig gegen Wasser zu machen, ohne dieselben zu erhitzen, verfuhr Ransome später so (engl. Patent von 1861), daß er auf die mit Wasserglas gesättigte Masse eine Lösung von Chlorcalcium einwirken ließ, welche das Wasserglas unter Bildung von unlöslichem kieselsaurem Kalk zersetzt; das gleichzeitig entstehende Chlornatrium wurde durch Behandlung mit Wasser entfernt.

Dieses Auswaschen war aber aufhältlich und kostspielig; Ransome's Versuche, dasselbe vermeidbar zu machen, führten ihn zu dem Verfahren welches er seit dem Jahre 1870 verwendet und welches auf der Verwendung von in Aetznatron löslichem Kieselguhr – speciell dem von Farnham in Surrey – beruht.83) Es wird darnach Kieselguhr mit Natron- oder Kaliwasserglas, Kalk oder kalkhaltigen Substanzen, Sand, Thonerde etc. innig gemischt und in Formen gepreßt; die Masse erhärtet dann in Folge der Bildung von kieselsaurem Kalk allmählich zu einem compacten, gegen Druck höchst widerstandsfähigen Stein. Der chemische Proceß ist nach Ransome's Ansicht der, daß die Kieselsäure, die aus der Zersetzung des Wasserglases entsteht, ein Silicat von Kalk und Thonerde bildet, während das frei gewordene Aetznatron sich mit der Kieselsäure des Kieselguhrs zu kieselsaurem Natron verbindet, das seinerseits wieder durch Kalk zersetzt wird. Darnach müßte die Zersetzung so lange fortdauern, als einerseits lösliche Kieselsäure zur Verbindung mit dem freiwerdenden Natron und andererseits Kalk zur Zersetzung des kieselsauren Natrons vorhanden ist, und müßte schließlich entweder Aetznatron oder kieselsaures Natron im Ueberschusse vorhanden seyn. Thatsächlich aber scheint bei der Zersetzung des kieselsauren Natrons durch den Kalk nicht das gesammte Natron frei zu werden, vielmehr ein Kalk-Natron-Silicat gebildet, somit ein kleiner Theil des Natrons gebunden zu werden, so daß das Natron schließlich gebunden ist und nicht mehr durch Waschen oder auf andere Weise entfernt zu werden braucht.

Die nach dem angegebenen Verfahren hergestellten Steine, welche Ransome „Apönitsteine“ nennt, erlangen mit der Zeit eine sehr bedeutende Festigkeit. Bei 10 Wochen alten Steinen wurde die letztere z.B. zu 7145 Pfd. pro Quadratzoll engl. (= 566 Kil. pro Quadratcentimeter) gefunden. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische Einflüsse hat sich vollständig bewährt, sowohl in der Kälte des russischen Winters, wie in der Hitze und in dem Regen Indiens. Die Steine können in allen beliebigen Formen und Größen hergestellt werden; sie eignen sich zu allen Bauzwecken und haben auch für solche bereits eine sehr ausgedehnte Verwendung gefunden. Sie lassen sich durch Metalloxyde beliebig färben, sehr gut poliren, sind sehr hart und nehmen die feinsten Formen an. (Deutsche Industriezeitung, 1872, Nr. 43.)

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Polytechn. Journal, 1871, Bd. CXCIX S. 409; man sehe auch die bezügliche Mittheilung in diesem Bande S. 332, zweites Novemberheft 1872.

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