Titel: Filzfärberei mit Anilinfarben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 8 (S. 421–422)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi05_8

Filzfärberei mit Anilinfarben.

Zum Färben von Filzhüten lassen sich die Anilinfarben in allen Fällen anwenden. Man walkt mit der Lösung der Farbstoffe und bringt dieselben gleich im Anfang der Operation hinzu. Nach und nach kann man noch Farbstoff zufügen, um die Farben satt zu machen. Bringt man die Farbstofflösung erst zu Ende der Operation in die Walke, so wird leicht der Filz nicht durchgefärbt. Man kann auch das Haar direct färben und das gefärbte Haar walken. Zu diesem Zweck macht man sich eine Auflösung der Farbe in kochendem Wasser, läßt dieselbe erkalten und filtrirt. Man bestellt einen Kessel mit 30° C. warmem Wasser und bringt die nöthige Menge der Farbstoff-Lösung hinein, rührt um und geht mit dem genetzten, in einem Korb eingeschlossenen Haar in dieses Bad. Nach und nach erhitzt man das Bad auf 60° C., indem man den Korb fortdauernd bewegt. Das Haar nimmt den Farbstoff aus dem Bade heraus, und man hat nach Bedürfniß an Farbstofflösung nachzusetzen. Zu |422| diesem Zweck entfernt man den Korb auf einen Augenblick aus dem Bade, gießt Farbstoff-Lösung in letzteres, rührt durch und führt den Korb wieder ein. Der Korb wird nach erfolgter Färbung herausgenommen und das Haar erkalten gelassen. Zeigt es sich dann, dasselbe sey nicht gleichmäßig durchgefärbt, so wendet man es, setzt dem Bade neuen Farbstoff zu, und verfährt noch einmal wie oben. Nach dem Abkühlen wird zuletzt gut gespült. Man kann die Lösungen der Anilinfarben auch sehr gut mit einander mischen, um verschiedene Mischfarben hervorzubringen, welche das Haar sehr hübsch färben. Für Braun empfehlen sich die Abfallproducte vom Fuchsin, welche als Cerise, Marron u.s.w. in den Handel kommen. Diese geben mit Indigcarmin und Pikrinsäure unter Zusatz von ein wenig Schwefelsäure prachtvolle Braunnüancen. Zur Herstellung des beliebten Bismarck kann man eine Auflösung von Manchesterbraun benutzen, welche durch Zusatz von Indigcarmin, Pikrinsäure und Fuchsin in jeder Art zu nüanciren ist. (Reimann's Färberzeitung, 1872, Nr. 42.)

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