Titel: Perkins' combinirte Schiffsmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 1 (S. 492–493)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi06_1

Perkins' combinirte Schiffsmaschinen.

Da wegen der hohen Kohlenpreise die Frage nach ökonomischeren Maschinen lebhaft in den Vordergrund tritt, so zieht auch gegenwärtig das Dampfboot „Filga“ , von welchem behauptet wurde daß es nur 2 Pfund Wales-Kohle pro Pferdekraft verzehre, wogegen die übrigen Schiffe der kgl. Marine deren 4,63 benöthigen, die Aufmerksamkeit bedeutend auf sich und deßhalb erregt jeder dort aufgenommene Versuch über den Brennmaterialverbrauch ganz besonders das öffentliche Interesse.

Die „Filga“ war ursprünglich ein Dampfboot, welches die HHrn. Perkins und Sohn ankauften und mit den gegenwärtigen Maschinen versahen, woher es kommt, daß Maschine und Schiffskörper nicht im richtigen Verhältniß zu einander stehen. Die Cylinder sind mit Dampfmänteln versehen; die zwei Niederdruck-Cylinder |493| haben 30 Zoll (762 Millimet.) Durchmesser und über jedem derselben befindet sich ein Hochdruck-Cylinder von 381 Millimet. Durchmesser, in welchem sich zwei an derselben Kolbenstange festsitzende Kolben bewegen. Der Dampf tritt abwechselnd über den oberen und unter den unteren dieser Kolben, und wird bei atmosphärischer Pressung endlich ganz condensirt, mittelst Oberflächencondensatoren, so daß das Wasser mit 100° C. in den Kessel zurückgeleitet wird. Die Dampferzeugung geschieht in einem sogenannten Perkins'schen Sicherheitskessel, welcher aus 5/8 Zoll dicken und 3 Zoll weiten, in horizontalen Lagen geordneten schmiedeeisernen Röhren besteht, die unter sich durch verticale Stützen verbunden und aus 30 Sectionen von je 8 Reihen, wovon 7 über den Roststäben und eine unter denselben liegen, bestehen. Die Rohre wurden auf 2500 Pfund pro Quadratzoll Druck geprobt. Die Maschine, obgleich nur von 80 Pferden nominell, entwickelt 240 indicirte Pferdekräfte. Die Griffith-Schraube hat 3 Schaufeln, 8 Fuß (2,438 Met.) Durchmesser und 11 Fuß (3,353 Met.) Steigung, welche letztere nach mehreren Versuchen als die passendste befunden wurde.

Die „Filga“ durchlief eine Probestrecke von 41 englischen Meilen (ca. 8,9 deutsche Meilen) in 4 1/4 Stunden, und zwar mit einer Geschwindigkeit von 9,47 Knoten pro Stunde im todten Wasser. Die Gesammtdauer von Hin- und Rückfahrt war 7 Stunden 40 Minuten, wobei der Dampfdruck von 185–260 Pfd. und die Zahl der Umdrehungen von 74 bis 89 variirte.

Die abgenommenen Indicator-Diagramme zeigen einen bedeutenden Druckverlust zwischen Maschinen und Kessel, indem bei ersteren der Druck bloß 181 resp. 218 Pfd. betrug, wogegen die Kesselspannung 250 Pfund war; hingegen zeigte sich der Verlust zwischen Hoch- und Niederdruck-Cylinder ziemlich gering. Die Leistung des Hochdruck-Cylinders in der einen Maschine betrug 55,35 Pferde, jene des Niederdruck-Cylinders 39,89, während sie bei der anderen Maschine resp. 68,79 und 41,46 waren, zusammen also 205,49 Pferdekräfte.

Der Kohlenverbrauch war durchschnittlich 39,4 Pfund pro Stunde, daher sich in der That 2 Pfund pro Stunde und Pferdekraft ergeben.

Es muß jedoch bemerkt werden, daß die Diagramme nicht in der erforderlichen Zahl und vielleicht auch nicht mit der nöthigen Genauigkeit entnommen wurden, so daß hierüber, sowie über den ganz genauen Kohlen- und Wasserverbrauch noch immer gewisse Zweifel gestattet seyn durften. Uebrigens ist das Schiff durchaus nicht günstig gebaut und lassen sich genaue Resultate ja nur bei einer überhaupt correct durchgeführten Probe erwarten. (Nach Engineering, durch die Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architektenvereines, 1872 S. 382.)

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