Titel: Einfluß des Nordlichtes auf Telegraphenlinien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 6 (S. 420–421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi05_6

Einfluß des Nordlichtes auf Telegraphenlinien.

Welchen Einfluß das Nordlicht auf Telegraphenlinien übt, zeigt die nachstehende Mittheilung im Pariser Journal officiel:

Die Telegraphenlinien sind während mehrerer auf einander folgenden Tage schweren Störungen ausgesetzt gewesen. Der Einfluß eines neuen Nordlichtes, der sich zuerst am Abende des 14 auf den 15. November d. J. bemerklich machte, hat erst am 19. aufgehört. Bekanntlich werden bei der Annäherung und während der |421| Dauer dieses Phänomens die Leitungen sehr schwierig und oft ganz unwirksam. Anhaltende Ströme von verschiedener Dauer kreuzen die Leitungsdrähte und verzögern die Thätigkeit der Apparate oder hemmen sie gänzlich.

Ströme dieser Art haben sich vom 14. Novbr. um 10 Uhr 30 Min. Abends an gezeigt und mit Unterbrechungen und Veränderungen bis zum 18. Novbr. 9 Uhr 30 Min. Abends fortgedauert. Während dieser Periode hatten die Verbindungen von Paris mit Bordeaux, Toulouse, Lyon, Marseille und Italien am meisten zu leiden; die mit Bordeaux und Italien waren während der Tage des 17. und 18. sogar völlig unterbrochen. In der Richtung von Norden nach Süden hat die Erscheinung die intensivsten Störungen hervorgebracht; die perpendiculäre Richtung von Osten nach Westen ist weit weniger berührt worden.

Entsprechend den bei den früheren Nordlichtern gemachten Beobachtungen hat man auch dießmal constatirt, daß die Strömungen, unter denen die telegraphischen Leitungen zu leiden haben, nicht localer Natur sind, daß sie sich gleichzeitig auf allen Linien einer und derselben Gegend zeigen, daß ihre Richtung veränderlich ist, daß sie jedoch bei allen Drähten die gleiche Himmelsrichtung haben gleich sind und sich in denselben auch in dem gleichen Momente verändern.

Andererseits hat man erkannt, daß die Stärke der Ströme nicht in allen Drähten dieselbe ist; sie hängt von der Läuge und Richtung der Linien ab, und scheint mit der Länge zu wachsen. Welches auch die Ursache der Nordlichter seyn mag, ob sie nun eine Wirkung der Veränderungen in der Stärke der natürlichen Ströme sind, die durch die Atmosphäre und das Innere der Erde gehen, ob sie durch große Explosionen auf der Oberfläche der Sonne hervorgebracht werden, ihre Rückwirkungen auf die elektrischen Linien sind von nun an ganz constatirt. Das methodische Studium dieser Störungen in den Telegraphenbureaus wird der Wissenschaft gewiß werthvolle Nachweise über die Gesetze dieser Naturerscheinungen liefern,

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