Titel: Chloroform als Lösungs- und Trennungsmittel für giftige Pflanzenstoffe bei forensischen Untersuchungen; von J. Nowak.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 9 (S. 422)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi05_9

Chloroform als Lösungs- und Trennungsmittel für giftige Pflanzenstoffe bei forensischen Untersuchungen; von J. Nowak.

In dieser Richtung ausgeführte Ausschüttelungsversuche lehrten, daß der alkalisch gemachten Lösung durch Chloroform rasch und vollständig schon in der Kälte entzogen werden: Strychnin, Chinin, Chinidin, Cinchonin, Caffein, Theobromin, Emetin, Atropin, Hyoscyamin, Aconitin, Veratrin, Physostigmin, Narcotin, Codein, Thebain, Nicotin und Coniin. Etwas langsamer wird Brucin, Colchicin und Papaverin, erst in der Wärme Sabadillin und in geringer Menge Narcein aus alkalischer Lösung aufgenommen. Pikrotoxin geht weit leichter aus saurer als aus alkalischer Lösung in das Chloroform über. Morphin und Solanin wandern weder aus saurer noch aus alkalischer Lösung in das Chloroform. Weitere Ausschüttelungsversuche zeigten, daß alle jene Substanzen, welche aus der wässerig-alkalischen Flüssigkeit von Chloroform aufgenommen werden, demselben durch mehrmaliges Schütteln mit saurem Wasser wieder entzogen werden können, während die fremdartigen fetten und sonstigen Beimengungen im Chloroform zurückbleiben. Auf Grundlage dieser Erfahrungen wurde ein systematischer Gang zur Aufsuchung giftiger Pflanzenstoffe aufgestellt, dessen Brauchbarkeit durch praktische Versuche in der Weise erprobt wurde, daß gewogene Mengen verschiedener Gifte mit zweckmäßig gewählten Leichentheilen vermengt und dann aufgesucht wurden. Die hierbei erhaltenen Ergebnisse zeigten, daß in vielen Fällen die ganze Menge des den Leichentheilen zugesetzten Giftes, in den meisten der größte Theil desselben wiedergefunden wurde. Die erhaltenen Resultate befriedigten aber insbesondere des hohen Grades von Reinheit wegen, welchen die aus Choroform wiedergewonnenen Substanzen zeigten, so daß an denselben sofort die Identitätsreactionen vorgenommen werden konnten. (Wiener Akad. Anz., 1872 S. 126.)

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