Titel: Die Brunnenwässer der Stadt Hannover.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 3 (S. 494–496)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi06_3
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Die Brunnenwässer der Stadt Hannover.94)

Nach dem Urtheil aller Sachverständigen muß ein gutes Trinkwasser folgenden Anforderungen genügen:

1) Es muß farblos und geruchlos sein.

Von den 45 untersuchten Wässern genügen dieser Anforderung nur 33. Durch besonders starke Trübung zeichneten sich aus die Brunnen: Leibnitzstraße 1, Georgsplatz. Rathhaus am Friedrichswall. Sie sind als Trinkwasser und, wegen ihres starken Eisen- und Mangangehaltes, für technische Zwecke nicht zu verwenden.

2) Die Temperatur derselben darf in den verschiedenen Jahreszeiten nur innerhalb geringer Grenzen schwanken.

Die Beeinflussung des Bodens durch die Sonnenstrahlen hört schon bei 20–25 Meter auf, Quellen aus dieser Tiefe zeigen meist die mittlere Jahrestemperatur. Am 24. August und 16. October wurde die Temperatur von 36 Wässern bestimmt. Wie verschieden dieselbe, mögen folgende Beispiele zeigen:

Hinter dem Walle: Leinstr.: Christuskirche: Leine:
24. August 10,43 13,15 15,83 17,73.
16. October: 10,54 11,44 11,67 8,95.

3) Trinkwasser darf keine größeren Mengen von salpetersauren, schwefelsauren und Chlorverbindungen enthalten.

Während Gebirgswässer meist frei von Salpetersäure sind, enthalten die hannoverschen Brunnen beträchtliche Mengen; so der der Leinstraße beim Schloß = 318, Escherstraße = 332, Goseriede 9 = 346, Holzmarkt = 340, Taubenstraße = 365, Freischule in der Scholwinstraße = 406, Berliner Wasser nach Reich 800 Milligrm. im Liter.

Durch auffallend starken Gehalt an Ammoniak und salpetriger Säure zeichnen sich aus: Kümmelbrunnen, Georgenplatz, Rathhaus, Knochenhauerstraße, Wagenerstraße, Bäckerstraße.

Der Gehalt an Schwefelsäure (bis 35 Milligrm.) und Chlor ist dem entsprechend. 1 Liter des Wassers aus der Wasserleitung der Stadt Springe enthält, nach anderen Untersuchungen 10 Milligrm., des ersten Brunnens in Badenstedt, trotz unmittelbarer Nähe der Salinen, 56 Milligrm. Chlor. Sämmtliche Brunnen Hannovers enthalten mehr, namentlich Holzmarkt = 324, Striehlstraße = 372, Leinstraße = 405 oder auf Kochsalz berechnet 667 Milligrm. im Liter.

4) Die alkalischen Erden in einem Liter Walser dürfen zusammen höchstens 200 Milligrammen Kalk entsprechen, also 20 deutsche oder 25 englische Härtegrade zeigen.

Während fast allgemein ein weiches, also wenig Kalk haltiges Wasser für das beste Trinkwasser angesehen wird, ist neuerdings von einer Seite behauptet, der Organismus bedürfe kohlensauren Kalk und dieser könne ihm nur durch das Trinkwasser in der gewünschten Form geliefert werden. Immerhin können 20 Härtegrade als Maximum für Trinkwasser festgehalten werden. Fast sämmtliche Wässer Hannovers enthalten mehr Kalk, namentlich: Goseriede = 40, Holzmarkt = 42, Andertensche Wiese = 43 und Escherstr. = 44 Härtegrade.

5) Die Gesammtmenge der festen Bestandtheile darf höchstens 0,5 Grm. im Liter betragen.

Dieser Forderung genügt von den untersuchten Wässern kein einziges; der feste Rückstand beträgt 0,7 bis 2,2 Grm. (Scholwinstr.). Leipziger Wasser gab bis 2,6 (Reich), Berliner bis 2,8, Saalwasser 0,09 Grm im Liter.

6) Ein Liter darf nicht mehr als 50 Milligrm. durch übermangansaures Kali zerstörbare organische Substanzen und durchaus keine Organismen enthalten.

Das Wasser der Ihme enthält oberhalb der Stadt 12, unterhalb derselben 38 Milligrm., das der Leine beim Schützenhause 15, unterhalb Hannovers 26 Milligrm. im Liter. Ueber 50 Milligrm. haben 22 Brunnen, namentlich: Christuskirche = 92, Parkstr. = 115, Nienburgerstr. = 118, Rathhaus = 143, Seilerstr. = 246 Milligrm.

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Auch niedere Organismen finden sich in den meisten Wässern, in einigen in auffallender Menge.

Der Versuch Bischof's, die Güte eines Trinkwassers nur durch das Mikroskop zu bestimmen, ist, wie alle einseitigen Untersuchungen, völlig unzuverlässig. Mehrere Wässer geben farblose Krystalle mit wohl ausgebildeten Flächen, würden also nach Bischof als „gut“ bezeichnet werden müssen, die wegen ihrer Bestandtheile entschieden zu verwerfen sind.

Noch ist zu erwähnen, daß fast sämmtliche Brunnenwässer Hannovers starke Reaction auf Phosphorsäure geben.

Demnach ist keines der untersuchten Brunnenwässer als gut zu bezeichnen, mittelmäßig sind nur vier; die übrigen sind schlecht, ja sehr schlecht. Dr. Ferd. Fischer. (Hannoversches Wochenblatt für Handel und Gewerbe, 1872, Nr. 43.)

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Nach einem, im hannoverschen Bezirksverein deutscher Ingenieure gehaltenen Vortrag.

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